
Vor ein paar Wochen bestritt ThomasLloyd gegenüber Investmentcheck noch, dass verschiedene Insolvenzanträge von Dritten begründet seien. Sofern offene Zahlungen berechtigt seien, würden diese beglichen und mögliche Insolvenzgründe damit beseitigt. Dem scheint jedoch nicht so zu sein, wie drei aktuelle Insolvenzbekanntmachungen zeigen. Das Amtsgericht Lingen (Ems) hat für die Cleantech Infrastruktur GmbH (Az.: 18 IN 98/25), die Vierte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH (Az.: 18 IN 100/25) sowie die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH (Az.: 108 IN 98/25) Sicherungsmaßnahmen veröffentlicht und Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner aus Münster zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Cleantech Infrastruktur GmbH
Diese Gesellschaft bot vor allem nachrangige Namens-Teilschuldverschreibungen mit fester Verzinsung an. Anfangs liefen diese Produkte unter den Bezeichnungen ThomasLloyd Festzins 6, 12 und 24, wobei die Zahlen die jeweilige Laufzeit in Monaten bezeichneten. Später wurden die Angebote unter Namen wie CTI 1D SP, CTI 1D und CTI 2D vertrieben. Jahresabschlüsse mit aussagekräftigen Informationen sind zuletzt für das Jahr 2022 im Handelsregister hinterlegt worden. Ein Investmentcheck für 2024 vorliegender, englischsprachiger Abschluss weist Anleihen und sonstige Verbindlichkeiten in Höhe von 26 Millionen Euro aus. Für den vorläufigen Insolvenzverwalter stellt sich die Herausforderung, dass das Vermögen im Wesentlichen aus Forderungen gegen verbundene Unternehmen (12,0 Millionen Euro) sowie aus sonstigen Ausleihungen an verbundene Unternehmen (14,1 Millionen Euro) besteht. Die international verschachtelte Unternehmensstruktur von ThomasLloyd erschwert die Bewertung zusätzlich.
Vierte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH
Über diese Gesellschaft ist nur wenig Aktuelles bekannt. Im Bundesanzeiger finden sich lediglich die Jahresabschlüsse bis einschließlich 2020. Damals waren Genussrechte und sonstige Verbindlichkeiten in Höhe von 6,7 Millionen Euro bilanziert. Das Vermögen bestand aus sonstigen Ausleihungen und Forderungen gegen nahestehende Unternehmen. Etwas aktuellere Zahlen zu offenbar weiteren Emissionen finden sich in einem Verschmelzungsvertrag mit der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Asia Holding GmbH aus dem Jahr 2024. Darin werden begebene Genussrechte unter Bezeichnungen wie ThomasLloyd Absolute Return Management Portfolio Protected und ThomasLloyd Managed Portfolio Growth aufgeführt. Das jeweils angegebene Emissionsvolumen summiert sich auf insgesamt 23,9 Millionen Euro.
ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH
Mit Abstand am bedeutendsten sind allerdings die Sicherungsmaßnahmen bei der deutschen Holdinggesellschaft. An diese Gesellschaft überwiesen die großen geschlossenen Fonds Zweite Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG (CTI VARIO D), Dritte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG (CTI 5 D) und Fünfte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG (CTI 9 D) hunderte Millionen Euro an Anlegerkapital. Der jüngste im Handelsregister abrufbare Jahresabschluss bezieht sich auf das Jahr 2021. Damals standen Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 589 Millionen Euro auf der Passivseite. Bereits zu diesem Zeitpunkt fehlte gut ein Drittel auf der Vermögensseite. Mit 221 Millionen Euro war die Gesellschaft bilanziell erheblich überschuldet. Wesentliche Verbesserungen dürften seither nicht eingetreten sein, wie eine Investmentcheck vorliegende vorläufige Bilanz zum Ende des Jahres 2023 zeigt. Das negative Eigenkapital belief sich in dieser englischsprachigen Version auf 179,3 Millionen Euro bei Verbindlichkeiten von 617,8 Millionen Euro.
Statement von ThomasLloyd im Januar 2026
Bereits vor Wochen stellte Investmentcheck Fragen zu verschiedenen Fremd-Insolvenzanträgen. Ohne Namensnennung antwortete die Cleantech Infrastruktur GmbH am 9. Januar, dass offene Zahlungen veranlasst worden seien und ein konkret angefragter Insolvenzantrag bedeutungslos sei: „Die Rechtmäßigkeit des Antrages, dies betrifft sowohl die Zulässigkeit als auch die Begründetheit des Antrages, sowie die dem Antrag vermeintlich zugrunde liegende Forderung wird derzeit von unseren Anwälten geprüft und sofern rechtlich fällig bezahlt, so dass der Antrag damit hinfällig wäre.“ Wie so oft war diese Aussage mit dem Hinweis auf mögliche rechtliche Konsequenzen bei negativer Berichterstattung verbunden: „Im Übrigen dürfen wir erneut darauf hinweisen, dass sich die Cleantech Infrastruktur GmbH und ihre Organe gegen jedwede kreditschädigenden und persönlichkeitsrechtsverletzenden Behauptungen (anwaltlich) zur Wehr setzen und entsprechende Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche geltend machen werden. Wir gehen daher davon aus, dass Sie die journalistische Sorgfalt beachten und – auch aus eigenem Interesse – die Rechte der Cleantech Infrastruktur GmbH und ihrer Organe wahren werden.“
Loipfinger’s Meinung
In der zuletzt veröffentlichten Leistungsbilanz waren per Ende 2021 kumulierte Platzierungen mit strukturierten Produkten, Anleihen und alternativen Investmentfonds in Höhe von 1,71 Milliarden Euro ausgewiesen. Mein ältester auf Investmentcheck veröffentlichter kritischer Beitrag zu ThomasLloyd erschien im Oktober 2019 („Zweifel an ThomasLloyd“). Bereits damals stellte ich in der Unterüberschrift die Frage, wie viel Geld bei ThomasLloyd tatsächlich in Infrastrukturinvestments steckt. Dr. Christoph Morgen wird sich dieser Frage in den kommenden Wochen voraussichtlich intensiv widmen. Das weltweit verzweigte Unternehmensgeflecht dürfte die Beantwortung allerdings nicht einfach machen. Spannend wird zudem sein, wie kooperativ sich ThomasLloyd sowie die beiden in der Schweiz lebenden Unternehmenslenker Thomas Ulf Sieg und Matthias Klein verhalten. Können sie die Gründe für die Fremdanträge noch beseitigen? Oder markieren die drei Insolvenzverfahren den Beginn weiterer Verfahren innerhalb des weit verzweigten Konzerns?
Nachtrag vom 29. April 2026
Das Amtsgericht Lingen (Ems) hat verkündet, dass die mit Beschluss vom 20. Februar 2026 verhängten Sicherungsmaßnahmen gegen die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH mit Beschluss vom 29. April 2026 wieder aufgehoben wurden.
Nachtrag vom 29. Juni 2026
Das Amtsgericht Lingen (Ems) hat unter dem Aktenzeichen 18 IN 36/26 erneut ein vorläufiges Insolenzverfahren über das Vermögen der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH eingeleitet und wieder Dr. Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Schreibe einen Kommentar