
Liebe Leserinnen und Leser,
derzeit lese ich häufig die Überschrift, dass eine Insolvenzwelle durch Deutschland rollt. Bezogen auf den Kapitalmarkt kann ich das nur bestätigen. In über 30 Jahren Berufserfahrung habe ich noch nie eine derartige Häufung bei Emittentinnen von Vermögensanlagen erlebt. Newsletter-AbonnentInnen (zur kostenlosen Registrierung) erhalten wöchentlich Hinweise auf neue Insolvenzverfahren. Schätzen Sie mal, wie viele der gut 4.000 Produkte in unserer Datenbank den Investmentstatus „Insolvenzverfahren“ führen? Wenn Sie es wissen wollen, verrate ich die Zahl unten im Postskriptum. Oder Sie nutzen die Filtereinstellungen bei der Produktsuche: Einfach den Investmentstatus auf „Insolvenzverfahren“ festlegen und Sie können sich durch viele Seiten mit jeweils 25 Treffern klicken. Sie können auch zusätzlich nach „Leistungsgestört“ sortieren und erfahren dann, dass AnlegerInnen im Durchschnitt kein Geld verdienen.
Insolvenzhäufungen bei Exporo & Co.
Eine massive Verschlechterung der Leistungsbilanz muss derzeit auch Exporo hinnehmen. Allein diese Woche haben mehrere Tausend AnlegerInnen von drei Wertpapieremissionen der Münchner Schwaiger Group Hiobsbotschaften erhalten. Wenn Sie die zunehmend mit Blitzsymbolen durchzogene Auflistung von deren Crowdfundings interessiert, dann ist auch das mit einem Abruf aus der Datenbank möglich: Exporo-Zinsland-Gruppe. Rote Blitze stehen für Insolvenzverfahren, orangefarbene Blitze zeigen Leistungsstörungen an und gelbe Blitze negative Planabweichungen. Dasselbe können Sie natürlich auch mit anderen Schwarmfinanzierungsplattformen tun: Bergfürst, Companisto, Dagobertinvest, Engels & Völkers Digital Invest, OneCrowd, Rendity, Rockets oder Zinsbaustein. Aber Vorsicht: Die Auflistungen sind harte Kost, denn jeder Totalausfall vernichtet die Rendite von zehn erfolgreichen Investments. Deshalb kenne ich keine SchwarmfinanziererInnen, die mit ihren Investments noch im Plus sind. Und über das Anlegerforum kenne ich Tausende …
Klatsche für den HTB-Chef Peter Lesniczak
Dr. Uwe Bröcker-Meub hat als Geschäftsführer der Leonidas XVI Verwaltungs GmbH den AnlegerInnen des Fonds Leonidas XVI den Vorschlag unterbreitet, die in Frankreich angestrengte Klage gegen verschiedene Firmen und Personen einzustellen. Hintergrund ist eine Entscheidung des Handelsgerichts in Reims, wonach etwaige Ansprüche bereits verjährt seien. Laut Bröcker-Meub sei diese Entscheidung „überraschend“ gewesen. Das klingt wenig glaubwürdig, wenn ich ein Schreiben der Kanzlei Luther an Peter Lesniczak und Mark Hülk vom März 2022 heranziehe. Das Thema Verjährung kommt dort sehr häufig vor. Auch die Kanzlei Noerr wurde zur rechtlichen Einschätzung möglicher Ansprüche herangezogen und hat vielfach in der mir vorliegenden Unterlage auf das Thema Verjährung hingewiesen. Die Kanzlei Quivive schätzte die Kosten für das Beweissicherungsverfahren auf 20 bis 50.000 Euro, tatsächlich angefallen sind laut Bröcker-Meub nun rund 400.000 Euro. Das neue Fondsmanagement der CAV hat die Kosten aus den Beweissicherungsverfahren zuletzt auf 900.000 Euro beziffert. Wow, wie verrückt ist das denn? Obwohl die Re:Fonds (vormals HTB Renewable) in ihren damaligen Schreiben immer wieder von erfolgsversprechenden Klagen berichtete, wurde nun in einer Art Vorstufe vom französischen Gericht die Aussichtslosigkeit wegen Verjährung erklärt. Hunderttausende Euro für nichts. Ohnehin durch fragwürdige Kosten belastete Fonds wurden mit Anwaltskosten regelrecht ausgeplündert. Statt sich um die Assets zu kümmern, wurden in den Augen von kritischen Beobachtern Scheingefechte geführt, um eine Distanz zu Antje Grieseler als Hauptverantwortliche für das Desaster zu dokumentieren. Auf Anfrage hat das Re:Fonds abgestritten und als Vorwürfe von interessierter Seite bezeichnet. Die Rechtsberater hätten mögliche Ansprüche geprüft und die vorbereitenden rechtlichen Maßnahmen schon vor geraumer Zeit eingeleitet. Diese Verfahren seien auch noch anhängig.
