
Rund zehn Millionen Euro hätte der Solaranbieter hep aus Güglingen per 31. Dezember 2024 zurückzahlen sollen. Konkret geht es um Nachrangdarlehen der hep opportunity 1 GmbH. Trotz einer schriftlichen Ankündigung einen Tag vor Fälligkeit erfolgte die Rückzahlung jedoch nicht. Am 21. Januar 2025 versprach Thorsten Eitle den AnlegerInnen erneut eine Zahlung im Januar: „Die Rückzahlung erfolgt aus Mitteln, die aus Kaufpreiszahlungen von veräußerten Projekten sowie Refinanzierungen von bestehenden Projekten, die sich weiterhin in der Entwicklung befinden, stammen.“
Rückzahlung weiterhin ausstehend
Doch auch dieses Rückzahlungsversprechen wurde nicht eingehalten. Deshalb wandte sich Thorsten Eitle am 27. Februar erneut an die AnlegerInnen und sprach von „einem herausfordernden Marktumfeld des US-Wahljahres“. hep habe es „aufgrund seiner starken US-Präsenz, seines lokalen Netzwerks und seiner jahrelangen Erfahrung in den USA (mit über 50 Mitarbeitern vor Ort) geschafft, eine Transaktion zum Verkauf dieser baureifen Projekte zu attraktiven Konditionen an einen externen Investor zu verhandeln.“ Zu einem Abschluss sei es jedoch bis heute nicht gekommen. Ende Februar forderte hep den Käufer auf, zumindest drei Projekte in der Woche vom 3. bis 7. März zu unterzeichnen. Auch dies geschah nicht. Eitle bleibt dennoch zuversichtlich: „Die Rückzahlung in voller Höhe war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Es handelt sich hierbei um eine zeitliche Verschiebung, die hep aus eigenem Interesse und im Interesse seiner Anleger so gering wie möglich zu halten versucht.“
Zeitplan weit verschoben
Ein Blick in die Verkaufsunterlagen hilft, die Aussagen von hep besser einzuordnen. So war bei der Platzierung der dritten Tranche Ende 2022 von einem Semi-Blindpool die Rede. Bereits damals waren drei Projektrechte in Kanada gesichert. Auch ein Dachprojekt in Deutschland sowie 16 Projekte in Polen waren angebunden. In den Planungen hieß es: „Weitere Investitionen sind in Kanada, Deutschland und Polen geplant.“ All diese Entwicklungen tauchen nun in den aktuellen Anschreiben nicht mehr auf. Stattdessen wird im Zusammenhang mit der Rückzahlung ausschließlich auf US-Projekte verwiesen. Auf Nachfrage erklärte Thomas Tschirf, Chief Financial Officer der hep global GmbH, dass die Projektentwicklungen in Polen sowie zwei Projekte in Kanada und das Dachprojekt in Deutschland weiterhin im Bestand seien und nicht für die Rückzahlung der Nachrangdarlehen vorgesehen waren: „Eines der drei kanadischen Projekte wurde per Ende 2023 von einer Tochtergesellschaft der hep opportunity 1 GmbH an einen Spezial-AIF (HEP Solar Club Deal 1) veräußert. Darüber hinaus hat hep über innerkonzernliche Darlehen Projekte finanziert. Das Gesamtvolumen der US-Projekte, die verkauft werden sollen, ist deutlich höher als der Gesamtbetrag der fälligen Nachrangdarlehensforderungen.“
Rechtlich unklar
Die im Januar 2025 im Bundesanzeiger hinterlegte Bilanz der hep opportunity 1 GmbH per Ende 2023 weist Verbindlichkeiten in Höhe von 43,1 Millionen Euro aus. Davon stammen rund die Hälfte aus dem Konzern. Insgesamt 21,6 Millionen Euro entfallen auf Nachrangdarlehen von AnlegerInnen. Aktuell überfällig sind davon, inklusive Zinsen, 10,25 Millionen Euro. Der Rest soll planmäßig am 30. Juni 2025 zurückgezahlt werden. Die rechtliche Argumentation im Hinblick auf die überfälligen Zahlungen per Ende 2024 bleibt unklar. Grundsätzlich sind Nachrangdarlehen wie Anleihen zu einem Stichtag fällig. Eine aufschiebende Wirkung besteht nur, wenn eine Zahlung zur Insolvenz führen würde und eine vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre greift. Diese scheint hep jedoch nicht genutzt zu haben: „Wir waren regelmäßig mit den Anlegern direkt oder über die jeweiligen Vertriebspartner in Kontakt und haben die Verzögerung und die Gründe erläutert. Sollten Anleger trotz dieser Erläuterungen aktiv die Zahlung einfordern, müsste die vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre in diesen Fällen geltend gemacht werden, was bisher nicht geschehen ist.