Fadenscheiniges Angebot an die MAP-Anleger

Große Versprechen, nichts dahinter
wenig überzeugende Büroadresse der M. Plus Life Science AG im Winkelweg 3 in 8853 Lachen (Schweiz)
wenig überzeugende Büroadresse der M. Plus Life Science AG im Winkelweg 3 in 8853 Lachen (Schweiz)

Von Kerstin Kondert

Die Multi Asset Portfolio Fonds (MAP-Fonds) wurden von Dr. Illya Steiner in den Jahren 2012 bis 2016 an deutsche AnlegerInnen vertrieben. Die MAP-Fonds sollten ihr Geld über die Beteiligung an anderen Fondsgesellschaften verdienen. Die AnlegerInnen konnten sich mit Einmalzahlung beteiligen, aber auch Raten über bis zu 20 Jahre verteilt leisten. Ein erheblicher Teil der AnlegerInnen zahlt heute noch.

Die Fonds sind eine Vielzahl von Beteiligungen eingegangen, die den Investitionskriterien widersprechen. Per heute sind sie nur einen Bruchteil des ursprünglich eingesetzten Kapitals wert. Wegen der gesetzlichen Bestimmungen dürfen die Fonds seit Jahren nicht mehr investieren. Mit ihren Jahresabschlüssen sind sie viel zu spät dran und haben es auch versäumt, pünktlich ihre Steuererklärungen abzugeben. Die Einnahmen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück, dafür sind die Kosten hoch. Die allermeisten AnlegerInnen wollen nur noch raus und retten, was zu retten ist (auch wenn das nur ein Bruchteil des eingesetzten Kapitals sein dürfte). Seit ein paar Monaten sind die AnlegerInnen dabei, sich mit Hilfe des Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V. zu organisieren, um eine schnellstmögliche Liquidation durchzusetzen. Aber noch ist es nicht so weit.

In dieser Situation verheißen Finanzberater Jürgen Vieler und Christian Feucht den MAP-AnlegerInnen die Kapitalrettung: „Auf den Punkt gebracht bedeutet die Option, dass jeder teilnehmende Kunde die Möglichkeit hat, bis zu 100% seiner Vertragssumme (abzgl. erhaltener Ausschüttungen) ausgezahlt zu bekommen. Je nach weiterem Verlauf, kann die Summe auch noch mehr als 100% werden“, erklärt Jürgen Vieler in einer E-Mail seinen Vermittler-Kollegen. Die sollen Stillschweigen bewahren, bis „alles unter Dach und Fach“ sei. Angesichts der Tatsache, dass das Angebot an mehrere Tausend AnlegerInnen gerichtet ist, hatte sich das mit dem Stillschweigen schnell erledigt.

„Für uns alle bedeutet die Option entsprechend, dass wir unseren Kunden, in Anbetracht der aktuellen Lage, spektakulär helfen können und wir das leidige MAP Thema final, mit einem positiven Verlauf für unsere Anleger abschließen können“, so heißt es in der E-Mail von Jürgen Vieler weiter. Wir haben bei ihm nachgefragt, auf welcher wirtschaftlichen Grundlage sein Optimismus basiert. Eine Antwort haben wir nicht erhalten.

Das Kaufangebot
Den MAP-FondsanlegerInnen wird angeboten, die Anteile ihrer maroden Fonds an die M. Plus Life Science AG zu verkaufen. Dafür sollen sie allerdings kein Geld erhalten, sondern Aktien der AG. Die M. Plus Life Science AG soll in diesem Jahr noch an die Börse gehen. Es seien nur noch Kleinigkeiten zu regeln, so deren Vorstandsmitglied Stefan Klaile in einer Zoom-Konferenz für Anleger und Vermittler. Die Unterlagen, die den Anlegern zur Verfügung gestellt werden, lassen keinerlei Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzeptes zu. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Präsentation, die gut aussieht und die Protagonisten im besten Licht zeigt. Die Aussichten für die nächsten Jahre sind traumhaft, aber wahrscheinlich auch nichts anderes als ein Traum:

Die Überschrift sagt – wenn auch vielleicht nicht absichtlich – tatsächlich schon viel. Ein Businessplan ist bestenfalls geplant. Vorgelegt wird den Anlegern keiner. Bisher hat die M. Plus Life Science AG auch keine Bilanzen veröffentlicht.

Wir haben Stefan Klaile um Übersendung der Bilanzen der letzten drei Jahre gebeten, um die wirtschaftliche Substanz des Angebots zu prüfen. Die wurden uns zusagt, ebenso die Übersendung des Businessplans. Den haben wir nicht erhalten. Anstelle WP-testierter Bilanzen erhielten wir eine einseitige Datei mit folgendem Inhalt:

Es ist nicht nur nicht erkennbar, welche Gesellschaft diese Zahlen betreffen sollen, auch die Währungsangabe fehlt. Euro? Schweizer Franken? Dollar? Wir haben Stefan Klaile gegenüber diesen Angaben als nicht prüffähig beanstandet. Seitdem herrscht Stillschweigen.

Immerhin etwas lässt sich diesen Zahlen entnehmen: Per Ende 2023 war die Gesellschaft, die sich hinter diesen Zahlen verbirgt, zahlungsunfähig und überschuldet. Per Ende 2024 weist sie Anlagevermögen in erheblichem Umfang aus, wobei unklar bleibt, worin das Anlagevermögen besteht oder wie es bewertet wurde. Dafür hatte die Gesellschaft per 2024 weiterhin keine Liquidität.

