
Die Deutsche Finance Group gehört zu den größten Anbietern geschlossener Publikumsfonds und hat seit Gründung 2005 gut 1,4 Milliarden Euro bei 55.000 Anlegerinnen und Anlegern gesammelt. Aktuell steht das Emissionshaus jedoch zunehmend wegen intransparenter Prozesse und organisatorischer Schwächen in der Kritik. Überfällige Jahresabschlüsse, widersprüchliche Begründungen für Verzögerungen und auffällig hohe Kostenbelastungen werfen Fragen zur Verlässlichkeit des Geschäftsmodells auf. Gleichzeitig verzeichnete die Unternehmensgruppe in den letzten Jahren deutliche Rückgänge beim Platzierungsumsatz was zu aktuellen Gerüchten um einen Mitarbeiterabbau passt. Befragt zu kolportierten Restrukturierungsmaßnahmen schrieb die Deutsche Finance von weiteren strategischen Anpassungen in ihrer Kunden-, Produkt- und Investmentstrategie, um sich gezielt an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Diese Maßnahmen würden zu gegebener Zeit transparent kommuniziert.
Überfällige Jahresabschlüsse
Geschlossene Publikumsfonds nach dem Kapitalanlagegesetzbuch müssen spätestens zum 30. September des Folgejahres berichten. Seriöse Anbieter haben ihre Hausaufgaben gemacht und den Anlegerinnen und Anlegern bereits die Geschäftsberichte per 31. Dezember 2024 vorgelegt. Die Deutsche Finance liegt hier deutlich zurück: Bei vielen Fonds fehlen sogar noch die Berichte für 2023. Nur von einigen jüngeren Fonds existieren einigermaßen aktuelle Informationen. Als Rechtfertigung für die Verzögerungen wurden zuletzt ungewöhnliche Begründungen genannt: Auf Ebene einzelner Zielfonds gebe es bei Investments Themen „in Bezug auf Anschlussfinanzierungen, geplante Kapitalmaßnahmen, Verkaufsentscheidungen oder eine mögliche Verlängerung der Haltedauer“. Doch wie soll das den Jahresabschluss 2023 tangieren? Wenig überzeugend wirkt auch der Hinweis, dass im Rahmen der Jahresabschlussprüfung nicht nur das abgelaufene Geschäftsjahr, sondern auch alle wesentlichen Ereignisse im Folgezeitraum – bis zu zwölf Monate nach dem Testat – berücksichtigt würden. Man fragt sich, wie Wirtschaftsprüfer bei Siemens oder der Deutschen Bank damit umgehen, wo es trotz erheblich komplexerer Strukturen selbstverständlich ist, die Jahresabschlüsse im Frühjahr vollständig vorzulegen. Außerdem ist es erstaunlich, dass die Finanzaufsicht BaFin so etwas duldet, wo doch fast täglich wegen harmloserer Transparenzverstöße horrende Ordnungsgelder verkündet werden.
Neuer Gesellschafter
Gestern veröffentlichte die Deutsche Finance Group eine Pressemitteilung über einen neuen Aktionär: „Ralph Winter, Gründer des Family Office W5 Group, wird strategischer Aktionär bei der DEUTSCHE FINANCE GROUP. Die Executive Partner Thomas Oliver Müller und Dr. Sven Neubauer halten künftig gemeinsam mit Ralph Winter die Mehrheit an der Unternehmensgruppe.“ Der Schwerpunkt der Partnerschaft soll im Aufbau einer Investmentplattform für innovatives Wohnen in Europa, insbesondere in Deutschland, liegen. Inwiefern dieses Vorhaben zum bestehenden Geschäftsmodell der Deutschen Finance passt, bleibt jedoch offen.
