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Streit um die Anlegerverwaltung

Antje Grieseler will bei Leonidas ihre Macht erhalten

03.12.2020 • Seit zwei Monaten scheint bei Leonidas niemand mehr erreichbar zu sein. Anrufe können angeblich wegen der Corona-Pandemie nicht mehr entgegengenommen werden. So besagt es zumindest eine Ansage auf dem Leonidas-Anrufbeantworter. Seit Ende September werden außerdem zum Teil Mails nicht mehr beantwortet, wie verzweifelte Anleger gegenüber Investmentcheck berichten. Die Leonidas Management GmbH von Antje Grieseler hat die Anlegerverwaltung einfach vor zwei Monaten gekündigt, um sie selbst zu übernehmen. Das funktioniert offenbar nicht, weshalb der neue Interimsvorstand der Leonidas Associates AG nun eingreift. Er hat Informationen an die Anleger verschickt, die tief blicken lassen.

Geänderte Anlegerverwaltung. Am 12. November verschickte die Leonidas Management GmbH eine Mail an Leonidas-Anleger. Darin teilte Antje Grieseler mit, dass es eine neue Anlegerverwaltung gäbe: „Mit der Entscheidung sich von der Leonidas Associates AG (...) zu trennen, können wir uns nun stärker auf eine Digitalisierung der Verwaltung fokussieren. Diese hat zum Ziel, Ihnen die Verwaltung Ihrer Daten sowie z.B. die Teilnahme an Beschlussfassungen für Ihre Beteiligungsgesellschaft deutlich zu vereinfachen.“ Doch wer ist die Leonidas Management GmbH? Warum kündigt sie der Leonidas Associates AG die Anlegerverwaltung? Über die Hintergründe bleiben die Investoren ebenso im Dunkeln wie darüber, wer das genau auf welcher Basis beschlossen hat.

Windräder waren die Hauptinvestition von Leonidas
Bild: Stefan Loipfinger

Leonidas Associates. Eine zentrale Rolle spielte bei vielen Leonidas-Angeboten die Leonidas Associates AG, die bis 2015 als GmbH firmierte. Seit der Auflage des Italien-Solarfonds VI im Jahr 2011 hat sie die Prospektverantwortung und die Rolle der Anbieterin übernommen. Im Januar 2013 kamen die Anlegerverwaltung, die kaufmännische Betriebsführung sowie die Buchhaltung für die Leonidas-Fonds hinzu. 50 Prozent der Anteile an dieser Firma gehörten lange Zeit jeweils Antje Grieseler und Max-Robert Hug. Gegenüber Anlegern wurde die Leonidas Associates als „das Emissionshaus“ beschrieben, das sich auf die „Konzeption innovativer und nachhaltiger Kapitalanlagen spezialisiert“ habe. Ende September dieses Jahres hat der Aufsichtsrat der Leonidas Associates AG den Rechtsanwalt Dr. Alexander Deicke zum Interimsvorstand bestellt (Umbruch bei Leonidas). Der Grieseler-Vertraute Ralf Schamberger schied kurz darauf als Vorstand aus. Hinsichtlich ihrer Gesellschaftsanteile hat Grieseler vor einem Jahr einen Verkauf an eine Acanta Grundbesitzgesellschaft mbH vorgenommen. Seit Februar 2019 ist sie schon keine Geschäftsführerin mehr.

Leonidas Management. Bis zum Frankreich Solarfonds V nahm die Leonidas Management GmbH von Antje Grieseler eine zentrale Rolle ein. Diese firmierte bis Anfang 2011 auch unter Leonidas Associates GmbH und davor als PS Solar Concept GmbH. Danach war sie vor allem die Mutter der Leonidas Verwaltungs-GmbHs, die die Komplementärfunktionen bei Fonds innehaben. Die Geschäftsführung wird derzeit von Antje Grieseler und Ralf Schamberger ausgeübt. Marius Grieseler als Sohn von Antje ist vor einigen Wochen als Geschäftsführer ausgeschieden.

