Kapital im Kreislauf

Kritischer Blick auf die Ranft-Gruppe
Ranft-Gruppe mit unklarer Zukunft aber schöner Vergangenheit
Ranft-Gruppe mit unklarer Zukunft aber schöner Vergangenheit

Über verschiedene Gesellschaften hat die Ranft-Gruppe aus Bad Mergentheim in den vergangenen Jahren Kapital von Anlegerinnen und Anlegern eingeworben. Ein Blick in die aktuellen Jahresabschlüsse zeigt jedoch eine komplexe Struktur gruppeninterner Finanzierungen, versagte Prüfungsvermerke sowie in mehreren Fällen deutliche Eigenkapitaldefizite. Zugleich sind für einzelne Gesellschaften noch keine aktuellen Abschlüsse verfügbar. Die nachfolgende Analyse stellt die wichtigsten Unternehmen und deren wirtschaftliche Entwicklung anhand veröffentlichter Finanzdaten dar.

Die Ranft-Gruppe
Über 6.000 Anlegerinnen und Anleger haben insgesamt 91 Millionen Euro in 34 Kapitalmarktemissionen gesteckt. Die Geschäftsführung mit Andrea und Michael Ranft sowie Rainer Zepke tritt durchaus selbstbewusst auf: „Nach über 30 Jahren erfolgreicher Unternehmensgeschichte hat die Beteiligung von privaten Anlegern an unserem Erfolg nun eine währende Tradition. Es war die beste Entscheidung für alle Projektbeteiligten. Sämtliche Zinszahlungen und Endfälligkeiten aller Emissionen der Ranft Gruppe wurden stets pünktlich und vollständig bedient.“ Laut Unternehmensangaben sind von den 91 Millionen Euro bereits 29 Millionen Euro zurückbezahlt worden. Für die folglich offenen 62 Millionen Euro stellen sich allerdings zunehmend Fragen.

Ranft Immobilien GmbH
Für die Ranft Immobilien GmbH finden sich im Bundesanzeiger nur Zahlen zum Geschäftsjahr 2023. Ein Jahresabschluss für das Jahr 2024 lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Allgemein zu den Verspätungen befragt teilte Michael Ranft mit, ein leitender Mitarbeiter im Bereich Controlling/Bilanzerstellung wäre im vergangenen Jahr erkrankt und dann aus dem Unternehmen ausgeschieden. Man habe die Abteilung aufgestockt und werde in Zukunft „eine rechtzeitige Erstellung und Veröffentlichung“ der Bilanzen sicherstellen.
Zum 31. Dezember 2023 wies das Unternehmen eine Bilanzsumme von rund 23,7 Millionen Euro aus (Vorjahr: 21,3 Millionen Euro). Die bilanzielle Überschuldung vergrößerte sich auf einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 12,3 Millionen Euro nach 8,4 Millionen Euro im Vorjahr. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 23,7 Millionen Euro und entfielen überwiegend auf Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen in Höhe von rund 23,1 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr wurde durch Wertberichtigungen in Höhe von 1,58 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Insolvenz der Jenabatteries GmbH belastet. Auch die 2023 verkaufte und später in VioSol GmbH umbenannte Ranft Solarpark Obergessertshausen GmbH ist insolvent. Im Juli 2025, also lange nach dem Verkauf, leitete das Amtsgericht Ulm ein vorläufiges Insolvenzverfahren ein, das im November 2025 eröffnet wurde (Aktenzeichen 4 IN 286/25). Auf Nachfrage erklärte Michael Ranft, der Kaufpreis wäre zu 100 Prozent bezahlt worden und er würde für die Ranft Immobilien keine Auswirkungen aus dem Insolvenzverfahren erwarten.

