Insolvenzplan bei IMMAC Holding

Restrukturierung mit Signalwirkung für den Healthcare-Markt
Insolvenzplanverfahren bei der IMMAC Holding AG
Insolvenzplanverfahren bei der IMMAC Holding AG

Die IMMAC wurde 1997 von Marcus Schiermann gegründet und hat sich als Spezialist für Healthcare-Investments etabliert. Seitdem legte das Unternehmen über 130 geschlossene Fonds und weitere Investmentvehikel auf. Rund zwei Milliarden Euro flossen in mehr als 170 Betreiberimmobilien. Leitmotive wie hohe Transparenz und langfristige Partnerschaften prägten die Unternehmensführung – zumindest über viele Jahre unter Thomas Roth. Vor zwei Jahren übernahm die Hannoversche Volksbank eG direkt und indirekt 80 Prozent der Aktien der IMMAC Holding AG. Ein erfolgreiches Investment war das offenbar nicht: Die Holding hat nun einen Insolvenzplan zur Restrukturierung in Eigenverwaltung eingereicht.

Restrukturierung in Eigenverwaltung
Bereits vergangene Woche, am Mittwoch, beantragte die IMMAC Holding AG ein Eigenverwaltungsverfahren, das am 30. Oktober vom Amtsgericht Hamburg angeordnet wurde. Als Generalhandlungsbevollmächtigte begleiten Dr. Rainer Eckert und Andreas Romey von ECKERT Rechtsanwälte den Prozess. Das Insolvenzgericht bestellte zudem den Hamburger Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL zum vorläufigen Sachwalter. Ziel des Verfahrens ist es nach Unternehmensangaben, „geordnet alle Sanierungswege zu prüfen“. Das Verfahren betrifft ausschließlich die Holding – andere Gesellschaften der IMMAC-Gruppe sind nicht Teil der Eigenverwaltung.

Hintergründe noch unklar
Zur Begründung äußerte sich das Unternehmen bislang nur vage. Das Geschäftsmodell sei von mehreren Seiten unter Druck geraten: „Als Spezialist für Investments in stationäre Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Seniorenresidenzen traf auch IMMAC in den vergangenen Jahren auf multiple Veränderungen und Krisen – wie Corona-Pandemie, Gesundheitskrise, Zinswende, stark steigende Inflation und Baukosten –, die die Rahmenbedingungen deutlich verschlechterten. Dies hatte zur Folge, dass Projekte aus der Zeit vor den Veränderungen nicht realisiert werden konnten. Aufgrund der ganzheitlichen Marktverunsicherung war ebenso die Nachfrage auf dem Kapitalanlagemarkt rückläufig.“ Die Häufung dieser Faktoren über mehrere Jahre habe die Liquiditätslage des Unternehmens nachhaltig belastet.

Zahlen und Fakten zur IMMAC-Group
Von ursprünglich 136 Investmentvermögen befanden sich zuletzt noch 113 in Verwaltung. Das dort von Anlegerinnen und Anlegern eingebrachte Eigenkapital beträgt 890 Millionen Euro. Einschließlich der Bankfinanzierungen werden 159 Objekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,84 Milliarden Euro verwaltet. Als Kapitalverwaltungsgesellschaft fungiert die HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH, die seit Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) alle neu aufgelegten Fonds betreut. In diesen regulierten Bereich fallen 61 Fonds mit 516 Millionen Euro Eigenkapital. Neben Publikums- und Spezial-AIFs erhielt die HKA 2021 die Erlaubnis, auch offene Spezial-AIFs zu verwalten. 2022 legte IMMAC zudem seinen ersten Dachfonds auf; das Nachfolgeprodukt IMMAC Immobilien Portfoliofonds 2 befand sich bis zuletzt in der Platzierung – ebenso der Spezial-AIF IMMAC Irland Sozialimmobilien VI Renditefonds.

Loipfinger’s Meinung
Bereits 2023 war IMMAC infolge mehrerer Betreiberinsolvenzen mit der Restrukturierung einiger Fondsgesellschaften beschäftigt – zunächst offenbar mit Erfolg. Doch das nun eingeleitete Insolvenzplanverfahren der Holding zeichnet ein anderes Bild. Die Ursachen bleiben diffus; das Unternehmen nennt lediglich einen „Blumenstrauß an Problemen“. Die Hannoversche Volksbank eG als Mehrheitsaktionärin hat sich mit ihrer Übernahme im Jahr 2023 offenbar verspekuliert. Schon damals wurde der Gesellschafterwechsel unzureichend kommuniziert. Der zeitliche Zusammenhang mit den Betreiberinsolvenzen nährte Spekulationen, deren Wahrheitsgehalt sich wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten klären wird. Ob am Ende noch etwas übrig bleibt vom damaligen optimistischen Fazit der Unternehmensmitteilung, darf bezweifelt werden: „Ziel der langfristig angelegten Partnerschaft ist die Sicherung von Stabilität und dem konservativen Werteverständnis im Sinne der seit 1997 gelebten Unternehmenskultur der IMMAC group.“


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Insolvenzplan bei IMMAC Holding“

  1. Avatar von Stephan Appel
    Stephan Appel

    Kann es sein, dass auch in diesem Fall die laufenden Einnahmen (Gebühren) nicht ausreichten, den laufenden Betrieb des Emissionshauses aufrecht zu erhalten.
    Sondern die langfristige Refinanzierung der Fixkosten konnte nur über Neuplatzierungen und die damit verbundenen Fees für Konzeption, Einrichtung und Treuhand etc. erfolgen?
    Offenbar war es auch nicht – wie in anderen Fällen – möglich, die Fixkosten so zu senken (Personal entlassen), dass eine Fortführungsperspektive gegeben war.

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