Konzernabschluss
Im März 2025 veröffentlichte die DF Deutsche Finance Partners GmbH als Muttergesellschaft den Konzernabschluss 2023. Darin zeigte sich ein deutlicher Rückgang im Privatkundengeschäft: Der Platzierungsumsatz fiel von 340 auf 109 Millionen Euro. Einschließlich der institutionellen Partner sank der gesamte Platzierungsumsatz von 1,1 Milliarden auf 536 Millionen Euro – ebenfalls ein erheblicher Einbruch. Die Assets under Management blieben mit 1,13 Milliarden Euro weitgehend stabil. Davon entfielen 768 Millionen Euro auf reine Immobilienfonds und 364 Millionen Euro auf gemischte Immobilien- und Infrastrukturfonds. Bemerkenswert sind zudem die Gebühreneinnahmen: 72 Prozent der 67,6 Millionen Euro stammen aus laufenden Vergütungen für Verwaltungs- und Managementdienstleistungen, die verbleibenden 28 Prozent (18,8 Millionen Euro) aus erfolgsabhängigen Platzierungsvergütungen.
Utopische Kosten
Die Gebührenstruktur der geschlossenen Publikumsfonds der Deutschen Finance ist enorm belastend – die Fonds sind regelrechte Gebührenmonster. Ein Blick ins Kleingedruckte des Basisinformationsblatts zum DF Deutsche Finance Investment Fund 24 offenbart drastische Zahlen: Das Co-Investment in fünf neu zu errichtende Logistikimmobilien in Texas, USA, muss vor Kosten eine Rendite von 18,6 Prozent erwirtschaften, damit für Anlegerinnen und Anleger nach Kosten lediglich 6,7 Prozent verbleiben. Ob die 18,6 Prozent überhaupt realistisch sind, sei dahingestellt – doch der massive Renditeverzehr um zwei Drittel verzerrt das Chancen-Risiko-Profil erheblich. Ähnlich problematisch ist der ebenfalls noch in Platzierung befindliche Fonds 23 (Club Deal UK Logistik). Auch hier sollen vor Kosten 18,7 Prozent erzielt werden. Trotz voller Risikoübernahme durch die Anlegerinnen und Anleger bliebe nach Kosten mit 8,6 Prozent nicht einmal die Hälfte davon übrig.
Analystenstimmen
Seit Jahren wird die Deutsche Finance von der Ratingagentur Scope und anderen Analysten positiv bewertet. Vor einigen Wochen meldete die Scope Fund Analysis GmbH jedoch, dass das Managementrating A+ „under review for possible downgrade“ stehe. Hintergrund der möglichen Abstufung seien zusätzliche Fragestellungen, die sich im Zuge der laufenden Analyse ergeben hätten und derzeit noch geklärt werden müssten. Positiv hervorgehoben wird der enge und weiterhin konstruktive Austausch mit dem Anbieter.
Loipfinger’s Meinung
Die Gerüchteküche zur Deutschen Finance kocht derzeit über. Von massiven Kürzungen bei den Mitarbeiterzahlen bis zu Stress mit institutionellen Investoren reicht das Spektrum der Spekulationen. Auf Anfrage antwortete die Deutsche Finance zum Mitarbeiterabbau, dass es zu strategischen Anpassungsprozessen gehöre, „bestehende Strukturen regelmäßig zu überprüfen, Prozesse effizienter zu gestalten und auch den Personalbestand gezielt an die Marktgegebenheiten anzupassen“. Das trägt nicht zur Beruhigung bei. Aber auch die Fakten werfen bereits ein kritisches Licht auf die Zuverlässigkeit und Transparenz des Unternehmens. Wer als Anbieter geschlossener Publikumsfonds elementare Pflichten wie die fristgerechte Vorlage von Jahresabschlüssen verfehlt, riskiert das Vertrauen seiner Anlegerinnen und Anleger. Die hohe Kostenbelastung der Fonds verzerrt zudem das Chancen-Risiko-Verhältnis erheblich, während sinkende Platzierungszahlen die wirtschaftliche Basis weiter schwächen. Auch wenn der Einstieg eines prominenten Investors kurzfristig Stabilität signalisieren mag, bleibt entscheidend, ob es der Deutschen Finance gelingt, ihre Strukturen zu professionalisieren und die Informationspolitik deutlich zu verbessern. Ohne diesen Schritt droht die bisherige Erfolgsgeschichte zu bröckeln.

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