Ranft Energie GmbH
Für Anlegerinnen und Anleger ist insbesondere die Ranft Energie GmbH von Bedeutung, da sie Nachrangdarlehen emittiert und damit unmittelbar Kapital eingeworben hat. Das Unternehmen hat unter anderem die Vermögensanlagen „Ranft Energie – 2019“ mit einem platzierten Nennbetrag von rund 6,9 Millionen Euro sowie „Ranft Energie – 2020“ mit rund 2,3 Millionen Euro aufgelegt, von denen ein Teil bereits zurückgeführt wurde. Innerhalb der Unternehmensgruppe fungiert die Gesellschaft vor allem als Finanzierungsvehikel für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und reichte zum 31. Dezember 2024 Darlehen in Höhe von rund 7,2 Millionen Euro an verbundene Unternehmen aus. Diese Ausleihungen stellten den wesentlichen Vermögensposten dar und machten mehr als achtzig Prozent der Bilanzsumme aus. Besonders relevant für die Beurteilung durch Anleger ist zudem der Hinweis des Abschlussprüfers: Für den Jahresabschluss 2024 wurde kein Prüfungsurteil erteilt. Der Prüfer versagte den Bestätigungsvermerk, da nach eigenen Angaben keine ausreichenden Nachweise zur Werthaltigkeit der Ausleihungen an die Muttergesellschaft vorgelegt wurden.

Ranft Projektpartner GmbH
Die Zweifel des Abschlussprüfers bezogen sich damit mittelbar auf die wirtschaftliche Lage der Darlehensnehmerin, der Ranft Projektpartner GmbH. Diese wies zum 31. Dezember 2024 bei einer Bilanzsumme von rund 59,4 Millionen Euro einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 9,7 Millionen Euro aus, nachdem dieser im Vorjahr noch bei rund 7,0 Millionen Euro gelegen hatte. Die Verbindlichkeiten bildeten fast in voller Höhe die Passivseite ab und entfielen überwiegend auf Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen. Auch die Ranft Projektpartner GmbH wurde trotz der bilanziellen Überschuldung unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit bilanziert. Andrea und Michael Ranft haben als Geschäftsführung dazu erklärt: „Eine Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne liegt aufgrund der vertraglichen Bestimmungen zu den Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen nicht vor.“

Ranft Green Energy GmbH
Auch die Ranft Green Energy GmbH hat Gelder von Anlegerinnen und Anlegern eingeworben. Zur Finanzierung ihrer Tätigkeit emittierte das Unternehmen unter anderem die Vermögensanlage „Ranft Green Energy V – 2016“ mit einem platzierten Nennbetrag von rund 5,9 Millionen Euro sowie die Angebote „Ranft Solar XVIII – 2023“ und „Ranft Solar XVIII – 2023 – SMART“. Darüber hinaus wurde im Jahr 2024 die Schuldverschreibung „Ranft Solar Anleihe 2024“ mit einem platzierten Emissionsvolumen von rund 6,95 Millionen Euro begeben. Ein erheblicher Teil der aufgenommenen Mittel wurde in Form von Darlehen innerhalb der Unternehmensgruppe weitergereicht, insbesondere an die Muttergesellschaft Ranft Projektpartner GmbH.
Zum 31. Dezember 2024 wies die Ranft Green Energy GmbH bei einer Bilanzsumme von rund 14,1 Millionen Euro kein bilanzielles Eigenkapital mehr aus. Stattdessen bestand ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 187.000 Euro. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 14,0 Millionen Euro und enthielten unter anderem Nachrangdarlehen in Höhe von rund 5,4 Millionen Euro. Auch für diese Gesellschaft versagte der Abschlussprüfer den Bestätigungsvermerk. Hintergrund waren auch hier fehlende Nachweise zur Werthaltigkeit von Ausleihungen an die Muttergesellschaft in Höhe von rund 11,2 Millionen Euro, die einen Großteil der Bilanzsumme ausmachten.

