SORAVIA will 11.000 AnlegerInnen der ProReal Europa 9 und ProReal Europa 10 billig abspeisen.
Am 13. Februar stellte die insolvente SC Finance Four GmbH (SCF4) einen Antrag beim Amtsgericht Offenburg. Eine Woche später nahm der Sachwalter Dr. Andreas Kleinschmidt von White & Case dazu Stellung. Obwohl diese Dokumente für die 11.000 AnlegerInnen der ProReal Europa 9 und ProReal Europa 10 von entscheidender Bedeutung sind, wurden sie darüber nicht informiert. Fast schon zynisch wirkt es, wenn das Gericht in seiner Bekanntmachung schreibt, dass der Antrag der Schuldnerin und die Stellungnahme des Sachwalters zur Einsicht der Beteiligten in der Geschäftsstelle des Insolvenzgerichts ausliegen. Es geht um über 280 Millionen Euro von AnlegerInnen – doch sie werden nicht gefragt und können sich nicht einmal informieren.
Firmengeschacher
Hinter diesem Debakel steckt der Wiener Projektentwickler SORAVIA, durch dessen Machenschaften die AnlegerInnen fast ihr gesamtes Kapital verlieren sollen. Die mit BaFin-Gestattung vertriebenen Produkte ProReal Europa 9 (PRE9) und ProReal Europa 10 (PRE10) sollten in eine „attraktive Pipeline“ von Wohnungsprojekten in deutschen und österreichischen Metropolen investieren. Doch bis heute verschweigen sowohl das angeblich zuverlässige und leistungsstarke Emissionshaus One Group als auch SORAVIA, das mit „140 Jahren Erfahrung“ wirbt, in welche Projekte das Geld tatsächlich geflossen ist. Ebenso wenig wurden die AnlegerInnen über fragwürdige Firmenverschiebungen informiert. Zuletzt ließ Erwin Soravia die beiden Emittentinnen – die sich eigentlich zur Rückzahlung des investierten Kapitals verpflichtet hatten – an das dubiose Familienunternehmen Denrob Invest verkaufen. Offensichtlich will er mit den AnlegerInnen nichts mehr zu tun haben (Ein Jahr Geschacher).
Gläubigerversammlung ohne AnlegerInnen
Wie perfide die Wiener das deutsche Insolvenzrecht ausnutzen, zeigt eine aktuelle Bekanntmachung des Insolvenzgerichts Offenbach (Aktenzeichen 8 IN 170/24). Am 18. März sollen dort ab 11 Uhr im Amtsgerichtsgebäude weitreichende Beschlüsse gefasst werden – unter Ausschluss der AnlegerInnen. Damit wird die am 12. September vergangenen Jahres begonnene Gläubigerversammlung fortgesetzt. Damals versuchten die Rechtsanwälte Marc Gericke und Dr. Marc Liebscher, Stimmrechte für geschädigte AnlegerInnen durchzusetzen. Das Gericht unterbrach die Versammlung, um ihren Antrag zu prüfen. Nach einer oberflächlichen „kursorischen materiellen Prüfung“ entschied der Richter, dass das Bestreiten der Forderungen durch den Sachwalter korrekt sei. Nun wird die Versammlung fortgesetzt – mit zusätzlichen Tagesordnungspunkten, die das Kapital der AnlegerInnen weitgehend vernichten dürften.
Merkwürdige Anfechtungsansprüche
Unter TOP 1 beantragt der schon vor einem Jahr ausgeschiedene SC Finance Four-Geschäftsführer Peter Steurer laut Bekanntmachung, dass Anfechtungsansprüche in Höhe von 10,7 Millionen Euro gegenüber der SC Finance Three GmbH (SCF3) mit einem Betrag von 10,4 Millionen Euro abgefunden werden. Das dürfte nicht nur für die AnlegerInnen maximal verwirrend sein – auch verschiedene Juristen stellen sich die Frage, wie solche Anfechtungsansprüche überhaupt entstehen konnten. Zur Erinnerung: Die PRE9 und PRE10 gaben ihr Geld an die insolvente SCF4, die es wiederum an verschiedene Projektentwicklungsgesellschaften der SORAVIA-Gruppe weiterleitete. SCF3 hingegen erhielt Gelder aus völlig anderen Produkten der One Group, nämlich aus den Emissionen ProReal Private 2 bis 9 sowie ProReal Secure 1 bis 4. Insgesamt kamen so 120 Millionen Euro zusammen, die indirekt SORAVIA-Projektentwicklungen finanzierten.