Fragwürdige Kündigung. In einem sehr sachlichen Schreiben an Investoren äußert sich erstmals der Vorstand Alexander Deicke zur einseitigen Beendigung des Anlegerverwaltungsmandats: „Uns als Leonidas Associates AG wurde die Aufgabe der Anlegerverwaltung – ohne einen für uns erkennbar plausiblen Grund - von der Leonidas Management GmbH mit Schreiben vom 27.09.2020 gekündigt. Auf die Email- Adresse: info@leonid-as.com haben wir seit dem Zugang der Kündigung keinen Zugriff mehr. Ebenso wenig haben wir die Möglichkeit jedwede Telefonate anzunehmen.“ Wie tief der Graben zwischen den zwei Parteien ist, zeigt sich in einer hervorgehobenen Passage des Schreibens: „Aus unserer Sicht sind die ausgesprochenen Kündigungen unwirksam. Das haben wir der Geschäftsführung der Leonidas Management GmbH, Frau Antje Grieseler und Herrn Ralf Schamberger, schriftlich mitgeteilt und diese ausdrücklich aufgefordert, die Voraussetzungen für die Erbringung unserer Leistung wieder zu schaffen.“ Denn dass die Leonidas Management zwar die Kündigung erklärte, faktisch die Arbeit aber nicht übernahm, ist für die Anleger dramatisch. Seit Ende September wird laut Deicke das Telefon bei Leonidas nicht mehr abgehoben. Investmentcheck hat in dieser Zeit selbst mehrfach dort angerufen und die Ansage gehört, dass wegen der „Corona-Situation“ das Telefon nicht besetzt sei. Auch die Mails werden seit zwei Monaten „anscheinend nicht mehr alle beantwortet“, wie Deicke schreibt. Dabei wären die drei Mitarbeiterinnen aus der Anlegerverwaltung grundsätzlich in der Lage, diese Aufgabe in vollem Umfang zu leisten. Die drei Damen „sind weder krank gemeldet noch befinden sie sich in Quarantäne.“

Stellungnahme. In einer umfangreichen Presseanfrage bekam Antje Grieseler Gelegenheit offene Fragen zu beantworten. In einer Antwort ist sie allerdings auf die Themen zur Kündigung der Anlegerverwaltung oder zu den Mitarbeiterinnen nicht eingegangen. Stattdessen schrieb sie nur allgemein, dass sie „trotz der Corona Situation alle Anleger über die Entwicklung der Projekte informieren“ würde. Bezüglich der Beantwortung von Anlegermails widersprach sie Deicke, wonach diese „regelmäßig und zeitgerecht“ erfolgen würde. Zur Leonidas Associates AG bestünden „keine geschäftlichen Verbindungen mehr“. Ihre Anteile habe sie „an einen unbeteiligten Dritten verkauft“. Das ist aber durchaus in Frage zu stellen. Die Käuferin des 50-Prozent-Anteils gehört einem Thilo Hauck. Für Grieseler und Schamberger ist das kein Fremder, da ihnen zu Dritt die Hauck Holding GmbH aus Jena gehört.

Loipfinger’s Meinung. Die Kommunikation des Leonidas-Fondsmanagements ist seit längerem von Intransparenz geprägt. Die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse einzelner Beteiligungen erfolgt teilweise völlig verspätet. Antje Grieseler hat es geschafft, das angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung zahlreicher Fonds ohnehin kaum noch vorhandene Vertrauen der Anleger endgültig zu verspielen. Der völlig undurchsichtige Verkaufsprozess zahlreicher Windparks zeigt ihr fehlendes Interesse an einem fairen Umgang mit Anlegern ebenso wie das inakzeptable Vorgehen in Sachen Anlegerverwaltung. Ihr geht es scheinbar nicht um die Investoren und was diese wollen. Die Grieseler gehörende Leonidas Management, die bisher eher eine Nebenrolle bei den Fonds innehatte, soll nun die ihr offenbar entglittene Leonidas Associates AG ersetzen und zum Hauptdarsteller in dem traurigen Schauspiel werden. Die eigentlichen Hauptdarsteller in Form der Anlegerinnen und Anleger degradiert Grieseler zu Statisten, die einfach nur zustimmen und ansonsten still sein sollen. Den vom Aufsichtsrat eingesetzten Vorstand beim Emissionshaus Leonidas Associates AG streicht sie aus dem Drehbuch, damit ihre Regietätigkeit von niemanden kontrolliert oder kritisiert werden kann. Dafür hätte sie eine „Goldene Himbeere“ verdient.

Forum. Leonidas-Anleger tauschen sich rege in dem Forum unter investmentcheck.community aus. Dort können Betroffene einzelne Fragen diskutieren. Das kostenlose Forum ist nicht öffentlich einsehbar und nur nach Registrierung zu nutzen. Bei der Anwaltskanzlei Metis aus Frankfurt am Main haben sich außerdem einige Anleger zusammengeschlossen und eine Interessensgemeinschaft organisiert. Ansprechpartner dort ist Rechtsanwalt Dr. Florian Wettner.

Weitere Leonidas-Berichte. Nachfolgende Berichte zu Leonidas sind bereits erschienen:
- Umbruch bei Leonidas: Interessensgemeinschaft von Anlegern wehrt sich erfolgreich, 9. Oktober 2020
- Undurchsichtige Verkaufsabsichten: Leonidas-Anleger sollen über Verkauf mit Verlust abstimmen, 15. September 2020
- Dramatische Ausschüttungslücken: Leonidas missachtet reihenweise Transparenzvorschriften, 21. Juli 2020

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