
Liebe Leserinnen und Leser,
im März erschien mein Beitrag hep zahlt Nachrangdarlehen nicht. Damals wurde ich wochenlang hingehalten – stets hieß es, die Rückzahlung stehe kurz bevor. Irgendwann war ich nicht mehr bereit, mit der Berichterstattung länger zu warten. Vor einigen Tagen stand die Wiedervorlage dieses Falls an. Eigentlich hätte hep nur bestätigen sollen, dass drei Monate später alles erledigt ist. Stattdessen erhielt ich eine Antwort, die inhaltlich nicht zu meiner Anfrage passte. Damit war klar: Anlegerinnen und Anleger der hep Opportunity 1 warten weiterhin auf ihr längst überfälliges Geld.
Trump soll schuld sein
In der Broschüre zur dritten Tranche der Nachrangdarlehen der hep Opportunity 1 GmbH war von bereits erfolgten Investitionen in Deutschland, Kanada und Polen die Rede. Weitere Projekte in diesen Ländern wurden angekündigt. Nun teilt Thorsten Eitle den Vermittlerinnen und Vermittlern dieser Produkte mit, dass Präsident Trump schuld sei – seine Politik habe das Investitionsumfeld in den USA insgesamt, insbesondere für Photovoltaik-Großprojekte, verändert. Was wie eine Ausrede für die seit dem 31. Dezember 2024 ausstehenden Rückzahlungen klingt, wird durch einen weiteren Hinweis noch verstärkt: „Wir haben daraufhin in den vergangenen Wochen eine umfassende Analyse über das gesamte Entwicklungsportfolio in Nordamerika, Japan und Europa durchgeführt und eine konservative Neuplanung hinsichtlich einzelner Projektrealisierungen samt daraus resultierender Mittelzuflüsse erstellt. Im Zuge dessen wurde ein belastbares Tilgungsprofil über die gesamte Gruppe und die opp1-Finanzierung aufgestellt.“ Eine wohlklingende Formulierung – die jedoch verunsichert, weil konkrete Ergebnisse nicht benannt werden. Zudem ist nun von der „gesamten Gruppe“ die Rede – eine Formulierung, die Fragen aufwirft. Aktuell liegt hep täglich auf Wiedervorlage. Denn in den nächsten Tagen soll hoffentlich der Konzernbericht 2024 veröffentlicht werden.
Exporo hintergeht AnlegerInnen
Nach meinem Bericht über das Exporo Bestands-Debakel gibt es eine Entwicklung, die ernste Zweifel an der Seriosität der Plattform aufwirft. Wie am Rande erwähnt, hat sich im Forum Investmentcheck.Community ein Quorum formiert, um bei der Finanzierung Apartments am Markt einen Gemeinsamen Vertreter wählen zu lassen. Da Exporo aktuell über einen Verkauf der Immobilie mit deutlichen Verlusten abstimmen lässt, soll jemand Unabhängiger die Zahlen prüfen. Zunächst verzögerte Exporo die Abstimmung. Nun schlägt die Plattform Janine Hardi als Gemeinsame Vertreterin vor. Der alternative Kandidat, vorgeschlagen „durch eine Minderheit der Anleihegläubiger“, sei laut Exporo wegen möglicher Interessenskonflikte ungeeignet. Das ist bemerkenswert: Der Mann ist Volljurist, arbeitet bei einer Großbank, seine Familie ist nennenswert investiert und er erhielt über das Forum zahlreiche Vollmachten. Offenbar konnte Exporo die Abstimmung nicht mehr verhindern – und setzt stattdessen auf eine „eigene“ Anwältin, die bereits mehrfach in Angelegenheiten rund um Exporo involviert war. Sorry, Simon Brunke, aber das geht gar nicht. Was wollen Sie verbergen, wenn Sie zu solchen Methoden greifen?
ProReal – Nun auch die SC Finance Three?
Die Frage steht schon lange im Raum: Warum sind über 95 Prozent des Kapitals bei der SC Finance Four verloren, während bei den drei anderen Poolgesellschaften mit den Nummern One, Two und Three das Geld angeblich noch vorhanden ist? Nun teilt Uwe Richter, Geschäftsführer mehrerer ProReal Private GmbHs, mit, dass zum 30. Juni fällige Zinszahlungen nicht erfolgen und auch fällige Rückzahlungen auf das Jahr 2026 verschoben werden. Hintergrund: Offenbar zahlt auch die SC Finance Three nicht mehr planmäßig aus. Das überrascht wenig – etwa wenn man bedenkt, dass für die Projektentwicklung Vogelweiderstraße gleich mehrere Gesellschaften (Two, Three und Four) Gelder an die Freude am Wohnen Wohnbau GmbH weitergeleitet haben. Auch in das gescheiterte Projekt UFO in Unterföhring flossen Mittel sowohl von SC Finance Three als auch von Four. Zahlungen mehrerer Poolgesellschaften gingen zudem an die SoReal als Zwischenholding. Hier stellt sich grundsätzlich die Frage, ob es sich überhaupt um echte Projektfinanzierungen handelte – so, wie sie den Anlegerinnen und Anlegern ursprünglich dargestellt wurden. Offen bleibt auch, wie es mit den nicht nachrangigen ProReal Secure-Produkten weitergeht. Denn auch deren Gelder stecken in der SC Finance Three GmbH. Viele offene Fragen – doch von der inzwischen völlig in den Transparenzkeller abgetauchten SORAVIA-Gruppe sind kaum noch Antworten zu erwarten.
Tipps für Interessierte
Thomas Beutler ist ein kritischer Finfluencer und zugelassener Honorarberater für Finanzanlagen und Versicherungen. Er veröffentlicht keine bezahlten Produktempfehlungen und versteht sich als „Content Creator für Finanzbildung & Verbraucherschutz“. Ein gemeinsames Video-Interview finden Sie beipsielsweise auf YouTube: Crowdinvesting: Exporo, GLS Crowd & Co – Die Risiken sind enorm! Ein kontroverser Podcast erschien diese Woche mit Björn Drescher (Drescher & Cie.), Georg Kornmayer (Fondsnet) und mir. Das Gespräch kreiste um angemessene Kostenstrukturen bei Fonds – mit durchaus unterschiedlichen Positionen. Ich verteidigte die These, dass manche Kosten sittenwidrig seien. Wir redeten auch über die Frage, ob Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Beurteilung von Angeboten dazulernen und ob Kodexe, Aufklärung und Regulierung helfen können. Hören Sie rein bei Spotify, Apple oder auch direkt auf der Fondsplattform: Fondsgedanken – Folge 307
Bleiben Sie interessiert.
Ihr
Stefan Loipfinger

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