Grauer Markt – rote Zahlen

KW 44/2025: Kommentar von Stefan Loipfinger
Pleite trotz Expertenempfehlungen: Ophira Handelshaus GmbH
Pleite trotz Expertenempfehlungen: Ophira Handelshaus GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,
Erwin Soravia hat bislang keinen Konzernabschluss für 2023 vorgelegt – obwohl im Einzelabschluss der Soravia Investment Holding fälschlicherweise angegeben ist, ein solcher sei bereits im Firmenbuch des Handelsgerichts Wien offengelegt. Auf Nachfrage teilte die Konzernsprecherin lediglich mit, dass sie keine Antworten auf meine Fragen geben wolle. Ein Jahr später lässt ein Blick in den Einzelabschluss der Soravia Investment Holding zum 31. Dezember 2024 allerdings erahnen, warum der Konzernabschluss fehlen könnte. So wurden etwa die eigenen Beteiligungen massiv wertberichtigt und sind von zwölf auf 2,8 Millionen Euro eingebrochen. Auch bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen gab es offenbar erhebliche Abschreibungen: Der Jahresendbestand sank von 24,4 auf 10,6 Millionen Euro.

Bilanzielle Überschuldung bei Soravia
Dass es sich dabei überwiegend nicht um Abgänge, sondern um Abschreibungen handelt, lässt sich an den nur leicht gesunkenen Verbindlichkeiten ablesen – sie gingen lediglich von 29,1 auf 25,7 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis: ein Verlust von 19,2 Millionen Euro, der zu einer bilanziellen Überschuldung von 11,4 Millionen Euro führte (negatives Eigenkapital). Auch wenn die veröffentlichte Bilanzversion recht dürftig ausfällt, findet sich darin ein aufschlussreicher Hinweis zur möglichen Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinn. Laut Erwin Soravia liegt eine solche nämlich nicht vor, da zwölf Millionen Euro der Verbindlichkeiten auf ein nachrangiges Mezzanine-Darlehen entfallen. Ich habe nachgefragt, wie viel davon Kapital der SC Finance One GmbH ist, da mir eine etwas höhere Darlehensausreichung per Herbst 2023 bekannt ist. Eine Antwort blieb aus. Geht man davon aus, dass von den 2023 ausgereichten 14,7 Millionen Euro noch ein erheblicher Teil valutiert, dann stützen derzeit die deutschen Anlegerinnen und Anleger durch ihren Nachrang faktisch die Soravia-Holding. Ziemlich perfide, wenn man den Umgang mit den deutschen Investorinnen und Investoren an anderer Stelle betrachtet – und durchaus fragwürdig aus Sicht der ProReal Deutschland 7, deren Mittel laut Verkaufsprospekt „im Bereich der Projektentwicklungen oder der Zwischenfinanzierung von Immobilien“ eingesetzt werden sollten.

Gerecht oder zu wenig?
Sympatex war hier im Newsletter bisher kein Thema. Kurz zusammengefasst: Einige Herren haben den Gläubigerinnen und Gläubigern einer Schuldverschreibung durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Forderungsverzicht von 90 Prozent abgerungen. Das Gesamtvolumen von 13 Millionen Euro war für die Beteiligten im Grunde Kleingeld. Zwei von ihnen waren mit jeweils einem Drittel am Milliarden-Fondsanbieter d.i.i. beteiligt, ein weiterer war in zahlreiche Mittelstandsanleihen verwickelt – und hat nach meiner Auffassung auf unseriöse Weise deutlich größere Summen erbeutet. Nun hat das Landgericht München I die drei Angeklagten wegen versuchten Betrugs beziehungsweise Beihilfe verurteilt. Dazu kam noch die uneidliche Falschaussage beziehungsweise Beihilfe dazu. Ins Gefängnis muss keiner von ihnen, auch wenn sie die Haftbedingungen bereits in Form von Untersuchungshaft kennengelernt haben. Sicher kein Zuckerschlecken, was einem Angeklagten angeblich vier Zähne kostete.
Ist das gerecht – oder zu milde? Persönlich freue ich mich, dass es überhaupt zu einer Verurteilung kam. Viel zu selten erlebe ich im grauen Kapitalmarkt, dass die Justiz ihrer Aufgabe wirklich nachkommt. Eine Haftstrafe hätte den Steuerzahler ohnehin nur zusätzlich belastet, und eine Gefahr für die Allgemeinheit stellen die Herren hoffentlich nicht (mehr) dar. Mein leider oft enttäuschtes Gerechtigkeitsempfinden ist in diesem Fall tatsächlich gestillt.

Goldanbieter pleite
Der Goldpreis erreicht derzeit Rekordhöhen – und dennoch ist die Ophira Handelshaus GmbH insolvent (Amtsgericht Charlottenburg, Az. 3609 IN 2840/25). Was also hat Geschäftsführer Alexander Filkorn falsch gemacht, dass er in diesem Umfeld mit seiner Idee von einem „kostengünstigen Handel mit Gold und Silber“ scheiterte? Eine mögliche Antwort liefert meine bereits vor fünf Jahren ausgesprochene Warnung: Bringt Gold Zinsen? Auch in meinem Beitrag für das Geld-Magazin von Der Spiegel („Goldrichtig?“, Ausgabe 1/2020) habe ich das Geschäftsmodell sehr kritisch beleuchtet. Filkorn trat damals selbstbewusst auf und bestritt eine Prospektpflicht. Er legte mir sogar ein BaFin-Schreiben aus dem Jahr 2018 vor, das eine Erlaubnispflicht verneinte. Ende 2022 war die Lage jedoch eine andere: Die Finanzaufsicht untersagte dem schwäbischen Unternehmen aus Adelsheim, das Angebot „Strategie Plus“ in Deutschland weiter zu vertreiben. In der Begründung hieß es: „Die Untersagung erfolgte, weil die OPHIRA Handelshaus GmbH keinen von der BaFin gebilligten Verkaufsprospekt für das öffentliche Angebot dieser Vermögensanlage veröffentlicht hat, der die nach dem VermAnlG erforderlichen Angaben enthält.“ Die Kursänderung der Finanzaufsicht dauerte lang, weil der Anwendungsbereich des Gesetzes bereits Mitte 2021 durch das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz erweitert worden war. Das Verbot ist nun obsolet – die Insolvenz spricht für sich. Spannend bleibt die Frage, ob alle Bestände im „Hochsicherheitstresor“ tatsächlich vorhanden sind.

Bleiben Sie bedacht.

Ihr
Stefan Loipfinger


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Kommentare

2 Kommentare zu „Grauer Markt – rote Zahlen“

  1. Avatar von Andreas
    Andreas

    Die Webseite der Ophira Handelshaus GmbH ist noch online und es wird weiter
    Gold und Silber verkauft.

    Kein Kommentar zur Insolvenz…

    1. Avatar von J.H.
      J.H.

      Nun hat der Geschäftsführer von Ophira
      Alexander Filkorn
      seinen Firmen Sitz der Filkorn GmbH nach Krefeld verlegt
      Und vertreibt dort weiterhin Goldsparpläne sowie direkte Käufe Goldbarren usw
      Da ist doch Betrug im Spiel und wir gehen leer aus bei Insolvenz Ophira
      das kann nicht sein

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