Die Vermittler machen mächtig Zeitdruck. Die Anteilsübertragung soll zum 30. Juni 2025 erfolgen (obwohl dies gar nicht bei allen Fonds möglich ist), während der Börsengang der M. Plus Life Science AG erst im September stattfinden soll. Was ist, wenn es nicht zum Börsengang kommt? Klaile antwortet in der Zoom-Konferenz auf diese Frage, dass das nicht zu erwarten sei. Aber was, wenn doch? Ich persönlich halte den Börsengang für extrem unwahrscheinlich. Und dann kommen die AnlegerInnen vom Regen in die Traufe, sind ihre Fondsanteile los und ob sie jemals Geld bekommen, steht in den Sternen.

Die Unternehmen des Stefan Klaile
Warum bin ich pessimistisch? Im Grauen Kapitalmarkt ist Stefan Klaile als Chef der Xolaris- und Adrealis-Unternehmen kein Unbekannter. Seine ADREALIS Service Kapitalverwaltungs-GmbH war als BaFin-zugelassene Kapitalverwaltungsgesellschaft bis 2023 tätig. Dann hat die BaFin ihr die Zulassung entzogen. Zu diesem Zeitpunkt verwaltete die ADREALIS Service Kapitalverwaltungs-GmbH nach eigener Aufstellung aus dem August 2023 insgesamt 31 AIF, von denen 18 noch aktiv waren. Allein an den aktiven AIF mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mehr als 600 Millionen Euro waren 17.921 Anleger investiert.

Der BaFin erschien die personelle Ausstattung der ADREALIS Service Kapitalverwaltungs-GmbH mit einer Mitarbeiterin im Risikomanagement, einem Werkstudenten im zweiten Semester, einer Sekretariatsmitarbeiterin sowie einem Mitarbeiter im Portfoliomanagement deutlich zu dünn, um die Aufgaben der Kapitalverwaltungsgesellschaft ordnungsgemäß erfüllen zu können. Ganz gravierend: Zum Ende Juli 2023 hatte der letzte BaFin-überprüfte Geschäftsleiter das Unternehmen verlassen, die Gesellschaft war führungslos. Die als Ersatz vorgeschlagenen Personen zur Übernahme der Geschäftsleitung verfügten nach Auffassung der BaFin nicht über ausreichende Qualifikationen. Das traf auch auf Stefan Klaile persönlich zu, der zunächst beabsichtigt hatte, seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender ruhen zu lassen, um selbst die Geschäftsleitung zu übernehmen. Im Hinblick auf seine Person sah die BaFin zudem erhebliche Interessenkonflikte im Hinblick auf die Tatsache, dass weitere Klaile gehörende Unternehmen von der Adrealis erhebliche Zahlungen erhielten, deren vertragliche Grundlagen im Rahmen einer Sonderprüfung nicht ausreichend geklärt werden konnten.

Vertreten durch Stefan Klaile erstattete die Xolaris AG im September 2023 gegen drei ehemalige Mitarbeiter der ADREALIS Service Kapitalverwaltungs-GmbH sowie gegen drei Mitarbeiter der BaFin Strafanzeige. Die Strafverfahren wurden jedoch nicht eingeleitet, weil nach Auffassung der zuständigen Staatsanwältin keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten der Beschuldigten vorlagen. Insbesondere sei nicht erkennbar gewesen, dass sich die Beschuldigten eines kollusiven Handelns zulasten der ADREALIS oder „gemeinschaftlich eine(r) Denunzierung, Nötigung und Erpressung“ zulasten Stefan Klailes schuldig gemacht hätten.

Inzwischen wurde die Gesellschaft in Adrealis Service GmbH umgewandelt und befindet sich seit August 2024 im Insolvenzverfahren. Dieses Schicksal teilt sie im Übrigen mit der Mehrzahl der Klaile-Gesellschaften:

Mehr als die Hälfte der Gesellschaften ist insolvent oder befindet sich in Liquidation. Das kumulierte Jahresergebnis der übrigen Unternehmen lag Ende 2023 bei knapp 90.000 Euro. Da braucht es schon viel Phantasie, um ihm den Börsengang mit einer AG zuzutrauen, die mit einem Anfangsvermögen von 200 Millionen Schweizer Franken an den Markt will. Woher nimmt sie diese Vermögenswerte?

Kondert’s Meinung
Hier wird mit der Hoffnung der AnlegerInnen Schindluder getrieben. Erst haben die Vermittler mit den MAP-Fonds den AnlegerInnen provisionsträchtige Kapitalanlagen verkauft, deren Wirtschaftlichkeit von Anfang an wenig plausibel war. Unterwegs haben die Fonds dann Beteiligungen erworben, die sie nie hätten erwerben dürfen. Der Vertrieb hat dabei entweder die Augen zugemacht oder gleich mitgemischt. Und jetzt setzen die Vermittler dem Fass noch die Krone auf und jagen die AnlegerInnen in ein Angebot, bei dem alles dafürspricht, dass der letzte Cent auch noch verloren geht. Ist das absolute Ahnungslosigkeit oder absolute Skrupellosigkeit? Wohl jedem Vermittler, der sich von diesem Angebot distanziert und seine KundInnen entsprechend berät.


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Kommentare

4 Kommentare zu „Fadenscheiniges Angebot an die MAP-Anleger“

  1. Avatar von Investment Cheker
    Investment Cheker

    Finger weg von Klaile, das Geld ist wie immer verloren. Tausend Anleger geschädigt. Strafanzeigen stellen damit das aufhört.

    1. Avatar von Michael Pesch
      Michael Pesch

      Aktualisierung
      Die M. Plus Life Sciences AG hat ihren Namen am 04.06.2025 in United Investment Partners Capital AG geändert.

  2. Avatar von unbekannter Auto-Fan
    unbekannter Auto-Fan

    Aber vor dem Bürogebäude stehen überzeugende und teure Autos!!!!

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