
Liebe Leserinnen und Leser,
bei Leonidas ist es etwas ruhiger geworden. Überwiegend ist die CAV als Fondsmanagement eingesetzt und muss ein gigantisches Chaos aufarbeiten. 259 Konten bei neun verschiedenen Banken mussten auf ein sinnvolles Maß reduziert werden. 200 zum Teil schon ewig überfällige Steuererklärungen wurden eingereicht. Gleiches gilt für 100 nicht rechtzeitig erstellte Jahresabschlüsse inklusive Testate, die zur Vermeidung weiterer Strafzahlungen endlich einen aktuellen Buchhaltungsstand abbilden. Bei 25 Gesellschaften sind Antje Grieseler und Ralf Schamberger aus der Geschäftsführung entfernt worden. Zahlreiche Verträge wurden beendet, bei denen sogar Vertragsdoppelungen mit entsprechenden Mehrbelastungen für die AnlegerInnen dabei waren. Viele Zahlungen an Grieseler-Firmen sind zwischenzeitlich eingestellt. Thomas Hartauer und Hubertus Päffgen sind weit entfernt von einem 40-Stunden-Job. Angesichts der Fülle an dringend zu erledigenden Themen bleibt die Kommunikation etwas auf der Strecke. Aber mit jeder Aufräumaktion wird es besser, auch wenn bis zum Normalzustand vermutlich noch etwas Zeit vergeht.
Schadensersatz für AnlegerInnen von Leonidas III
Eine richterliche Bestätigung für das Chaos beim Leonidas III hat mir diese Woche Rechtsanwalt Boris Glameyer zugeschickt. Er vertritt zahlreiche AnlegerInnen dieser insolventen Emittentin von qualifizierten Nachrangdarlehen und bekam nun in den ersten Fällen Schadensersatz zugesprochen. Das Gericht folgte zwar nicht seiner Argumentation bezüglich der Ungültigkeit der Nachrangklausel. Aber er konnte den Senat beim Landgericht Nürnberg-Fürth bezüglich der von ihm vorgetragenen Prospektfehler überzeugen. Das Gericht schrieb dazu, dass der Prospekt fehlerhaft war, weil „dort die geplante Struktur, in der sich die Darlehensnehmerin mittelbar an den drei französischen Betreibergesellschaften der Photovoltaikanlagen beteiligen sollte, unzutreffend dargestellt wurde“. Konkret sollte mit dem Kapital der AnlegerInnen eine Beteiligung mit entsprechenden Unterbeteiligungen erworben werden, was so nicht passierte. „Die prospektierte Struktur ist mithin, entgegen der Rechtansicht der beklagten Partei, nicht materiell umgesetzt worden. Die eingeworbenen Mittel sind während der prospektierten Darlehenslaufzeit gerade nicht dazu verwendet worden, Photovoltaikanlagen zu kaufen (vgl. § 2 des Darlehensvertrages), sondern, um der Leo V, die ihrerseits mittelbar Photovoltaikanlagen erworben hatte, hierfür ein Darlehen zu gewähren.“ Ein toller Erfolg für die geschädigten AnlegerInnen, da das Gericht die Beklagte Antje Grieseler zu Schadensersatz verurteilte. Noch sind die Urteile allerdings nicht rechtskräftig. Boris Glameyer richtet sich auf eine Berufung beim Oberlandesgericht ein.
