Mehr Wissen – mehr Wirkung

KW 42/2025: Kommentar von Stefan Loipfinger
Über 10.000 Userinnen und User im Anlegerforum Investmentcheck.Community
Über 10.000 Userinnen und User im Anlegerforum Investmentcheck.Community

Liebe Leserinnen und Leser,
was vor wenigen Jahren als Austauschplattform für kritische und gut informierte Anlegerinnen und Anleger begann, ist heute eine der größten unabhängigen Investment-Communities im deutschsprachigen Raum. Über 10.000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer tauschen sich inzwischen auf Investmentcheck.Community aus – über Fonds, Nachrangdarlehen, Schwarmfinanzierungen, Anbieterstrategien und Entwicklungen am grauen Kapitalmarkt. Die Stärke der Community liegt im Wissen und in der Erfahrung ihrer Mitglieder. Viele engagieren sich mit eigenen Recherchen, Hinweisen oder Dokumenten und tragen so zu mehr Transparenz bei. Immer wieder werden Informationen zusammengetragen, die später auch für Medien, Anwälte oder Gerichte von Bedeutung sind. Investmentcheck.Community versteht sich als unabhängige Plattform: frei von Anbieterinteressen, kritisch gegenüber Marketingversprechen und stets dem Ziel verpflichtet, Anlegerinnen und Anlegern zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Dass inzwischen über 10.000 Menschen Teil dieser Gemeinschaft sind, zeigt: Der Bedarf an ehrlichem, faktenbasiertem und solidarischem Austausch unter Anlegerinnen und Anlegern ist größer denn je.

Falsche Versprechen, deutliche Urteile
Rechtsanwalt Boris Glameyer vertritt beim gescheiterten Leonidas Associates III zahlreiche Anlegerinnen und Anleger – auch aus dem Forum. Aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens der Emittentin ist derzeit völlig unklar, in welcher Höhe die Quote auf die gewährten Nachrangdarlehen ausfallen wird. Bereits vor einem Jahr habe ich über die Erfolge in erster Instanz berichtet (Schadensersatz für AnlegerInnen von Leonidas III). Nun liegen die ersten Entscheidungen des Oberlandesgerichts Nürnberg vor. Der dort zuständige Senat hat die Urteile des Landgerichts vollumfänglich bestätigt. Antje Grieseler muss den Klägerinnen und Klägern nun Schadensersatz leisten, da der Verkaufsprospekt kein zutreffendes Bild der angebotenen Kapitalbeteiligung vermittelte.

Unklare Botschaften, klare Drohungen
Eigentlich bekomme ich über Investmentcheck.Community alles mit, was ThomasLloyd den Anlegerinnen und Anlegern mitteilt. Allerdings ist der letzte mir bekannte Newsletter zu den angeblich so vielversprechenden Verhandlungen über die Refinanzierung der drei philippinischen Biomassekraftwerke nun bereits drei Monate alt. Die damals verkündeten „positiven Neuigkeiten“ mündeten in die angeblich bereits laufende Erstellung eines Kreditvertrags. Es würde den Rahmen des Newsletters sprengen, hier auf die Chronologie der Anlegerverschaukelung (Link führt zur Fleißarbeit von Kerstin Kondert zu den TL-Anlegerinformationen) einzugehen. Nun ja, manchmal ist auch Nichtinformation eine Nachricht wert. Zumal ich erneut von zwei zivilrechtlichen Haftbefehlen gegen einen Geschäftsführer erfahren habe, weil dieser eine Vermögensauskunft nicht abgegeben hat. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass in einem Fall der offene Betrag beglichen wurde, während der andere Fall noch strittig sei. In einer nicht persönlich unterzeichneten E-Mail teilte man mir unter Androhung (mein Empfinden) von Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen mit, dass die pauschale Gleichsetzung eines zivilrechtlichen Haftbefehls zur Sicherung erstinstanzlich ausgeurteilter Forderungen mit einem strafbaren Fehlverhalten gegenüber Anlegerinnen und Anlegern irreführend sei. Diesen Eindruck will ich selbstverständlich nicht erwecken und stelle das hiermit klar. Ich frage mich jedoch, warum Sven Tintemann von der Kanzlei AdvoAdvice zu solchen Mitteln greifen muss, um die Interessen seiner Mandantinnen und Mandanten in den bereits ausgeurteilten Fällen durchzusetzen.

