
Liebe Leserinnen und Leser,
einer der wenigen verbliebenen großen Anbieter von Vermögensanlagen hat kurz vor Weihnachten eine Restrukturierung angekündigt. 275 Millionen Euro stehen bei der DEGAG Deutsche Grundbesitz auf dem Spiel. Dieses Kapital wurde über Genussrechte eingesammelt und in einer unübersichtlichen Konzernstruktur verteilt. Welche Immobilien konkret mit den Genussrechtsgeldern finanziert wurden, hat die DEGAG nicht offengelegt. Warum diese undurchsichtige Struktur geschaffen wurde, bleibt unklar. Jede:r kann sich dazu eine eigene Meinung bilden. Meine Meinung habe ich mir bereits vor Jahren gebildet und die DEGAG öffentlich dafür kritisiert. Der Anbieter hat nie den Versuch unternommen, mich vom Gegenteil zu überzeugen.
DEGAG: Auch ein regulierter Fonds strauchelt
Die DEGAG Deutsche Grundbesitz ist ein weiteres Armutszeugnis für die Finanzaufsicht BaFin, die seit Jahren von der Umgehung gesetzlich vorgeschriebener Aufklärungspflichten durch gestattete Verkaufsprospekte wusste. Viele Millionen wurden in Tranchen zu je 20 Anteilen mit minimalen Änderungen bei Zinsen und Laufzeiten eingesammelt. Die BaFin vertritt den Standpunkt, dass schon eine Änderung des Zinssatzes um 0,01 Prozent eine neue Vermögensanlage begründe. Dadurch konnten Schutzmaßnahmen wie das Blind-Pool-Verbot ausgehebelt werden. Streit mit einem wehrhaften Anbieter blieb der BaFin erspart. Die jetzt geschädigten AnlegerInnen werden dem untergeordnet. Doch es ist noch schlimmer: Unter dem Label „My House“ wurde Geld mit einem regulierten und gestatteten Publikums-AIF gesammelt. Ein etwas anderer rechtlicher Mantel, aber inhaltlich eine ähnliche, nebulöse Geldbeschaffung. Selbst eine als Wertpapier zugelassene nachrangige Schuldverschreibung mit dem Namen MyHouse Wohnen I (ISIN: DE000A383QP4) passierte die BaFin-Zulassungshürden. Mit dem Versprechen „Investments für Generationen“ wurden hier AnlegerInnen geworben. Wer genug Geld für Anwälte hat, braucht sich vor der BaFin offenbar nicht zu fürchten (mehr zur Restrukturierung bei der DEGAG).
Anforderungen an die Gutachterbestellung
Auch die von der BaFin zugelassenen externen Bewerter sehen die Aufsicht nicht als Bedrohung. Die geplante Änderung des Rundschreibens 07/2015 (WA) zu den „Anforderungen bei der Bestellung externer Bewerter für Immobilien und Immobiliengesellschaften“ erweitert vor allem den Formalismus (Geschäftszeichen: WA 54-Wp 2133-2024/0001). Einige Punkte klingen vernünftig, andere sind nett. Doch das Kernproblem – die Abhängigkeit der Gutachter von der Auftragsvergabe – bleibt ungelöst. Dabei wäre die Lösung einfach: Eine unabhängige Vergabestelle wie die BaFin wählt den externen Bewerter aus. Durch eine einfache Ausschreibung bei zugelassenen Gutachtern würde die Vergabe im Namen der Fondsgeschäftsführung erfolgen. Mehrkosten: keine. Im Gegenteil – die Methode könnte sogar kostengünstiger sein. Ein Eingriff in unternehmerische Freiheiten wäre das nicht, da Bewertungen ohnehin gesetzlich vorgeschrieben sind. Diese kleine Änderung könnte die Produktqualität deutlich steigern, indem unabhängige und marktgerechte Gutachten erstellt würden.
