PROJECT: Neue Vorstände, alte Fragen

KW 21/2025: Kommentar von Stefan Loipfinger
Videotipp: Finfluencer Prof. Dr. Hartmut Walz im Gespräch mit Stefan Loipfinger
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Liebe Leserinnen und Leser,
lange hat man von der PROJECT-Gruppe nichts mehr gehört. Auch jetzt gibt es kaum Neues – doch einige personelle Wechsel verdienen Erwähnung: In einer außerordentlichen Hauptversammlung der Kapitalverwaltungsgesellschaft PROJECT Investment AG wurde am 1. April ein vierter Aufsichtsrat gewählt. Gleichzeitig wurde ein Vorstandswechsel beurkundet: Dr. Alexander Hanisch wurde mit Wirkung zum 31. März abberufen, Christian Bauer ist seither neuer Vorstand. Aus gut informierten Kreisen heißt es nun, dass auch Ralf Cont, der letzte verbliebene Alt-Vorstand, ausscheiden wird. Ein Nachfolger steht noch nicht fest und muss zunächst von der Finanzaufsicht BaFin genehmigt werden.

Höchste Zeit für Aufklärung
Die ehemaligen Vorstände der Kapitalverwaltungsgesellschaft, die maßgeblich zur aktuellen Situation der PROJECT-Gruppe beigetragen haben, hätten eigentlich schon früher abgelöst werden müssen. Nur so kann eine unvoreingenommene Aufarbeitung der Ursachen gelingen. Die neuen Gesellschafter – WIDe Wertimmobilien Management GmbH (71,2 Prozent) und Simon Piepereit (17,8 Prozent) – haben nun den personellen Neuanfang vollzogen. Besonders kritisch zu hinterfragen ist beispielsweise das Ende 2022 getätigte Investment „Am Borsigturm“: 38 Millionen Euro flossen in eine Projektentwicklung, nachdem der Käufer abgesprungen war – ein grob fahrlässiger Schritt, der bei einem unabhängigen, professionell arbeitenden Fondsmanagement so nicht passiert wäre. Wenige Wochen später wurden erhebliche Teile der Investition bereits wieder abgeschrieben – stark anzunehmen, dass dies schon bei der Investitionsentscheidung absehbar war. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft steht längst in der Pflicht, endlich die Jahresberichte für 2023 vorzulegen. Nur so können Anlegerinnen und Anleger abschätzen, wie gravierend sich die über 100 Insolvenzen von Immobilienentwicklungsgesellschaften auf ihre Investments auswirken.

SC Finance Four nun doch nicht insolvent
Kurios mutet die Entwicklung bei der SC Finance Four GmbH an, in die die Gelder der ProReal Europa 9 und 10 geflossen sind. Das Insolvenzverfahren wurde eingestellt – „der Eröffnungsgrund ist weggefallen“. Klingt zunächst positiv, ist es aber nicht: Über 95 Prozent der investierten 280 Millionen Euro sind laut Geschäftsführer Joachim Winter verloren. Winter hat die Forderungen an einen bislang unbekannten Käufer für einen geringen Betrag verkauft und die Probleme der SC Finance Four damit zulasten der Anlegerinnen und Anleger beseitigt.
Erwähnenswert auch: Der vorläufige Sachwalter Dr. Andreas Kleinschmidt von White & Case hat in der kurzen Zeit seines Mandats gut verdient. Für seine Tätigkeit als vorläufiger Sachwalter rechnete er 79.000 Euro Regelvergütung plus 50 Prozent Zuschlag ab. Nach Eröffnung des Verfahrens kamen weitere 462.000 Euro Regelvergütung sowie 180 Prozent Zuschlag für „Erschwernisse“ hinzu. Der rechnerische Stundensatz dieses Millionenhonorars dürfte bei vielen Kopfschütteln auslösen.

KapMUG-Verfahren beim Hamburger Stadtpark
Ein ganzes Jahr hat das Landgericht Hamburg benötigt, um das Verfahren um das Exporo-Crowdfunding „Am Hamburger Stadtpark“ dem Hanseatischen Oberlandesgericht vorzulegen. Über zehn Klagen geschädigter Anlegerinnen und Anleger sind bereits eingereicht. Rechtsanwalt Tobias Pielsticker von Witt Rechtsanwälte hatte zu deren grundsätzlichen Klärung einen KapMUG-Antrag gestellt. Erfreulich: Das OLG plant nun offenbar, zügig einen Musterkläger zu bestimmen.
Apropos Exporo: Auch bei der Bestandsfinanzierung „Apartments am Markt“ regt sich Widerstand. In der Investmentcheck.Community fanden sich genügend Betroffene, um die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters zu beantragen. Dieser könnte genauer prüfen, warum das Objekt wirtschaftlich so schlecht läuft. Die Intransparenz selbst bei Vermietungsimmobilien ist kaum zu ertragen.

Tipps für Interessierte
In den vergangenen Wochen habe ich mehrere Interviews gegeben – unter anderem für Podcasts. Besonders hinweisen möchte ich auf ein aktuelles Radiofeature des Deutschlandfunks: „Die Goldgräber – Fragwürdige Geschäfte auf dem grauen Kapitalmarkt“ (zum Feature). Für Fachleute ist vieles bekannt – doch hoffentlich finden die darin formulierten politischen Forderungen endlich Gehör.
Ebenfalls sehenswert: ein kürzlich veröffentlichtes Video mit Prof. Dr. Hartmut Walz auf YouTube (zum Video). In unserem Gespräch geht es um offene Immobilienfonds. Ich erläutere für Privatanlegerinnen und -anleger verständlich die wesentlichen Kritikpunkte. „Klar, verständlich und unterhaltsam“, urteilt ein Nutzer. Wer in solche Fonds investiert ist, sollte reinschauen.

Bleiben Sie robust.

Ihr
Stefan Loipfinger


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