Verschwundene Versprechen

KW 25/2024: Kommentar von Stefan Loipfinger
113 Millionen sollten in Krypto-Automaten fließen - Symbolbild: Stefan Loipfinger
113 Millionen sollten in Krypto-Automaten fließen – Symbolbild: Stefan Loipfinger

Liebe Leserinnen und Leser,
wer glaubt schon an 200 Prozent Rendite in drei Jahren? Offenbar sehr viele renditehungrige InvestorInnen aus Deutschland, Österreich, Spanien und der Schweiz, wie ein kürzlich bekannt gewordener Betrugsfall zeigt. Denn 113 Millionen Euro flossen angeblich in die Verpachtung von Automaten zum Tausch in Kryptowährungen. Die Finanzaufsicht BaFin zeigte sich skeptisch und arbeitete intensiv mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Vor einigen Tagen kam es zu einer international koordinierten Aktion. Eine Presseanfrage an Berformance blieb leider unbeantwortet.

Zahlreiche Durchsuchungen und Verhaftungen
Selten operieren Ermittlungsbehörden länderübergreifend bei Kapitaldelikten. Unter der Federführung des Thüringer Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Erfurt beteiligten sich in diesem Fall aber auch Ermittlungsbehörden aus dem Kanton Zürich sowie aus Tschechien und Österreich. Insgesamt 280 Beamte führten Durchsuchungen durch, beschlagnahmten Vermögenswerte und vollstreckten sechs Haftbefehle. Noch ist unklar, wie viel Geld gesichert werden konnte. Angesichts des vermuteten Ponzi-Systems wird das meiste Geld verloren sein. Es erstaunt mich immer wieder, dass Menschen an solche Modelle und Renditeversprechen glauben. Noch mehr überrascht es mich, dass bundesweit agierende Vertriebsmitarbeiter nichts von dem mutmaßlichen gewerbs- und bandenmäßigen Betrug bemerkt haben wollen und bis zuletzt munter verkauften.

Keine Insolvenzanfechtung bei DWL Gold
Um verschwundenes Anlegergeld ging es vor fünf Jahren auch bei der DWL Deutsche Wertlager GmbH, bei der das Amtsgericht Rosenheim ein Insolvenzverfahren eröffnete [frühere Beiträge]. Der Firmensitz war in Kolbermoor, aber das dort angeblich verwaltete Gold war nicht in der verkauften Menge auffindbar. Manche der Verantwortlichen machten mit Goldbarters weiter, die 2020 insolvent wurde. Bis heute existieren die ASK Edelmetall oder die Aunorm mit Erdogan Asik als Chef. Das ist jedoch nicht der Grund für die Erwähnung in diesem Kommentar. Beim DWL-Insolvenzverfahren versuchte Insolvenzverwalter Florian Loserth auf fragwürdige Weise, Gelder von geschädigten AnlegerInnen zurückzufordern, die vor der Insolvenz ausgezahlt wurden. Solche Insolvenzanfechtungen sind eine beliebte Methode, um die Insolvenzmasse und damit auch die Verwaltergebühren zu erhöhen. Ein seriöser Insolvenzverwalter würde bei unklarer Rechtslage – wie Michael Jaffé im Fall P&R – nur einige Musterverfahren führen. Loserth hingegen zog vor zahlreiche Gerichte. Anwalt Boris-Jonas Glameyer verteidigte AnlegerInnen erfolgreich gegen die Anfechtungsklagen und erzielte mehrere positive OLG-Urteile (zuletzt OLG Hamm I-27 U 120/23, Urteil vom 6. Juni 2024). Viele AnlegerInnen wehrten sich jedoch nicht anwaltlich gegen die fragwürdigen Anfechtungsansprüche. Der Konstanzer Rechtsanwalt rät ihnen: „Soweit geschädigte Anleger unter dem Druck des Insolvenzverwalters Loserth sowie der rechtlich falschen Behauptungen und der Androhung einer gerichtlichen Durchsetzung dieser – in tatsächlicher Hinsicht nicht existierenden – Ansprüche an den Insolvenzverwalter Zahlungen geleistet haben, so können Sie diese vom Insolvenzverwalter zurückfordern.“ Loserth wird das nicht wirklich stören, denn Anwaltskosten fallen unabhängig vom Ausgang der Verfahren an.

