Der Eisberg bei der Deutsche Finance

BaFin greift durch – eher zu spät als zu hart
Die Trauerfarbe schwarz ist ein Markenzeichen der Deutschen Finance
Die Trauerfarbe schwarz ist ein Markenzeichen der Deutschen Finance

Seit 2005 hat die Deutsche Finance Group 7,3 Milliarden Euro Eigenkapital gesammelt. Rund 1,5 Milliarden Euro kamen von 50.000 Privatanlegerinnen und Privatanlegern, der Rest von professionellen und institutionellen Investoren. Doch ein Teil der Assets im Wert von über zwölf Milliarden Euro hat erhebliche Probleme; manche Zielfonds kämpfen ums Überleben. Alle noch laufenden 21 Publikumsfonds liegen im Minus. Die Finanzaufsicht forderte deshalb am 9. Juni 2026 Auskünfte und Unterlagen an. Vor ein paar Tagen machte die BaFin die Bestellung eines Sonderbeauftragten bekannt, der die Auskunftsanordnung überwachen soll. Das zeigt ein Maß an Misstrauen, das angesichts der bereits bekannten Themen eher zu spät als übertrieben erscheint.

Zielfonds ohne Management
Viele Publikumsfonds sowie professionelle und institutionelle Investoren beteiligten sich an Spezial-AIFs mit Sitz in Luxemburg. Dort fungierte die Hauck & Aufhäuser Fund Services S.A. (HAFS) als von der Luxemburger Finanzaufsicht zugelassener Investmentfondsmanager. Doch zahlreiche Mandate wurden im Oktober 2025 gekündigt und endeten am 31. Januar 2026. Das wäre in Deutschland undenkbar. In Luxemburg sind offensichtlich (vorübergehend) managementlose Fonds möglich. KPMG hat deshalb in den Testaten von Spezial-AIFs eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit festgehalten und auf die Ausführungen der Geschäftsführung zum „Going Concern“ verwiesen: „Bis zum Datum der Genehmigung des Jahresabschlusses wurde kein neuer AIFM bestellt. Die Geschäftsführung des Komplementärs befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit potenziellen Nachfolgern; ein verbindlicher Abschluss eines Mandatsvertrages liegt jedoch noch nicht vor. Sollte es nicht gelingen, zeitnah einen neuen AIFM zu mandatieren, könnte dies wesentliche Auswirkungen auf die regulatorische Zulässigkeit sowie die operative Handlungsfähigkeit der Gesellschaft haben.“

Die unrühmliche Rolle von Hauck & Aufhäuser
Nicht zu verwechseln ist die HAFS mit der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, die im Juni 2025 an die ABN AMRO verkauft wurde. „Hauck & Aufhäuser Fund Services Group wird unabhängig“, hieß es damals in einer angeblichen Erfolgsmeldung. Vielleicht wollten die niederländischen Käufer der Bank die Fondstochter jedoch nicht übernehmen. Die Skandale um die Verius-Fonds und nun die ungewöhnliche Niederlegung von Mandaten bei der Deutschen Finance könnten ein Hinweis darauf sein. Auf Anfrage reagierte die Pressestelle der HAFS unprofessionell und antwortete einfach nicht. Andererseits ist die Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank noch nicht vollständig aus der Verantwortung. Denn sie fungiert bei DF-Fonds als Verwahrstelle und könnte ohne einen neuen Fondsmanager die Fonds möglicherweise übernehmen müssen.

Skeptische Wirtschaftsprüfer in Luxemburg
Nicht nur das fehlende Fondsmanagement bereitet den Wirtschaftsprüfern Sorgen. In zahlreichen Testaten luxemburgischer Fondsgesellschaften finden sich Sätze wie: „Zudem weisen wir auf die aktuelle Liquiditätssituation sowie auf bestehende Unsicherheiten hinsichtlich der Rückzahlung der Darlehen bei Fälligkeit hin.“ In einem anderen Bericht wird einleitend auf verschiedene Probleme hingewiesen; positive Annahmen der Geschäftsführung verhinderten drastischere Maßnahmen: „Zum Zeitpunkt der Genehmigung dieses Jahresabschlusses bestehen jedoch mehrere Sachverhalte, die einzeln oder insgesamt wesentliche Unsicherheiten darstellen und erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Fonds zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen.“

Deutsche Wirtschaftsprüfer ebenfalls skeptisch
Da viele Publikums-AIFs auch Geld in die problematischen Zielfonds überwiesen, muss sich dies folglich in den deutschen Berichten niederschlagen. Leider sind von 17 der 21 noch laufenden Fonds keine Zahlen für das Jahr 2024 veröffentlicht, was einen klaren Verstoß gegen das Kapitalanlagegesetzbuch (Frist: neun Monate nach Geschäftsjahresende) und gegen die eigenen Anlagebedingungen (teilweise sechs Monate nach Geschäftsjahresende) darstellt. Einer der wenigen Fonds mit Informationen für 2024 ist der DF Deutsche Finance Investment Fund 17. Wesentliche Unsicherheiten beschreiben die beiden Wirtschaftsprüfer so: „Die Unsicherheit betrifft insbesondere die zeitnahe erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität auf Ebene der DF Deutsche Finance Investment Fund 17 – Club Deal Boston II – GmbH & Co. geschlossene InvKG hinsichtlich der Vermarktung und der damit verbundenen Rückführung des anteiligen Veräußerungserlöses der Immobilie, welche mittelbar durch den Investmentfonds gehalten wird.“ 2024 dürfte sich die Situation in vielen Fonds zwar verschlechtert haben; doch selbst die Informationen für 2023 klingen zum Teil schon alarmierend. Beim DF Fund 14 wird zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden auf schon damals vorliegende bestandsgefährdende Risiken der „Beteiligungen REPF und SFFI“ hingewiesen. Diese kryptischen Bezeichnungen der Assets sind als ungewöhnlich intransparent zu bezeichnen. Die Deutsche Finance erschwer damit, dass die Geldströme nachvollziehbar sind.

