Ein gesunder AnlegerInnen-Bias

Investmentcheck-News KW 39/2022 – Editorial von Stefan Loipfinger

Liebe Leserinnen und Leser,
kennen Sie den Home-Bias? Das ist die Tendenz von Aktionären, ihren Heimatmarkt überzugewichten, weil sie die Unternehmen besser kennen. Auf mich übertragen würde ich einen AnlegerInnen-Bias unterstellen. Ich betrachte Fonds aus Investorensicht und sehe mich im Zweifel auf deren Seite. Meines Erachtens zu Recht, denn in fast 30 Jahren habe ich noch nicht erlebt, dass AnlegerInnen den Initiator über den Tisch zogen, während umgekehrt …

Anlass für diese Überlegungen ist eine Eskalation bei Leonidas. HTB als neues Fondsmanagement beschimpft per E-Mail in der IG-Leo organisierte AnlegerInnen, die in einer Stellungnahme zurückschlugen. Als Beobachter muss ich mir nun eine Meinung bilden: Wer hat Recht? Das gut bezahlte und von unzähligen Anwälten flankierte Fondsmanagement oder die ehrenamtlich um ihr Geld kämpfenden Anleger? Meine Antwort auf die Frage muss ich nicht aussprechen, denn ich habe sie bereits im Ton der Fragestellung gegeben. Im Anlegerforum Investmentcheck.Community diskutiere ich die Fakten mit Betroffenen, die in HTB noch den weißen Ritter sehen möchten. In einem Blogbeitrag habe ich die Argumente beider Seiten zusammengefasst. HTB muss ganz schnell ihren Grieseler-Bias und ihren feudalistischen Managementstil ablegen, sonst ist der Ruf bald ruiniert …

Zitat Stefan Loipfinger
Bild: Stefan Loipfinger Zitat

Sie kennen das Sprichwort: … dann lebt es sich ganz ungeniert. So wie das meines Erachtens Thomas Ulf Michael Sieg von ThomasLloyd tut. Seit Jahren kritisiere ich die fragwürdigen Gewinne bei der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH. Für mich waren es billige Taschenspielertricks, um AnlegerInnen durch nicht verdiente Ausschüttungen eine Werthaltigkeit ihrer Beteiligungen vorzutäuschen und den Fondsvertrieb nicht zu gefährden. Nicht alle fanden meine Ansicht gut. Aber selten hat sich meine Kritik so dezidiert bestätigt. 67 Millionen Euro Gewinn aus einem In-Sich-Geschäft 2017 lösten sich nun durch außerordentliche Abschreibungen in Luft auf. Auch der Taschenspielertrick 2018 mit der Solar Arise zeigt im Jahresabschluss 2020 seine wahre Qualität in Form von Millionen-Abschreibungen. Die Gewinnursache 2019 endete 2020 in einem Forderungsverzicht. Im Anlegerforum zu ThomasLloyd stellte ich meine alten Kritikpunkte den jetzt veröffentlichten Katastrophenfakten gegenüber [hier nachlesbar]. Natürlich ist Corona schuld und nicht die jahrelangen Bauverzögerungen bei den Biomassekraftwerken auf den Philippinen, wegen denen man sich laut Jahresabschluss immer noch um einen „langfristigen Stromabnahmevertrag“ bemühen muss.

Pflegen Sie Ihren AnlegerInnen-Bias.

Ihr
Stefan Loipfinger


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