Wienerisches Geschacher
Wie skrupellos Anbieter von Vermögensanlagen agieren, zeigt die jüngste Unternehmensverschiebung bei der One Group. Zwölf Monate nach den ersten Zahlungsproblemen fällt das Resümee zu den Machenschaften von Erwin Soravia ernüchternd aus: Ein Jahr Geschacher. Dabei ist die Formulierung für Erwin Soravia noch sehr schmeichelhaft, denn die neuesten Firmenverschiebungen verheißen Schlimmes für die gut 10.000 AnlegerInnen der ProReal Europa 9 und ProReal Europa 10. SORAVIA entsorgte die beiden eigentlich zahlungspflichtigen Emittentinnen an ein völlig unbekanntes Familienunternehmen mit dem Namen Denrob. Für sehr persönliche Daten und 285 Millionen Euro ist nun eine Familie Winter aus Königsstein im Taunus verantwortlich. Dafür hat sich Erwin Soravia die insolvente SC Finance Four GmbH in den Konzern zurückgeholt. Na ja, natürlich nur versteckt über eine Luxemburger Aurora HoldCo S.à.r.l. Ich habe geforscht, wem die gehört, und bin bei der Soravia Equity als neuen mittelbaren Gesellschafter gelandet. Jetzt würde ein Insolvenzplanverfahren ganz viel Sinn ergeben. Winter unterschreibt für die AnlegerInnen einen massiven Kapitalverzicht und die SC Finance Four darf sich über Erlöse aus den vergebenen Projektfinanzierungen freuen, die über dem vermutlich sehr kleinen Abfindungsbetrag liegen. Ich bleibe bei der spekulativen Prognose, dass die betroffenen AnlegerInnen 96 Prozent verlieren. Mit der Familie Winter wird es also frostig.
WIDe übernimmt PROJECT Investment
Die vollregulierte und immer noch zugelassene Kapitalverwaltungsgesellschaft PROJECT Investment AG wurde von der WIDe Wertimmobilien Deutschland aus Ebermannstadt übernommen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der PROJECT Investment, Sascha Borowski hebt in einer Pressemitteilung dazu hervor, dass es in enger Zusammenarbeit mit dem neu formierten Aufsichtsratsteam – Matthias Balkenhol und Dr. Matthias Schneider – gelungen sei, die Kapitalverwaltungsgesellschaft zu stabilisieren und weitere Ausfälle zu vermeiden. „Wir sind stolz, die Gesellschaft an diesen Punkt geführt zu haben. Mit der WIDe Gruppe als neuem Partner ist die Gesellschaft gerade im herausfordernden Marktumfeld gut gerüstet.“ Den Stolz werden allerdings tausende der massiv geschädigten AnlegerInnen nicht verstehen. Mehr als 100 Insolvenzverfahren bei Objektgesellschaften der PROJECT-Gruppe sorgen am Ende für massive Verluste. Wie schlimm es wirklich aussieht, wissen die Geschädigten nicht, weil das angeblich „hochqualifizierte Team der PROJECT Investment AG“ nach fast eineinhalb Jahren Krisenmodus keine belastbaren Informationen liefert. Nicht einmal die längst überfälligen Jahresberichte 2023 sind verfügbar. WIDe muss viel aufarbeiten und übernimmt mit PROJECT nach den kürzlich übernommenen PI-Fonds die nächste Großbaustelle. WIDe-Chef Dieter Lahner seht ein sehr arbeitsreiches Jahr bevor.
Frohe Weihnachten und alles Gute für 2025
Nicht nur Dieter Lahner, sondern auch allen meinen Leserinnen und Lesern möchte ich für das anstehende Weihnachtsfest ein paar erholsame und kraftspendende Tage wünschen. Ich bedanke mich bei allen für ihre Lesetreue und hoffe auf ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr für Sie.
Bleiben Sie froh und munter.
Ihr
Stefan Loipfinger
P.S.: Zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König ist unser Büro nicht besetzt. Der nächste Newsletter erscheint voraussichtlich am 10. Januar 2025

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