
Rund 7.000 Anlegerinnen und Anleger der Leonidas-Fonds wollten mit grünen Investments Geld verdienen – ohne überzogene Renditeversprechen. Doch Recherchen im Zusammenhang mit den enttäuschenden Ergebnissen zeigten schnell, mit welchen Methoden die Fondsmanagerin Antje Grieseler die Erträge schmälerte. Anschließend wurde – von Grieseler selbst ausgesucht – die zur HTB-Gruppe gehörende Re:Fonds eingesetzt. Um sich auch von dieser zu trennen und die Chance auf bessere Ergebnisse zu wahren, wurde schließlich die CAV Partners aus Regenstauf als neue Verwaltung eingesetzt. Doch auch hier stehen nun schwere Vorwürfe im Raum, deren Aufarbeitung sich schwierig gestaltet.
Interessengemeinschaft IG-Leonidas
Auslöser der aktuellen Auseinandersetzungen sind Recherchen der IG-Leo, einem Zusammenschluss aktiver Anleger, die sich seit Jahren für die Interessen der Geschädigten einsetzen. In einem Schreiben an ihre Mitglieder äußert die IG-Leo, dass das Vertrauen in die CAV-Chefs Thomas Hartauer und Hubertus Päffgen „irreparabel beschädigt“ sei. Wörtlich heißt es: „Wir wissen: Die IG-Leo hat die Einsetzung dieser Geschäftsführer betrieben und deren Tätigkeit zunächst mitgetragen – in der Hoffnung auf Aufklärung, Transparenz und einen echten Neuanfang. Heute sehen wir: Diese Hoffnung wurde massiv enttäuscht. Falsche Entscheidungen müssen revidiert werden.“
Die Vorwürfe
Um die Enttäuschung nachvollziehen zu können, ist ein Blick zurück erforderlich: Bereits die Re:Fonds gab mehrere hunderttausend Euro für Anwaltskosten aus, um Antje Grieseler, Max Hug und andere Beteiligte in Frankreich auf Schadensersatz in Höhe von 17 Millionen Euro zu verklagen. Hartauer und Päffgen führten diese Klagen zunächst fort, stellten sie jedoch später ein. Verjährungsfragen und andere rechtliche Vorbehalte seien so gravierend gewesen, dass vielfach von „aussichtslosen Show-Klagen“ auf Kosten der Fonds gesprochen wurde. Insgesamt sollen rund eine Million Euro für Anwälte aufgewendet worden sein – kein Wunder, dass die Ausschüttungen an die AnlegerInnen ausblieben oder nur unzureichend ausfielen. Den eigentlichen Vertrauensbruch lösten jedoch neue Recherchen aus, denen zufolge die CAV angeblich die Verteidigung von Max Hug unterstützte – und die Kosten dafür über Leonidas-Fonds abrechnete. In einem Rundschreiben der IG-Leo ist von „Abrechnungsbetrug“, „Anfangsverdacht der Untreue“ und sogar „Parteiverrat“ des beteiligten Anwalts die Rede. Sollte es tatsächlich zutreffen, dass die Anleger einerseits die Klagekosten tragen und andererseits auch noch für die Verteidigung der Gegenseite aufkommen mussten, wäre dies kaum vermittelbar.
Rechtsanwalt Richard Notz
Im Zentrum des Streits steht Rechtsanwalt Richard Notz, der seit vielen Jahren mit Max Hug befreundet sein soll. Auf eine Presseanfrage äußerte sich Notz nicht. Hug hingegen erklärte, dass er Notz im Jahr 2000 als Rechtsreferendar am Landgericht in Kreuzlingen kennengelernt habe. Man habe 2002 gemeinsam das Zweite Staatsexamen absolviert und sich seither regelmäßig unterstützt. Seit 2019 stehe Notz Hug in Sachen Leonidas zur Seite, seit 2023 habe er an der Verteidigung Hugs mitgewirkt: „Richard Notz war der Kopf hinter der Gesamtstrategie, wie die Frankreich-Klagen gegen mich verteidigt werden sollten.“ Trotz dieser Rolle soll Notz auch die von der CAV-Gruppe verwalteten Leonidas-Fonds rechtlich beraten haben – also genau jene Fonds, die Hug und andere Personen auf Schadensersatz verklagt haben. Das wirft erhebliche Fragen zur Compliance und zur Vermeidung von Interessenkonflikten auf.