Steiner & Company übergibt die Gebührenwurst
Schon mehrfach habe ich kritisch über Steiner & Company berichtet (hier). Strafen des Bundesamtes für Justiz wegen Nichtveröffentlichung der Jahresabschlüsse in Höhe von jeweils 250.000 Euro waren bei zwei Emittentinnen der MAP 4 Ansparfonds sogar ursächlich für Insolvenzanträge. Bei der Multi Asset Portfolio 3 UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG kam es nun ebenfalls zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (Amtsgericht Hamburg: 67g IN 227/24). Die Ursachen sind nicht bekannt, aber der letzte veröffentlichte Jahresabschluss berichtet über das Jahr 2019. Der Schwesterfonds Multi Asset Portfolio 2 GmbH & Co. KG berichtet im Bundesanzeiger ebenfalls schon lange nicht mehr über seine finanzielle Situation. Jetzt soll Constantin Michael Carsten mit seiner OKTAGON übernehmen. Die Elbtreuhand soll die S+C Treuhandgesellschaft ersetzen. Ein völlig undurchsichtiges Unterfangen, über das die AnlegerInnen abstimmen dürfen. In der Abstimmungsunterlage steht etwas von einer Tätigkeitsvergütung in Höhe von 0,8 Prozent, die auf 1,552 Prozent des eingeworbenen Kommanditkapitals steigen soll, obwohl Steiner erhebliche Teile des Vermögens vernichtete und damit ein Bezug auf die Zeichnungssumme indiskutabel ist. Treuhandanteile sollen per Gesellschafterbeschluss übertragen werden, obwohl es sich um Einzelverträge zwischen jeder Anlegerin und jedem Anleger mit der alten Treuhänderin handelt. Einer von 15 Beschlusspunkten ist die Beauftragung eines Wirtschaftsprüfers für die Jahre 2014 bis 2024. Was für ein Schlachtfeld. Ein glaubwürdiger Neuanfang sieht anders aus.
Salamitaktik geht weiter: ProReal Deutschland 7
SORAVIA hat den AnlegerInnen des ProReal Deutschland 7 (PRD7) nun die nächste Salamischeibe präsentiert. Das Ende Juli dieses Jahres in Aussicht gestellte Ziel der Zinszahlung bis Ende September 2024 wird wieder nicht eingehalten. In bester Salamimanier wird von Joachim Winter erklärt, dass es keinen Grund für die Annahme von Kapitalverlusten gäbe. Nur leider dauert alles etwas länger. Man habe ein indikatives Kaufangebot für eine Hotelimmobilie in Nordrhein-Westfalen unterzeichnet. Wenn hier Geld fließt, können die Zinsen nachbezahlt werden. Vermutlich handelt es sich um das Plateno Hotel in Duisburg, das seit 2020 fertiggestellt ist. Laut einem Portfoliobericht aus dem letzten Jahr flossen an die HD Besitzgesellschaft mbH fünf Millionen Euro von der SC Finance One GmbH, an die die PRD7 ihre Anlegergelder weiterreichte. Hier wäre natürlich interessant, warum die PRD7 keine Zinsen zahlen kann. Welche Darlehen der rund 17 Darlehensnehmerinnen aus dem SORAVIA-Konzern wurden nicht plangemäß bedient? Sogar die Soravia Investment Holding hatte letztes Jahr laut diesem Portfoliobericht 14,7 Millionen Euro für „Allg. Projekte“ erhalten (siehe auch: Die Ruhe vor dem Sturm). Nicht nur Vegetariern dürfte die von SORAVIA gelebte intransparente Salamitaktik nicht schmecken.
ThomasLloyd: Salamischneider-Weltmeister
Selbst die Firma Gräf als Hersteller feinsten Schneidegeräts dürfte über die Fähigkeiten von ThomasLloyd erstaunt sein, wie dünn eine neu präsentierte Salamischeibe sein kann. Schon wieder – ich weiß nicht mehr, zu wievielten Mal – informiert ThomasLloyd die AnlegerInnen der Zweiten, Dritten und Fünften Cleantech Infrastrukturgesellschaft (CTI 5D, CTI 8, CTI 9D, CTI 15, CTI Vario D) über Verhandlungen mit möglichen Refinanzierungspartnern. Man habe diese „intensiviert“ und sei mal wieder zuversichtlich, dass eine Vertragsunterzeichnung in den kommenden Wochen möglich sei. Man habe nach Sondierungsgesprächen nun eine Short-list mit 14 potenziellen Refinanzierungspartnern erarbeitet. Fast schon wie in einer professoralen Vorlesung wird der Einfluss der Anzahl der Refinanzierungspartner in einem Konsortium auf die Dauer der Vertragsabschlüsse erklärt. Ich will hier niemanden langweilen, weil die Salamischeibe mittlerweile so dünn ist, dass sie durchsichtig wurde. Spätestens am 30. November soll wieder berichtet werden.
Bleiben Sie tierfreundlich.
Ihr
Stefan Loipfinger

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