Anfechtungen auch gegen die SC Finance One
Doch damit nicht genug der Ungereimtheiten bei den Zahlungsströmen: Unter TOP 2 soll beschlossen werden, dass weitere Ansprüche in Höhe von 590.000 Euro gegenüber der SC Finance One GmbH (SCF1) mit einem Betrag von 574.845 Euro abgefunden werden. Die SCF1 schuldet den Emissionen ProReal Deutschland 7 (PRD7) sowie ProReal Private 3 und 4 rund 119 Millionen Euro. Ein interner Portfoliobericht aus dem Jahr 2023 zeigt, dass diese Mittel über die SCF1 an insgesamt 17 verschiedene SORAVIA-Projektentwicklungen flossen.
Geplanter Forderungsverkauf
Neben diesen vorrangig juristischen Fragen dürfte die AnlegerInnen insbesondere TOP 3 interessieren. Dort soll beschlossen werden, dass die nachrangigen Forderungen der insolventen SCF4 gegenüber 20 namentlich genannten Projektentwicklungsgesellschaften für insgesamt elf Millionen Euro an „XXXXXXXXX“ verkauft werden. Der Platzhalter findet sich genauso in der veröffentlichten Insolvenzbekanntmachung – offenbar soll nicht einmal bekannt werden, wer der Käufer dieser Forderungen ist. Ebenso bleibt unklar, warum nur 20 Gesellschaften aufgeführt werden, obwohl zum Zeitpunkt der Insolvenzantragsstellung insgesamt 26 Entwicklungsdarlehen vergeben waren. Die Gesamtsumme der an die 20 benannten Gesellschaften ausgereichten Darlehen belief sich damals auf 200,5 Millionen Euro. Weitere 86 Millionen Euro schulden die sechs nicht aufgeführten Projektentwicklungsgesellschaften. Was mit diesen Forderungen geschehen soll, bleibt in der Tagesordnung der Gläubigerversammlung unerwähnt. Fragen von Investmentcheck zu diesen Sachverhalten wurden weder von SORAVIA, der One Group, dem Geschäftsführer der PRE9 und PRE10 sowie dem Liquidator der SCF4 beantwortet.
Nur ein peinliches Versehen?
Noch bevor diese Insolvenzbekanntmachung erfolgte, stellte Investmentcheck eine Anfrage an SORAVIA zu einer Handelsregistermeldung der planquadr.at PRP GmbH. Diese Gesellschaft erhielt neun Millionen Euro von der SCF4. Laut der Veröffentlichung hat das Landesgericht Salzburg ein „Einschreiten von Amts wegen“ veranlasst. Hintergrund ist ein „Vollzug“ der Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministerium der Justiz. SORAVIA antwortete auf die Anfrage mit der Erklärung, es handle sich um einen internen, inzwischen behobenen Fehler: „Im Rahmen unserer standardisierten internen Überprüfungen wurde ein Versehen festgestellt, wonach die Gebühr für die Firmenbuchabgabe nicht fristgerecht entrichtet wurde. Dieses Versehen wurde unverzüglich korrigiert und die Zahlung ist bereits erfolgt. Die Angelegenheit ist somit vollständig abgeschlossen und bedarf keiner weiteren Maßnahmen. Wir legen großen Wert auf die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben und bedauern das entstandene Versehen.
“Loipfinger’s Meinung
11.000 AnlegerInnen vertrauten auf die Werbeversprechen von Erwin Soravia und investierten allein bei PRE9 und PRE10 über 280 Millionen Euro. Jetzt geht es um ihr Geld – und sie dürfen nicht einmal mitreden. Hinter verschlossenen Türen verhandeln Anwälte eine Lösung, die offensichtlich SORAVIA begünstigt. Timm Hartwich vertritt als Liquidator die insolvente SCF4, Joachim Winter die beiden Emittentinnen PRE9 und PRE10. Andreas Kleinschmidt verdient gut als Sachwalter, während das Gericht die einzigen echten Geldgeber – die AnlegerInnen – nach einer „kursorischen materiellen Prüfung“ vom Verfahren ausschließt und auch noch den Käufer von 200 Millionen Euro Forderungen zum Schnäppchenpreis verheimlicht. Die Finanzaufsicht BaFin, die bei der Gestattung der Verkaufsprospekte offenbar keinen Grund für eine Intervention sah, schaut auch jetzt untätig zu, während 11.000 AnlegerInnen von einem österreichischen Projektentwickler über den Tisch gezogen werden.

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