Neue Sachstandsberichte bei P&R
Von verschwundenen Wechselautomaten über nicht gefundenes Gold kommen wir zu fehlenden Containern: Bei den insolventen P&R-Unternehmen hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé die elften Sachstandsberichte vorgelegt. Demnach sind 473 Tausend CEU, also 50,1 Prozent der anfänglich vorhandenen Containerflotte, noch in Bewirtschaftung. Trotz des mittlerweile hohen Alters der Container reduzierte sich der Bestand im letzten Halbjahr nur um 3,4 Prozent, was auch an der derzeit guten Marktsituation liegt. Die Auslastung stieg im letzten Halbjahr sogar von 96,2 auf 97,3 Prozent. In Euro ausgedrückt wurden mittlerweile 865 Millionen Euro aus der Vermietung und Verwertung der Containerflotte an die insolventen P&R-Gesellschaften verteilt.

Verschwundene Gebührenfreiheit
Als Exporo noch AnlegerInnen für Bestandsimmobilienangebote suchte, versprach die Crowdplattform eine kostenfreie Verwahrung in einem Depot der Baader-Bank. Die von der BaFin überwachte Exporo Investment GmbH (heute EPH Investment) schrieb in §9 der Kundeninformation: „Die Kosten für das Führen des Depots einschließlich der Kosten für den Handel mit Wertpapieren werden von uns getragen.“ Doch ab dem 1. Juli soll damit Schluss sein. Entweder die betroffenen AnlegerInnen erteilen eine Einzugsermächtigung für 4,90 Euro pro Monat oder Exporo übergibt das Vertragsverhältnis direkt an die Baader-Bank, was dann 119 Euro pro Jahr kostet. Eine Übertragung auf eine andere Bank ist eventuell möglich, führt jedoch zum Verlust der Handelbarkeit der Wertpapiere. Das Thema wird im Anlegerforum Investmentcheck.Community heftig diskutiert. Meine Presseanfrage an Exporo wurde kurz vor Ablauf der Antwortfrist dahingehend beantwortet, dass urlaubsbedingt erst nächste Woche eine Rückmeldung möglich sei. Deutschlands Marktführer bei Schwarmfinanzierungen scheint personell unterbesetzt zu sein. Mir soll es recht sein, denn ich werde die Antwort dann im Forum veröffentlichen. Dort hat sich diese Woche übrigens der 7.000. Nutzer angemeldet. Klar, wenn Anbieter ihre Kunden ständig auf die eine oder andere Weise vor den Kopf stoßen, wächst die Community „geschädigter AnlegerInnen“ eben rasant.

Bleiben Sie achtsam
Ihr
Stefan Loipfinger


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Kommentare

2 Antworten zu „Verschwundene Versprechen“

  1. Avatar von ulrich wollner
    ulrich wollner

    ich suche einen im Insolvenzrecht versierten Rechtsbeistand, der mir in Sachen der DLM Ansprüche gg. den
    Sachverwalter R. Weiss durchzusetzen vermag.

    1. Avatar von stefan.loipfinger
      stefan.loipfinger

      Das ist ein dickes Brett, aber ich fände es auch gut, wenn die sehr fragwürdige Arbeit des Insolvenzverwalters gerichtlich überprüft wird.
      Viele Anwälte fallen mir dazu nicht ein, da die DLM-Verfahren sehr komplex sind. Sie können aber mal Marc Gericke (sitzt auch im Gläubigerausschuss der Direktinvestitionsgesellschaften) oder Dr. Wolfgang Schirp (hat schon mehrere einstweilige Verfügungsverfahren gegen den Insolvenzverwalter betrieben) ansprechen.

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