Kripo Oldenburg befrägt Lichtmiete-AnlegerInnen
Vor 2 ½ Jahren ist die Staatsanwaltschaft Oldenburg bei der Deutschen Lichtmiete einmarschiert und hat Hausdurchsuchungen vorgenommen. Hintergrund war ein Verdacht des Finanzamtes, dass eventuell nicht alle Lampen vorhanden sein könnten. Bis hierhin erscheint die Rechtsstaatlichkeit absolut gewährleistet, denn der Verdacht wurde auch von mir schon vorher öffentlich geäußert (Erhebliche Mietunterdeckungen bei der Deutschen Lichtmiete). Inwiefern aber die Arrestierungen aller Vermögenswerte gerechtfertigt waren, konnten Außenstehende nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass durch die Arrestierungen eine Insolvenz der Lichtmiete-Gruppe unausweichlich wurde. Alexander Hahn hatte im Grunde keine Chance mehr, seine Unschuld zu beweisen. So ein Vorgehen der Staatsanwaltschaft sollte wie bei Vollstreckungen von Haftbefehlen, die es hier nicht gab, sehr gut begründet sein. Es sollte auch einen Zugzwang für die Staatsanwaltschaft auslösen, der bei Untersuchungshaft in Form von Haftprüfungen geschieht. Stattdessen habe ich von AnlegerInnen nun erfahren, dass die Kriminalinspektion Oldenburg nach 2 ½ Jahren einen sehr einfachen Fragenkatalog verschickte. Beispielsweise will die Kripo wissen, ob die AnlegerInnen davon ausgegangen sind, dass „die von Ihnen erworbenen Leuchten tatsächlich vollständig hergestellt und funktionsfähig waren“. Solche Fragen sind natürlich dem juristischen Vorgehen geschuldet, um das Vorliegen eines möglichen Betruges zu hinterfragen. Aber die Tatsache, dass diese Fragenkataloge erst 2 ½ Jahre nach der „Zwangsschließung“ verschickt wurden, zeigt mir eine verantwortungslose Ermittlungsgeschwindigkeit. Es muss doch ganz leicht möglich sein, ein paar Lampen zu zählen und mit den verkauften Stückzahlen abzugleichen. Das Ganze dann noch gepaart mit dem höchst zweifelhaften Vorgehen des Insolvenzverwalters Rüdiger Weiß von der Kanzlei WallnerWeiß, der zusammen mit dem One Square-Chef Frank Günther die noch vorhandene Substanz weiter dezimierte, lässt das vormals von Alexander Hahn produzierte Chaos ganz klein und unbedeutend aussehen.
Bleiben Sie aufrecht
Ihr
Stefan Loipfinger
P.S.: Aktuell umfasst die Liste der insolventen Emittentinnen 18 Homepageseiten. Bei 25 Treffern pro Anzeigeseite sind das fast 450 Insolvenzverfahren. Noch einmal so viele sind leistungsgestört und berufen sich bei der Nichtzahlung meist auf die vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre. Übrigens: Wenn Sie ein Funding mit einem falschen Investmentstatus finden, dann schreiben bitte Sie eine kurze Mail an [email protected]. Wir versuchen, die Datenbank so aktuell wie möglich zu halten.

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