Rendity wird abgewickelt

Nächster großer Schwarmfinanzierer für Immobilien stellt Geschäft ein
Rendity ab Juni 2026 geschlossen. Plattform in Abwicklung.
Rendity ab Juni 2026 geschlossen. Plattform in Abwicklung.

Die Wiener Crowdfunding-Plattform Rendity zählte zu den großen Anbietern von Immobilienfinanzierungen. Mehr als 38.000 Investorinnen und Investoren ermöglichten die Realisierung von 222 Projekten. Doch die vollmundigen Versprechen mit grundbücherlicher Besicherung und professionellem Immobilienmanagement entlarvten sich immer häufiger als schnell platzende Seifenblasen. Bereits seit April 2024 bot Rendity keine neuen Schwarmfinanzierungen mehr an. Nun folgt die Abwicklung – und ab Juni offenbar das totale Chaos.

Keine neuen Investitionen seit April 2024
Nach Angaben des Unternehmens wurden seit April 2024 weder neue Emissionen vermittelt noch neue Geschäftsbeziehungen eingegangen. Hintergrund sei das stark veränderte Marktumfeld im Immobiliensektor. Rendity verweist auf die Zinswende, hohe Inflation, gestiegene Bau- und Finanzierungskosten sowie geopolitische Unsicherheiten. Diese Faktoren hätten zu Verzögerungen bei Projektentwicklungen, Insolvenzen einzelner Darlehensnehmer und einem deutlichen Rückgang des Investoreninteresses geführt. Unter diesen Bedingungen sei ein wirtschaftlich tragfähiger Weiterbetrieb der Plattform nicht mehr möglich gewesen.

Jahresabschluss 2024
Die Einstellung des Neugeschäfts zeigte sich bereits deutlich im Jahresabschluss 2024. Während 2023 noch ein Gewinn von 1,1 Millionen Euro erzielt wurde, verbuchte die Rendity GmbH 2024 bereits knapp eine Million Euro Verlust. Dadurch reduzierte sich das Eigenkapital von 1,9 Millionen Euro auf nur noch 709.000 Euro, die Differenz dürfte eine Entnahme in Höhe von 200 Tausend Euro gewesen sein. Die für Deutschland gegründete Rendity Deutschland GmbH wurde Anfang 2025 aufgelöst und wird liquidiert. Als Liquidatoren sind Tobias Leodolter und Uwe Hasekamp eingetragen.

Geordneter Abwicklungsprozess angekündigt
Laut Rendity wurde ein strukturierter Abwicklungsprozess eingeleitet. Die zuständigen Behörden seien informiert, die „Gewerbeberechtigungen zurückgelegt“ worden. Während der Abwicklung bleibt die Plattform noch bis zum 31. Mai zugänglich, damit Anlegerinnen und Anleger auf ihre Konten zugreifen, Daten aktualisieren und vorhandene Guthaben auszahlen lassen können. Neue Einzahlungen oder Investitionen sind nicht mehr möglich. Verbleibende Restguthaben sollen vor Abschluss der Abwicklung automatisch auf die hinterlegten Bankkonten überwiesen werden.

Rolle des Zahlungsdienstleisters Lemonway
Die Verrechnungskonten der Anleger werden über den Zahlungsdienstleister Lemonway geführt. Dieser ist regulatorisch verpflichtet, in bestimmten Fällen eine erneute Identitäts- und Mittelherkunftsprüfung vorzunehmen. Rendity weist darauf hin, dass Anleger entsprechende Anfragen des Zahlungsdienstleisters zeitnah beantworten sollten, um Auszahlungen nicht zu verzögern. Im Anlegerforum Investmentcheck.Community diskutierten Betroffene in letzter Zeit viel über Spam-Mails und wann Anfragen ernst zu nehmen sind.

Laufende Investments seien Direktverträge mit Emittenten
Bei den über Rendity vermittelten Investments handelt es sich um qualifizierte Nachrangdarlehen, bei denen die Anlegenden in direkter Vertragsbeziehung zu den jeweiligen Projektgesellschaften stehen. Rendity selbst sei nicht Vertragspartner. Rück- und Zinszahlungen sollen künftig direkt durch die Emittenten erfolgen. Die Verantwortung für Verzögerungen, Restrukturierungen oder Insolvenzen schiebt Rendity den jeweiligen Darlehensnehmern zu. Mehrere Emittenten befänden sich aktuell in wirtschaftlichen Schwierigkeiten; teils wurden Insolvenzverfahren eröffnet.

Interessengemeinschaft IG Rendity
Anlegerinnen und Anleger fühlen sich durch die angeblichen Sicherheiten getäuscht. Die IG Rendity-Anleger führt deshalb bereits mehrere Klagen, auf die Rendity in ihrer Abwicklungsankündigung verweist: „Zusätzlich sah sich Rendity mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert, in denen unsere Rolle als Plattformbetreiberin teilweise missverstanden wurde. Die daraus resultierenden Rechts- und Beratungskosten haben die wirtschaftliche Situation des Unternehmens weiter belastet und die Möglichkeiten zur Fortführung des Betriebs zusätzlich eingeschränkt.“

Loipfinger’s Meinung
Rendity hat bei der Auswahl der Fundings besonders schludrig gehandelt. Sehr viele Finanzierungen sind leistungsgestört oder insolvent (zur Übersicht). Die Verantwortung nun allein auf den Markt und äußere Umstände zu schieben, ist unglaubwürdig. Rendity war Finanzanlagenvermittlerin und damit verpflichtet, die von ihr angebotenen Schwarmfinanzierungen auf Plausibilität zu prüfen. Die Versuchung höherer Gebühren durch immer neue Fundings war offenbar größer als das Pflichtgefühl gegenüber den Anlegerinnen und Anlegern. Wie gering die Bereitschaft zur Wahrheit selbst jetzt noch ist, zeigt die verweigerte Auskunft darüber, wie es mit der Rendity GmbH weitergehen soll. Hofft Rendity, sich mithilfe einer E-Mail-Liste der Emittenten von den Informationspflichten gegenüber den Anlegerinnen und Anlegern zu entledigen? Als Finanzanlagenvermittlerin war Rendity pflichtversichert. Die IG Rendity wird ihre Aktivitäten jedenfalls nicht einstellen. Im Anlegerforum Investmentcheck.Community melden sich gerade verstärkt Rendity-AnlegerInnen an, die jetzt noch mehr um Ihr Geld fürchten und den Austausch mit anderen Betroffenen suchen.


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