
Das Wort „Schachern“ wirkt fast zu positiv, wenn es um die 285 Millionen Euro der 10.000 deutschen Anlegerinnen und Anleger geht, die ihr Geld in die ProReal Europa 9 (PRE9) und ProReal Europa 10 (PRE10) investiert haben. Ein Jahr nach der ersten Hiobsbotschaft über ausbleibende Zinsen ist viel passiert. Klarheit gibt es jedoch nur in einem Punkt: Der Großteil des Geldes ist weg. Doch wo sind die Millionen geblieben? SORAVIA verweigert den AnlegerInnen wichtige Informationen. Neue Firmenverschiebungen lassen zudem den Verdacht skrupelloser Mauscheleien aufkommen.
Erwin Soravia entledigt sich der ProReal Europa 9 und 10 …
Still und heimlich verkaufte die mittelbar Erwin und Hanno Soravia gehörende One Group die beiden Emittentinnen ProReal Europa 9 GmbH und ProReal Europa 10 GmbH. Neue Eigentümerin ist die Denrob Invest GmbH mit Geschäftsführer Joachim Hermann Winter (*1956) aus Königstein im Taunus. Hinter dieser Firma steht die Denrob Verwaltungs GmbH, die seit 2023 zu jeweils 50 Prozent Robin Winter (*1994) und Dennis Winter (*1997) gehört. Zuvor war Iris Winter (*1963) alleinige Gesellschafterin. Interessanterweise hieß diese Gesellschaft bis 2001 Kralemann Verwaltungs GmbH und wurde vom Geschäftsführer Jürgen Kralemann geführt. Der Unternehmer Kralemann kam 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, als eine Notlandung mit der zweimotorigen Cessna 340 scheiterte, wobei drei Menschen starben. Aus dem anfänglichen Liquidator Joachim Winter wurde später der Geschäftsführer, und der Firmenname änderte sich von Kralemann zu Denrob.
… und holt die SC Finance Four in den Konzern zurück
Doch damit nicht genug der Rochaden: Joachim Winter wurde im März zum Geschäftsführer der SC Finance Four GmbH berufen. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens übernahm er die Rolle des Liquidators. Im Oktober wurde er durch Timm Hartwich ersetzt, um zu vermeiden, dass Winter als Liquidator einen Insolvenzplan links und rechts unterschreiben müsste. Das ist soweit bekannt, aber nun hat SORAVIA die SC Finance Four GmbH wieder direkt in den Konzern geholt. Denn die Anteile gingen kürzlich von der ZH24 Beteiligungs Zwei GmbH auf die Aurora HoldCo S.à.r.l. über. Und welche Überraschung: Die Soravia Equity GmbH ist dort seit Oktober alleinige Gesellschafterin. Welche Auswirkungen diese Schachzüge auf die 10.000 GläubigerInnen haben, bleibt unklar. Eine Presseanfrage dazu beantwortete SORAVIA nicht. (mehr zu den Umstrukturierungen von vor einem Jahr hier und dem Insolvenztourismus hier)
Probleme auch bei ProReal Deutschland 7 und 8
Bis zu 96 Prozent Verlust drohen bei PRE9 und PRE10. Angeblich drohen beim ProReal Deutschland 7 allerdings keine Kapitalverluste. Noch im September schrieb Joachim Winter, dass er „nach wie vor von der Werthaltigkeit der Investition“ überzeugt sei, ohne dafür konkrete Fakten zu liefern. Angesichts der überfälligen Zinszahlungen wären klare Aussagen entscheidend für die Glaubwürdigkeit. Das gilt ebenso für das Angebot ProReal Deutschland 8. Die von der One Group als „exklusives Folgeangebot“ beworbenen „nachrangigen Namensschuldverschreibungen mit fester Verzinsung“ wurden 2023 ohne BaFin-gestatteten Verkaufsprospekt platziert. Allerdings dürfte die fehlende Gestattung vermutlich eine unrechtmäßige Umgehung gewesen sein, wie eine Anfrage bei der BaFin nahelegt. Die gesammelten Gelder flossen über die SC Finance Two außerdem in nur zwei Projekte der SORAVIA-Gruppe, wodurch ein erhebliches Klumpenrisiko entstand. Eines der beiden Investments, mit einem Anteil von neun Prozent, ist verhältnismäßig unbedeutend. Über 90 Prozent des Kapitals flossen in die RA 1 Holding GmbH, die mit dem Zollhafen in Mainz eine seit Langem problematische Projektentwicklung verfolgt. Von der SC Finance Four gingen ebenfalls 20 Millionen Euro an die RA 1 Holding, die fast vollständig abgeschrieben werden mussten. Eine interne Unterlage spricht von Bauverzögerungen, gestiegenen Finanzierungskosten und einem Brand, bei dem große Teile der Einrichtung zerstört wurden. Für die SC Finance Four gilt das Projekt als gescheitert, doch beim ProReal Deutschland 8 wird weiter die Schadlosigkeit behauptet. Der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz lässt aufgrund der sehr belastenden Fakten bereits Schadensersatzansprüche für seine Mitglieder prüfen.