Ranft Green Energy VI GmbH
Eine weitere Gesellschaft der Ranft-Gruppe, die Gelder am Kapitalmarkt eingesammelt hat, ist die Ranft Green Energy VI GmbH. Auch dieses Unternehmen warb über mehrere Nachrangdarlehen Kapital von Anlegerinnen und Anlegern ein, darunter unter anderem die Angebote „Ranft Green Energy VI – 2017“, „Ranft Green Energy VI – 2018“ sowie „Ranft Solar XVII – 2022“ und weitere Darlehensprogramme. Die eingeworbenen Mittel wurden ebenfalls in erheblichem Umfang innerhalb der Unternehmensgruppe weitergereicht, insbesondere in Form von Darlehen an die Muttergesellschaft Ranft Projektpartner GmbH.
Zum 31. Dezember 2024 wies die Gesellschaft eine Bilanzsumme von rund 14,6 Millionen Euro aus. Das Eigenkapital belief sich auf rund 0,8 Millionen Euro, während die Verbindlichkeiten rund 12,9 Millionen Euro betrugen. Darin enthalten waren Nachrangdarlehen von Anlegerinnen und Anlegern in Höhe von rund 8,9 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil der Vermögenswerte bestand auch hier aus gruppeninternen Ausleihungen, insbesondere Darlehen an die Muttergesellschaft in Höhe von rund 11,3 Millionen Euro. Auch für den Jahresabschluss 2024 dieser Gesellschaft versagte der Abschlussprüfer den Bestätigungsvermerk. Als Begründung wurde angeführt, dass keine ausreichenden Nachweise zur Werthaltigkeit der Ausleihungen an die Muttergesellschaft vorgelegt wurden, die einen Großteil der Bilanzsumme ausmachten.

Ranft enttäuscht über Wirtschaftsprüfer
Nur bei diesen drei Gesellschaften würden laut Auskunft von Michael Ranft Prüfungspflichten durch Wirtschaftsprüfer bestehen. Folglich gäbe es keine weiteren Versagungsvermerke bei anderen Ranft-Unternehmen. Den Wirtschaftsprüfern von Linner Seidemann PartG mbB unterstellt Ranft, sie hätten sich nicht „in angemessener Weise mit unserem Geschäftsmodell und seinen Besonderheiten auseinandergesetzt“. Mehrmals soll es mündliche und schriftliche Aufforderungen zur Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften gegeben haben. Aber ein Dialog wurde laut Ranft von den Wirtschaftsprüfern „nicht gesucht und war auch nicht möglich“. In einer umfangreichen Stellungnahme kritisierte er die Arbeit der Prüfer sehr deutlich: „Seit vielen Jahren bewährte Nachweise, welche in der Vergangenheit stets zu uneingeschränkten Testaten geführt haben, wurden nicht oder nur unzureichend gewürdigt. Auch wurde sich nicht in angemessener Weise mit unserem Geschäftsmodell auseinandergesetzt. Erforderliche Erörterungen und Diskussionen mit den Gesellschaftern und Geschäftsführern, um dieses im Detail nachzuvollziehen, wurden nicht zugelassen.“

Ranft Invest GmbH
Ein weiteres Unternehmen der Gruppe, das Kapital am Kapitalmarkt aufgenommen hat, ist die Ranft Invest GmbH. Die Gesellschaft emittierte beispielsweise die Schuldverschreibung „Ranft Invest – Solar-Anleihe 2018“ mit einem ursprünglich vorgesehenen Emissionsvolumen von bis zu 990.000 Euro. Anlageinteressierten wurden dabei feste Zinszahlungen über die Laufzeit bis zum 30. Juni 2030 in Aussicht gestellt. Die Emittentin plante, die Mittel insbesondere für den Erwerb und den Betrieb von Photovoltaikanlagen zu verwenden.
Zum 31. Dezember 2024 wies die Ranft Invest GmbH eine Bilanzsumme von rund 5,34 Millionen Euro aus. Das Eigenkapital war negativ; es bestand ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 320.000 Euro. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 5,27 Millionen Euro, darunter Anleiheverbindlichkeiten in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro sowie Bankverbindlichkeiten von rund 1,91 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2024 entstand ein Jahresfehlbetrag von rund 246.000 Euro, wodurch sich der Bilanzverlust auf rund 821.000 Euro erhöhte. Der veröffentlichte Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 wurde ohne Prüfung durch einen Abschlussprüfer aufgestellt und ist damit nicht testiert.

