Crowdinvesting: Krise als Katalysator

KW 6/2026: Kommentar von Stefan Loipfinger

Bergfürst und Exporo jagen schon gemeinsam
Bergfürst und Exporo jagen schon gemeinsam

Liebe Leserinnen und Leser,

schon seit zehn Jahren enthält das Vermögensanlagengesetz eine Prospektbefreiung für Schwarmfinanzierungen. Plattformen, die solche Investitionen online über ein dreiseitiges Informationsblatt vermitteln, kämpfen seither um Marktanteile. In einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb wird um Projekte sowie um Anlegerinnen und Anleger gerungen. Den Break-even haben bislang nur die wenigsten Plattformen erreicht. Mit Engel & Völkers Digital Invest meldete im Vorjahr einer der großen Akteure Insolvenz an. Daraus entstand eine ungewöhnliche Partnerschaft zweier anderer Geldsammler, die auf einen größeren Zusammenschluss hindeuten könnte.

Unterschätztes Risiko: Ausfall der Plattform
Engel & Völkers im Namen, eine Börsennotierung des Plattformbetreibers und ein Pensionsfonds als Geldgeber im Hintergrund – mit diesen Zutaten wollte die EV Digital Invest AG den Markt aufmischen. Es reichte nicht. Nach einer spektakulären Insolvenz Mitte 2025 hatten tausende Anlegerinnen und Anleger plötzlich keinen funktionierenden Ansprechpartner mehr. Umgekehrt waren zahlreiche Emittentinnen nicht in der Lage, den Zahlungs- und Schriftverkehr mit jeweils hunderten von Geldgebern selbst abzuwickeln. Ein Risiko, das häufig unterschätzt wird, wenn die zentrale Schaltstelle dazwischen ausfällt.

ev-digitalinvest.de Servicinggesellschaft GmbH
Was für EVDI-Chef Marc Laubenheimer zum Fiasko wurde, haben zwei andere Plattformen als Chance begriffen. Wie betroffene Anlegerinnen und Anleger anfänglich im Forum Investmentcheck.Community berichteten, hat Bergfürst die ausgefallene Betreuung übernommen. Doch das war nur die halbe Wahrheit, wie ein genauer Blick auf die neu gegründete ev-digitalinvest.de Servicinggesellschaft GmbH zeigt. Diese Gesellschaft ist eine 50/50-Beteiligung der Bergfürst AG und der Exporo AG. Geschäftsführer sind der Bergfürst-Chef Guido Sandler und der Exporo-Prokurist Patrick Hartmann.

Steckt mehr hinter der gemeinsamen Firma?
Weder Bergfürst noch Exporo haben auf eine Presseanfrage geantwortet, ob mehr hinter der gemeinsamen Firma steckt. Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Bergfürst und Exporo sind geplant? Handelt es sich um die Vorbereitung eines Mergers zwischen den beiden Plattformen? Wer übernimmt wen? Exporo-CEO Simon Brunke und Bergfürst-Chef Sandler gaben hierzu keine Antworten. Auch zu Fragen rund um die übernommenen EVDI-Fundings wollten sich die Herren nicht äußern, obwohl diese elementare Vertragskonstellationen für ehemalige EVDI-Anlegerinnen und -Anleger betreffen: Wie viele Emittentinnen haben neue Dienstleistungsverträge abgeschlossen – und wie viele nicht? Welche Fundings sind derzeit ohne Betreuung, weil kein Vertrag mit der Emittentin besteht? Wie werden die übernommenen Anlegerinnen und Anleger konkret unterstützt? Sind den Emittentinnen durch die neuen Verträge Mehrkosten im Vergleich zu den früheren Vereinbarungen mit EV Digital Invest entstanden?

Marktkonzentration wird sich fortsetzen
Hunderte leistungsgestörte oder insolvente Fundings sind für viele Anlegerinnen und Anleger Grund genug, Schwarmfinanzierungen kritisch zu hinterfragen oder ganz Abstand zu nehmen. Zwar wird von Plattformen gerne der Eindruck erweckt, dass Fundings nach der neuen ECSP-Verordnung nichts mit den zahlreichen Pleiten bei Vermögensanlagen zu tun hätten. Doch die Umsatzeinbrüche infolge massiver Vertrauensverluste sind erheblich. Bergfürst versucht, mit Goldsparplänen neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der kürzlich veröffentlichte Jahresabschluss 2024 weist bei der Bergfürst AG jedoch einen Jahresverlust von 1,43 Millionen Euro aus. Exporo sammelt inzwischen nicht mehr nur für Immobilien, sondern auch für Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien. Der aus vielen Verlustjahren aufgelaufene Bilanzverlust belief sich Ende 2023 bereits auf 56,4 Millionen Euro. Einen Jahresabschluss für 2024 hat die Exporo AG bislang nicht veröffentlicht.

Überlebenskampf
Bei DagobertInvest, einer weiteren Immobilienfinanzierungsplattform, liegen neue Fundings inzwischen nahezu wie Blei im Regal. CEO Andreas Zederbauer versucht, die Probleme kleinzureden. Zuletzt musste er allerdings die Hauptversammlung seiner AG mehrfach verschieben. Bei einer Anleihe der DagobertInvest AG teilte er schließlich mit, dass die am 31. Dezember 2025 fällige Zinszahlung ausgeblieben ist: „Umso schwerer fällt es uns, Ihnen heute mitteilen zu müssen, dass die diesjährige Auszahlung der fälligen Zinsen der dagobertinvest Anleihe zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht erfolgen konnte.“ Weiter ist von aufrichtigem und tiefem Bedauern die Rede – eine für Zederbauer eher untypische Wortwahl, dessen Auftreten in der Vergangenheit wenig Demut erkennen ließ. Bei mehr als 370 finanzierten Projekten und über 150.000 Transaktionen sah sich Zederbauer lange Zeit auf der Siegerstraße.

Investmentcheck-Investmentstatus-Übersichten:
Wer über die Qualität der Fundings einzelner Plattformen mehr wissen möchte, der kann sich auf Investmentcheck.de jederzeit über den Investmentstatus tausender Vermögensanlagen informieren. Nachfolgende Links führen zu einigen großen Plattformen.
Bergfürst / Companisto / DagobertInvest / Exporo / EV Digital Invest / Invesdor / OneCrowd / Portagon / Rendity / Rockets / WIWIN / Zinsbaustein

Bleiben Sie ausdauernd

Ihr
Stefan Loipfinger


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