Alle laufenden Fonds im Verlust
Die 1,5 Milliarden Euro privater Anlegerinnen und Anleger stecken insgesamt in 24 Publikumsfonds. Drei davon sind mit kleinen Gewinnen aufgelöst worden – allerdings nicht plangemäß. Für die 21 anderen Angebote dürften solche Ergebnisse in den meisten Fällen wohl nicht mehr erreichbar sein. Denn per Ende 2023 beziehungsweise 2024 liegen alle Fonds im Minus. Bei manchen hat sich das Kapital bereits mehr als halbiert. Dabei dürften zahlreiche negative Nachrichten aus 2024 und 2025 noch nicht einmal eingepreist sein. Wie unbefriedigend die Managementleistung der Deutschen Finance aber bereits seit Jahren ist, zeigt eine Betrachtung der Ergebnisse selbst in den guten Zeiten (ex ante). Investmentcheck hat von allen Fonds die Geschäftsberichte seit Auflage ausgewertet und durchgängig unbefriedigende Ergebnisse festgestellt. Ein Beispiel: Der Ende 2009 aufgelegte AGP Advisor Global Partners Fund II sammelte bis 2011 von 2.900 Anlegerinnen und Anlegern knapp 50 Millionen Euro. Das Timing hätte kaum besser sein können, um nach der Finanzkrise von einer sensationellen Marktentwicklung zu profitieren. Ziel war es, bis zum anfänglich geplanten Laufzeitende 2023 eine Rendite von jährlich zwölf Prozent zu erwirtschaften. Tatsächlich war der Fonds durchgängig im Minus und steht heute inklusive der Einrechnung von Steuerguthaben bei 69 Prozent des gezeichneten Kapitals.

Bedenkliche Überschneidungen bei den Assets
Die ungewöhnlich intransparente Berichterstattung mit Kürzeln für die Fondsassets konnte Investmentcheck in einer ganzen Reihe von Fällen auflösen. Wer dann alle Geschäftsberichte aller Publikumsfonds seit Auflage mit den jeweiligen Assets abgleicht, stellt ungewöhnliche Überschneidungen fest. Bei vielen Assets, bei denen die DF Deutsche Finance Asset Management GmbH zusätzlich als Investmentmanager fungiert, ist eine ganze Reihe von Fonds parallel investiert. An die DF Deutsche Finance San Francisco Investment S.C.S. überwiesen beispielsweise zehn Publikumsfonds Geld. Der Compliance-Beauftragte dürfte die Verhaltensregeln der Interessenkonflikt-Richtlinie sehr genau gelesen haben müssen, zumal die Deutsche Finance-Gruppe in einzelnen Fällen sogar über bis zu vier Ebenen eingebunden war. So entstand eine gut geölte Gebührenmaschine, die sicherlich ihren Teil zu den unbefriedigenden Ergebnissen beigetragen hat.

Over-Commitments als Problem
Natürlich ist die Marktentwicklung der letzten Jahre für einen Teil der schlechten Performance verantwortlich. Echte Bestandsrisiken dürften sich bei grundsätzlich eigenkapitalbasierten Fonds trotzdem nicht ergeben. Allerdings musste das Fondsmanagement bei den Investitionsentscheidungen einen Zielkonflikt berücksichtigen: Zielfonds rufen ihr Geld zum Teil über Jahre in Raten ab. So kann die Rendite des eingesetzten Kapitals auf dieser Ebene optimiert werden. Der Publikumsfonds will aber sein Geld nicht dauerhaft als Liquidität vorhalten, weil das auch seine Performance belasten würde. Also ging das Fondsmanagement Commitments bei den Zielfonds über die vorhandenen Gelder hinaus ein. Die Hoffnung war, dass diese nicht vollständig abgerufen würden oder aus anderen Investitionen rechtzeitig Geld zurückfließt. In euphorischen Märkten konnte das vielleicht funktionieren. Mit dem Markteinbruch wurden viele Commitments abgerufen und Gelder flossen nicht schnell genug zurück. In der Folge tauchen nun in einigen Bilanzen der Publikums-AIFs Verbindlichkeiten auf, obwohl Kredite nicht oder nur sehr eingeschränkt erlaubt waren. Das wiederum erhöht die Verluste bezogen auf das eingesetzte Kapital.

Loipfinger’s Meinung
Die Deutsche Finance hat auf eine Presseanfrage nicht einmal mehr reagiert. Keine Antwort ist natürlich ebenfalls ein Signal – und keines, das zuversichtlicher stimmt. Sind die bekannten Themen nur die Spitze eines viel größeren Eisbergs? Was ist 2024 und 2025 bei den Fonds passiert, deren Geschäftsberichte völlig veraltet sind? Für 50.000 Privatanlegerinnen und Privatanleger beginnt jetzt das Zittern um ihr Geld. Mittelbar könnten aber Millionen Menschen betroffen sein, denn der äußerst erfolgreiche Vertrieb bei professionellen und institutionellen Kunden dürfte sich bei Versorgungswerken, Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen bemerkbar machen. Noch sind neben der Bayerischen Versorgungskammer, dem Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen und der WWK Lebensversicherung keine weiteren Investoren bekannt. Manche institutionellen Geldverwalter sind selbst sehr intransparent und legen nicht einmal gegenüber ihren Mitgliedern genau offen, wie und wo sie deren Gelder investiert haben. Eine gefährliche Mischung, die sich nun rächen und für Sonderbeauftragte der BaFin noch viele Aufgaben bereithalten könnte.

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