Stellungnahmen
Während sich Notz nicht äußerte, nahmen die CAV-Vorstände Hartauer und Päffgen zumindest Stellung: „Entsprechend unserer Pflicht als Geschäftsführer werden wir den zugrundeliegenden Sachverhalt aufarbeiten und einer Prüfung unterziehen.“ Man wolle sich hierzu auch „mit Herrn Notz ins Benehmen setzen“ und prüfen, „gegen wen dann welche Schritte zu unternehmen sein könnten“. Angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe – insbesondere, dass fragwürdige Beratungskosten an Notz gezahlt und von der Geschäftsführung zur Zahlung freigegeben worden sein sollen – wirkt diese Antwort äußerst knapp und nur bedingt glaubwürdig, wenn die Geschäftsführung Vorwürfe gegen sich selbst aufklären möchte. Hug verteidigt sich damit, er habe nicht gewusst, dass „Richard Notz Rechnungen im Zusammenhang mit der für mich erstellten Verteidigungsschrift gegen die Frankreichklagen an die Leonidas-Fonds stellt“. Hartauer und Päffgen widersprechen der darin enthaltenen Aussage, dass Kosten für die Verteidigungsschrift von Hug durch sie zu Lasten der Fonds bezahlt wurden.
Kanzlei Lutz Abel
Ein weiterer Name, der im Zusammenhang mit der Affäre genannt wird, ist die eigentlich renommierte Kanzlei Lutz Abel. Fakt ist: Richard Notz tritt teils auf eigene Rechnung, teils als „Of Counsel“ von Lutz Abel (Standort Stuttgart) auf und kommuniziert mit einer Lutz-Abel-Mailadresse. Laut IG-Leo-Rundschreiben existieren mehrere Versionen der streitgegenständlichen Verteidigungsschrift von Hug – teils auf Lutz-Abel-Briefpapier, einmal mit der CAV, später mit Leonidas-Fonds X bis XIV als Auftraggeber. Bei manchen Versionen wird sogar ein Kanzlei-Partner als Verfasser genannt, der jedoch auf Nachfrage erklärte, es habe kein Mandatsverhältnis zwischen Hug und Lutz Abel bestanden. Aus Gründen anwaltlicher Verschwiegenheit könne man sich zu anderen Mandaten nicht äußern. Auch Hug bestätigte, dass kein Mandat mit der Kanzlei bestanden habe. Über die mögliche Einbindung im Auftrag der CAV Partners AG und/oder der Leonidas-Fonds muss dann wohl die CAV aufklären.
Loipfinger’s Meinung
Nicht nur die Anlegerinnen und Anleger der Leonidas-Fonds sind inzwischen zermürbt. Nach den Enttäuschungen mit Grieseler und HTB/Re:Fonds ist nun auch das Vertrauen in die CAV als Sanierer erschüttert. Seit Wochen verschickt die CAV Rundschreiben, in denen sie sowohl gegen die Treuhänder als auch gegen Max Hug und die IG Leonidas austeilt. Die Interessengemeinschaft forderte bereits vor Wochen die Bestellung eines neutralen zusätzlichen Geschäftsführers, um die Tätigkeit der CAV besser kontrollieren zu können. Die CAV zeigte sich stur und warf der IG-Leo vor, mit Hug gemeinsame Sache zum Nachteil der Anleger zu machen. Diese Argumentation dürfte nun schwer haltbar sein, da sich die neuen Vorwürfe sowohl gegen Hartauer und Päffgen als auch gegen Hug und dessen Vertrauten Notz richten. Es ist eine verfahrene Situation, in der man am liebsten alle Beteiligten so lange in einen Raum sperren möchte, bis weißer Rauch eine vernünftige Einigung signalisiert.
Anmerkung in eigener Sache
Für die insolvente Leonidas Associates III GmbH & Co. KG wurde ich im Jahr 2024 im Rahmen einer Gläubigerversammlung beim Amtsgericht Nürnberg-Fürth in den Gläubigerausschuss gewählt. Beim ebenfalls besonders problematischen Wasserfonds Leonidas VII wurde ich im vergangenen Jahr von Anlegerinnen und Anlegern in den Anlegerbeirat berufen. Alle hier veröffentlichten Informationen stammen nicht aus diesen Funktionen.

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