Geld weg, Geld eigentlich da
Die SORAVIA sorgt in Österreich derzeit für Schlagzeilen: Das Unternehmen befindet sich in einer Umstrukturierung und baut Beteiligungen ab. Rund um die zahlreichen ProReal-Anlageprodukte ist es dagegen auffallend ruhig geworden. Wer jedoch die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse aufmerksam verfolgt, kann schon jetzt der nächsten Gruppe von Anlegerinnen und Anlegern eine Hiobsbotschaft ankündigen: Der ProReal Deutschland 8 hat seine Mittel an die SC Finance Two weitergereicht. Für diese Poolgesellschaft liegt inzwischen der Jahresabschluss 2023 vor – und der zeigt ein auf 7,1 Millionen Euro abgeschriebenes Umlaufvermögen. Ein negatives Eigenkapital von über 18 Millionen Euro weist auf eine erhebliche Finanzierungslücke hin: Den Verbindlichkeiten stand zum Jahresende 2023 nur noch ein Vermögen von rund 28 Prozent gegenüber. Ein bemerkenswerter Vorgang, nicht zuletzt, weil etwa Uwe Richter im Oktober 2024 – also lange nach dem Bilanzstichtag – noch erklärte, bei der Kapitalrückzahlung seien keine Verluste zu erwarten. Noch auffälliger ist jedoch, dass die beiden Projektgesellschaften, an die laut einem Performancebericht Ende 2023 die Gelder weitergereicht wurden, keine bilanzielle Überschuldung ausweisen. Ist das Geld also tatsächlich verloren – oder will es nur jemand nicht zurückzahlen, obwohl es vorhanden ist? Man könnte auch fragen, ob die Bilanzen stimmen oder nicht. Falls ja, kommen wir zu Frage 1 zurück. Falls nein, sollten andere einmal genauer nachfragen.

Branchendienst weg, eigentlich schade
Wir waren zwar keine Freunde, aber trotzdem finde ich es bedauerlich, dass über die kapital-markt intern Verlag GmbH nun ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde (Amtsgericht Montabaur, 14 IN 193/25). Letztlich ist das ein Spiegelbild der gesamten Branche – wenn sie nicht einmal mehr den einzigen über Abonnements finanzierten Branchendienst tragen kann. Ich wünsche den Kollegen viel Erfolg bei der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive.

Bleiben Sie hoffnungsvoll.

Ihr
Stefan Loipfinger

Kommentare

3 Kommentare zu „Mehr Wissen – mehr Wirkung“

  1. Avatar von Poschmann

    Auch hier würde mich eine Stellungnahme von Soravia interessieren. Oder gar von Uwe Richter persönlich.

    In Kürze werde ich ein weiteres Mitglied der Community sein. Glückwunsch zu mindestens 10.001 Mitgliedern 😉

    Grüße aus Leipzig

  2. Avatar von Hans-Jörg Thormann
    Hans-Jörg Thormann

    Der Gratulation von Kerstin Kondert vom Aktionsbund kann ich mich gut anschliessen, Stefan Loipfinger macht eine Topparbeit und wird mit steigenden Mitgliederzahlen dafür belohnt. Wir alle „betrogenen“ Anlegerschutzmitglieder schaffen nur gemeinsam den immer neu entstehenden Sumpf auszutrockenen. Bin selber im Fall Grieseler mit von der Partie, aber auch bei ThomasLLoyd wird geschummelt und vertuscht.
    Was mir mehr oder weniger zu kurz kommt, sind die Betreuer/Vermittler dieser Anlagen, die z.T. noch für ihre „Verdienste“ ausgezeichnet werden. Hatte vor 2 Jahren versucht eine Prämierung zu verhindern, hatte keine Chance!!
    Dr.Tintemann ist in meinem Auftrag in einem Fall unterwegs und hat bereits mehrer Klagen auf diesem Gebiet schon gewonnen, wie er publiziert. Bei mir steht der Erfolg noch aus.
    Zur Arbeit von Frau Kondert kann ich nur in höchsten Tönen schwärmen, engagiert, wissend, fleissig erfüllt sie Anforderungen, die ihr grossen Respekt zollen.
    Beiden „Kämpfern“ dazu nochmals ein dickes Dankeschön!!

  3. Avatar von Kerstin Kondert (aktionsbund.de)

    Herzlichen Glückwunsch zum 10.000sten „Mitarbeiter“! Der Austausch im Forum bereichert den Anlegerschutz und ist eine hervorragende Anlaufstelle für den aktiven Informationsaustausch. Ihr alle helft auch mir viel bei meiner Arbeit. Allerherzlichsten Dank!
    PS: Das Ausbleiben der üblichen Vertröstungsbotschaften bei ThomasLloyd macht mich auch misstrauisch.

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