Auch ProReal Private-Angebote in Verzug
Zur Vermeidung einer Prospektpflicht legte die One Group ab 2018 die Private-Serie auf. Hier war eine Beteiligung ab 200.000 Euro möglich. Das meiste Geld dieser Serie liegt bei der SC Finance Three, die es an 26 Projektgesellschaften weiterleitete. Laut Geschäftsführer Uwe Richter seien neben dem vorübergehenden Aussetzen der Zinszahlungen keine größeren Probleme zu erwarten. Am 30. Oktober 2024 schrieb er noch: „Wir möchten nochmals betonen, dass es sich in der aktuellen Situation ausschließlich um Stundungen der Zinszahlungen handelt, die zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden sollen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass es bei der Rückzahlung Ihrer Kapitalanlage zu keinem Ausfall kommen wird.“ Angesichts gebrochener Zusagen erscheint diese Aussage wenig glaubwürdig. Im Juni hieß es noch, die Zinsen für das 2. Quartal würden pünktlich gezahlt, was im Juli revidiert werden musste. Zudem ist unklar, warum Darlehen der SC Finance Four an eine geplante Immobilienentwicklung in München-Unterföhring vollständig abgeschrieben wurden, während Gelder der SC Finance Three an dieselbe Gesellschaft angeblich nicht ausfallgefährdet sein sollen. Von erheblicher Bedeutung ist außerdem, dass in der SC Finance Three Gelder aus nachrangigen und nicht nachrangigen Konstrukten vermischt sind. Über diese Gesellschaft wurden auch die Mittel der ProReal Secure-Serie (Nummern 1 bis 4) weitergeleitet. Dadurch könnte ein gefährlicher Fremdfinanzierungshebel entstanden sein, der mögliche Ausfälle besonders schmerzhaft macht.
Loipfinger’s Meinung
SORAVIA warb Ende 2023 bei Einräumung der ersten Zahlungsprobleme noch massiv um Vertrauen (One Group stoppt Zinszahlungen). Von „absoluter Transparenz“ war die Rede, die sich jedoch als maximale Intransparenz erwies. Die aktuellen Firmenverschiebungen bestätigen wenig anlegerfreundliche Absichten. Persönliche Daten tausender AnlegerInnen werden an eine völlig unbekannte Firma weitergegeben. Erwin Soravia scheint nichts mehr mit den Produkten zu tun haben zu wollen und überlässt die restlichen Krümel einem fragwürdigen Familiennetzwerk. Das Signal ist eindeutig und sollte auch AnlegerInnen anderer ProReal-Produkte alarmieren. Wer weiterhin dem Wiener Kaffee-Klatsch vertraut, darf sich nicht wundern, am Ende wie ein billiger Tourist im Café Sacher in der Warteschlange zu stehen. Einige AnlegerInnen in der Investmentcheck.Community-Plattform haben deshalb bereits Klagen eingereicht, da Erwin Soravia sein Geschacher freiwillig wohl nicht beenden wird.

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