
Liebe Leserinnen und Leser,
die Stiftung Warentest hat in einem sehr lesenswerten Online-Beitrag zum UniImmo: Wohnen ZBI über Hintergründe zu der Sonderbewertung berichtet und spricht von „Unregelmäßigkeiten“ (hier – 4,90 Euro für Nichtabonnenten). Drei Problemfelder werden dabei besonders betont: 1. Der Verkauf an sicherheitsorientierte AnlegerInnen, obwohl Immobilieninvestments Schwankungen unterliegen. 2. Das Bewertungsverfahren bildete die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt erst spät ab. 3. Käufe über den Fonds wurden mit zu hohen Preisen abgerechnet, weil die Anteile günstiger über die Börsen kaufbar gewesen wären.
Merkwürdige Höherbewertungen beim UniImmo: Wohnen ZBI
Gedruckt beschreibt der Beitrag auf sechs Seiten viele Probleme im Detail. Über 700 direkt gehaltene Immobilien wurden hinsichtlich der Bewertungsparameter analysiert. Das Ergebnis offenbart, wie die Gutachter bei der Restnutzungsdauer, den Bewertungsmieten und den Ertragswertfaktoren werterhöhende Annahmen trafen, die Fragen bezüglich ihrer Unabhängigkeit aufwerfen. Die den Fonds hauptsächlich verkaufenden Volks- und Raiffeisenbanken müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, in zahlreichen Fällen falsch beraten zu haben. Die Finanzaufsicht BaFin ist bereits informiert und hat auf Anfrage der Stiftung Warentest erklärt, möglichen Pflichtverstößen im Rahmen ihrer Zuständigkeit nachzugehen. Ich finde das ist dringend nötig, denn Union Investment hat nach der Abwertung ihre Zielgruppe beim UniImmo: Wohnen ZBI zwar von „konservativ“ auf „risikoscheu“ herabgesetzt. Bei den Gewerbeimmobilienfonds UniImmo: Deutschland sowie UniImmo: Europa wird aber weiter so getan, als wenn diese selbst für AnlegerInnen geeignet sind, die auch kurzfristig einen Kapitalerhalt wünschen und bei denen Sicherheit das A und O ist: „Am liebsten würden Sie Risiko gänzlich ausschließen und Rendite ist für Sie eher zweitrangig.“
Schamlose Geldakquise der SORAVIA
Vom Ende der Preisträumereien beim UniImmo: Wohnen ZBI schwenken wir zum Ende der Geldeinsammlung bei der SORAVIA-Gruppe. Beiden gemein ist, dass nur ich das Ende sehe und die jeweiligen Anbieter das abstreiten würden. Aber wie soll ich es sonst beschreiben, wenn die SORAVIA-Gruppe vor ein paar Tagen eine 6,5-prozentige Anleihe mit drei Jahren Laufzeit für die Seeviertel Gmunden Hotel-Holding GmbH begibt (ISIN: AT0000A3AF88) und die Mutter dieser Gesellschaft, die Seeviertel Gmunden Holding GmbH ihre mittelbaren Nachrangdarlehen an die ProReal-Produkte offenbar nicht bezahlen kann. Die Omicron Investment Management aus Wien scheint bei der Entscheidung, als Haftungsdach für die IFA Invest GmbH zu fungieren, nicht besonders kritisch gewesen zu sein. Zumal sich die Gerüchte immer mehr verdichten, dass die Quote aus dem Insolvenzverfahren bei der SC Finance Four für die beiden Produkte ProReal Europa 9 und ProReal Europa 10 mit vier Prozent sehr bescheiden ausfällt. Übrigens war heute in Offenbach ja die Gläubigerversammlung der SC Finance Four, bei der über den Fortgang des Verfahrens und viele andere Dinge abgestimmt wurde. Leider konnte ich noch keine Ergebnisse in Erfahrung bringen. Es bleibt zu hoffen, dass die SdK Schutzvereinigung der Kapitalanleger und Rechtsanwalt Marc Gericke mit ihrer Strategie, Forderungen von ProReal-AnlegerInnen bei der SC Finance Four anzumelden, etwas erreichen konnten. Und wenn es nur die Tatsache wäre, dass sich SORAVIA heute nicht mit einem Insolvenzplan billig aus den Verpflichtungen herausschleichen konnte.
NEU: Anbieter-Bewertungen auf Investmentcheck
Seit ein paar Tagen können AnlegerInnen auf Investmentcheck.de nicht nur Informationen zu Produkten abrufen und meine Beiträge lesen. Neu ist jetzt auch die Möglichkeit, Anbieter von Kapitalanlagen zu bewerten. Von 0 Sterne (extrem enttäuscht) bis 5 Sterne (absolut zufrieden) reicht die Skala. Die Begründung findet sich in einem Kommentarfeld und soll interessieren AnlegerInnen – wie bei anderen Produkten üblich – eine Orientierungshilfe bieten. Wenn Sie nun denken, das ist doch ein alter Hut, dann muss ich dem Widersprechen. Im Anlegerforum Investmentcheck.Community tauchte unzählige Male das Problem auf, dass viele Bewertungsplattformen negative Einschätzungen nach hinten schieben oder sogar löschen. Ganz schlimm ist es, wenn die Bewertungs-Plattform von den Anbietern als Dienstleister für irgendetwas bezahlt wird. Sei’s drum, das ist nicht mein Punkt. Ich möchte in dem kleinen Universum geschlossener Fonds, der Vermögensanlagen und Schwarmfinanzierungen sachlicher Kritik eine Stimme geben. Selbstverständlich dürfen Anbieter auf die Kritik – kostenlos! – Antworten. Wenn Sie eine Meinung loswerden wollen, dann klicken Sie auf die Unternehmenssuche. Einen Klick weiter sind Sie auf der jeweiligen Unternehmensdarstellung und können in vielen Fällen den ersten Kommentar verfassen. Bei der Angebotsdarstellung (zur Produktsuche) wird dann bei den verknüpften Unternehmen eine Durchschnittsbewertung angezeigt. Auch hier reicht ein Klick auf das jeweilige Unternehmen, um auf der Bewertungsseite mit den Einzelbewertungen und den jeweiligen Begründungen zu landen.
Helfen Sie mit, Qualität zu belohnen und Missmanagement öffentlich zu machen.
Ihr
Stefan Loipfinger

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