“ Bedeutet dies nun eine stillschweigende Zustimmung? hep verweigerte auf Nachfrage die Herausgabe eines Musterdarlehensvertrags. Auch auf die Frage, wie sich die Differenz in den Konzernverbindlichkeiten begründet und wie hoch sie aktuell valutiert, gab es lediglich eine ausweichende Antwort: „Es handelt sich hier nicht um Darlehen, sondern im Wesentlichen um Verbindlichkeiten aus dem Ankauf von Projekten, denen auch Forderungen auf Ebene der Beteiligungsgesellschaft gegenüberstehen.“
Leistungsbilanz überfällig
Die hep-Gruppe veröffentlicht ihre Leistungsbilanz seit Jahren im Januar. Zuletzt wurde im Januar 2024 der Zeitraum „2022/2023“ abgedeckt. Damals hieß es stolz: „Für das Geschäftsjahr 2022 belegt die Leistungsbilanz aller hep Investments erneut gute Ergebnisse. Die Ausschüttungssumme der Solarfonds, die langfristig in Bestandsparks investieren, und Spezial-AIFs, die in die Entwicklung von Solarprojekten investieren, belief sich auf insgesamt rund 20 Mio. Euro.“ Wie es danach weiterging, bleibt unklar. Die aktuelle Leistungsbilanz ist, gemessen am bisherigen Turnus, bereits überfällig. Auf Nachfrage legte hep lediglich eine verkürzte Version ohne Wirtschaftsprüfertestat mit deutlich weniger Inhalten vor als in früheren Jahren. Anleihen und Nachrangdarlehen fehlen vollständig. Auch bei den Fonds gibt es nur wenige kumulierte Zahlen.
Konzernzahlen
Wenig Vertrauen weckt zudem die letzte Halbjahresbilanz des hep-Konzerns. Zum 30. Juni 2024 wies das Unternehmen einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 15,7 Millionen Euro auf – eine signifikante bilanzielle Überschuldung bei einer Bilanzsumme von 162 Millionen Euro. Ende 2023 lag das Eigenkapital zwar nur bei 375.000 Euro, war aber immerhin noch positiv. hep erklärte bereits im November 2023, dass eine solche Unterkapitalisierung unterjährig normal sei: „Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag im Konzern wird im zweiten Halbjahr laut Prognose durch Erlöse aus Projektentwicklungen ausgeglichen.“ (Stellungnahme der hep Global GmbH zum Wochenkommentar 45/2023) Ob dies 2024 erneut der Fall war, blieb auf Nachfrage unbeantwortet. Man dürfe aufgrund von Kapitalmarktregulierungen keine Vorab-Informationen veröffentlichen. Der Geschäftsausblick laut Halbjahresbericht 2024 hat sich zur Prognose davor leicht verschlechtert: „Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird dementsprechend in einer Spanne von rund EUR -5 bis +1 Mio. prognostiziert (bisher: EUR 0 bis 5 Mio.).“
Loipfinger’s Meinung
hep agiert seit Jahren mit einer äußerst sportlichen Finanzplanung. Niedrige bis zeitweise negative Eigenkapitalquoten sind keine typisch schwäbische Art der Unternehmensführung. Ein No-Go für Vertrauen ist die Nichtzahlung fälliger Gelder. Wer kurz vor Fälligkeit Zahlungsfähigkeit zusichert und dann nicht liefert, riskiert Vertrauensverluste. Mehrfach nicht gehaltene Zahlungsankündigungen im Anschluss und ausweichende Antworten verunsichern zusätzlich.

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