Ranft Projekte 30 GmbH
Eine weitere Gesellschaft der Gruppe, die bereits vor mehr als zehn Jahren Kapital von Anlegerinnen und Anlegern eingeworben hat, ist die Ranft Projekte 30 GmbH. Neben früheren Finanzierungen wurde im Jahr 2021 erneut Kapital über ein Nachrangdarlehen mit der Bezeichnung „Ranft Solar XIII – 2021“ eingesammelt. Dieses Angebot erfolgte auf Grundlage eines Memorandums und nicht auf Basis eines von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gestatteten Verkaufsprospekts. In dem Memorandum wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine Prüfung der Vollständigkeit, Kohärenz und Verständlichkeit durch die Aufsichtsbehörde erfolgt ist.
Für das Geschäftsjahr 2024 lag zum Zeitpunkt der Auswertung noch kein veröffentlichter oder hinterlegter Jahresabschluss vor. Der zuletzt verfügbare Jahresabschluss betrifft das Geschäftsjahr 2023. Zu diesem Stichtag wies die Ranft Projekte 30 GmbH eine Bilanzsumme von rund 26,9 Millionen Euro aus. Das Eigenkapital betrug lediglich rund 5.000 Euro, während die Verbindlichkeiten bei rund 26,5 Millionen Euro lagen. Ein wesentlicher Teil der Vermögenswerte bestand aus Ausleihungen an verbundene Unternehmen in Höhe von rund 17,4 Millionen Euro.

Ranft Projekte 20 GmbH
Zur Ranft-Gruppe gehört außerdem die Ranft Projekte 20 GmbH. Zum 31. Dezember 2023 wies die Gesellschaft eine Bilanzsumme von rund 18,8 Millionen Euro aus. Eigenkapital war nicht vorhanden; stattdessen bestand ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 2,3 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 18,6 Millionen Euro und enthielten unter anderem Nachrangdarlehen mit insolvenzrechtlicher Durchsetzungssperre in Höhe von rund 9,6 Millionen Euro. Laut Anhang wird die Gesellschaft aufgrund der anhaltenden Verlustsituation als „grundsätzlich bestandsgefährdet“ eingestuft, wobei die weitere Entwicklung wesentlich von der erfolgreichen Umsetzung geplanter Projekte abhängt.

Fortlaufendes Monitoring
Nach Angaben der Geschäftsführung werden gruppeninterne Darlehen durch ein fortlaufendes Monitoring des Bestands- und Projektportfolios sowie durch regelmäßige Bewertungen der Marktpreise abgesichert, die eine ausreichende Überdeckung der Ausleihungen gewährleisten sollen. Die wirtschaftliche Lage der Ranft Projektpartner GmbH wird von Michael Ranft auf Anfrage als stabil beschrieben und entspreche nach Unternehmensangaben der typischen Struktur eines Projektentwicklers, bei dem stille Reserven, Transaktionen und laufende Dienstleistungen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit beitragen sollen. Rückzahlungen und Zinszahlungen gegenüber Anlegerinnen und Anlegern sollen nach Unternehmensangaben durch laufende Portfolioüberwachung und Cashflow-Planungen sichergestellt werden.

Loipfinger’s Meinung
Die veröffentlichten Jahresabschlüsse zeigen innerhalb der Ranft-Gruppe ein wiederkehrendes Muster: Mehrere Gesellschaften haben Kapital von Anlegerinnen und Anlegern eingesammelt und dieses in erheblichem Umfang gruppenintern weitergereicht. Ein wesentlicher Teil der Vermögenswerte besteht damit aus Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen. Genau diese Struktur steht im Mittelpunkt der von Abschlussprüfern geäußerten Zweifel an der Werthaltigkeit einzelner Ausleihungen. Besonders ins Gewicht fallen die mehrfach versagten Bestätigungsvermerke. Hinzu kommt, dass Jahresabschlüsse teilweise verspätet veröffentlicht wurden oder für einzelne Gesellschaften noch nicht vorliegen. Gerade bei kapitalmarktnahen Unternehmen erschwert dies eine verlässliche Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Kapital im Kreislauf“

  1. Avatar von Invest90
    Invest90

    Vielen Dank daß Sie sich mit diesen „Unternehmen“ auseinander setzen. Es handelt sich hier doch in erster Linie um Versorgungseinrichtungen für ein sorgloses Leben der Initiatoren. Man kann nur jedem Anleger raten, seit erarbeitetes Kapital nicht in derartige Hände zu legen. Dann lieber mikrige Zinsen bei der Bank oder besser die oft genannten breiten ETF’s. Noch besser aber eigene Auseinandersetzung mit dem Aktienmarkt und Erwerb „gesunder“ Firmen. Ich habe mein Lehrgeld mit Beteiligung einem leidlich laufendem Windpark und einem desaströsen Filmfonds vor 23 Jahren bezahlt.

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