Drohender Dominoeffekt

KW 47/2024: Kommentar von Stefan Loipfinger
Leading Cities Invest der KanAm Grund muss seine Bewertungen immer mehr der Marktrealität anpassen.
Leading Cities Invest der KanAm Grund muss seine Bewertungen immer mehr der Marktrealität anpassen.

Liebe Leserinnen und Leser,
das Ampel-Aus ist für die Anleger von Vermögensanlagen ein herber Rückschlag. Folglich ist das Gesetzgebungsvorhaben zur Verbesserung des Anlegerschutzes bei Vermögensanlagen (Anlegerschutzverbesserungsgesetz) vorerst gestoppt. Dabei enthält der Referentenentwurf eine Vielzahl von Verbesserungen, deren Umsetzung erhebliche Vorteile mit sich bringen würde. Es wäre also wünschenswert, dass das Vorhaben unabhängig von der politischen Konstellation nicht in einer Schublade verschwindet.

Transparenzsteigerung und mehr Befugnisse für die BaFin
Ein Ziel des Referentenentwurfs ist die Beseitigung der leider immer wieder genutzten Gesetzesumgehung durch die Serienemission von jeweils 20 Anteilen. Vermögensanlagen-Informationsblätter sollen zukünftig wie Verkaufsprospekte nur noch maximal zwölf Monate gültig sein, und Werbung muss sich enger an die Aussagen in den Verkaufsunterlagen halten. Besonders wichtig finde ich die bessere Abstimmung zwischen BaFin, Bundesanzeiger und Bundesamt für Justiz, wenn es um die Einhaltung von Transparenzvorschriften und die Sanktionierung von deren Missachtung geht. Bei Verstößen würde nach dem Entwurf – wie bei Produktinterventionsmaßnahmen und bei angeordneten Sonderprüfungen der Jahresabschlüsse – die Finanzaufsicht Bekanntmachungen veröffentlichen. Zumindest bei den Anbietern, die weiterhin Neugeschäft betreiben möchten, würden Transparenzvorschriften endlich ernst genommen. Die Aufzählung der geplanten Maßnahmen ließe sich noch deutlich erweitern. Angesichts der Ungewissheit bei der Umsetzung verweise ich auf meine ausführliche Stellungnahme, die ich beim Bundesministerium der Finanzen dazu eingereicht habe.

Drohender Dominoeffekt bei offenen Immobilienfonds
Mit 125 Milliarden Euro gesammeltem Kapital von PrivatanlegerInnen sind offene Immobilienfonds ein sehr beliebtes Produkt. Wenn allerdings von der hohen Sicherheit dieser Anlageform gesprochen wird, vergessen die Anhänger gerne die leidvollen Erfahrungen abgewickelter Fonds nach der Finanzkrise (Survivorship Bias). Bei einigen kam es nach vielen Jahren der Hängepartie zu Verlusten von über 50 Prozent. Deka, Union, Commerz Real & Co. behaupten trotzdem, dass ihre Fonds sehr sicher seien. Sie tun weiterhin so, als ob die jüngsten einschneidenden Korrekturen auf den Immobilienmärkten sie nicht beträfen. Doch die Fassade bröckelt zunehmend, denn die anhaltenden Rückflüsse führen vermehrt zu Liegenschaftsverkäufen, die wiederum nur möglich sind, wenn zuvor längst überfällige Preisanpassungen vorgenommen wurden. KanAm Grund hat nun zum wiederholten Male eine Preiskorrektur für den Leading Cities Invest vermeldet, wodurch der Preischart wie eine steile Treppe zunehmend in den Performancekeller führt. Minus 20 Prozent beträgt mittlerweile die Jahresperformance. Wenn das so weitergeht, ist bald der gesamte Anlageerfolg seit Auflage im Juli 2013 verfrühstückt. Der Angstindikator als Preisvergleich zwischen gutachterlichem Anteilswert und bezahlten Börsenkursen deutet klar darauf hin. AnlegerInnen wollen aber nicht nur aus diesem Fonds dringend heraus. Mehr als die Hälfte der Angebote ist zwischenzeitlich auf Jahressicht im Minus, und die Rückgabewelle gewinnt dadurch weiter an Schwung. Wären die Gutachter unabhängig bestellt und die Bewertungen auf Marktniveau, könnte die Liquidität innerhalb der Kündigungsfrist von zwölf Monaten durch Verkäufe beschafft werden. Nicht vorgenommene marktbedingte Korrekturen begreifen jedoch immer mehr Anleger als Chance, jetzt noch bei Preisen auf Rekordniveau zu kündigen.

Warten auf die SORAVIA-Konzernbilanz 2023
Mit großer Spannung warten viele AnlegerInnen der One Group auf den Konzernabschluss der SORAVIA Investment Holding aus Wien. Letztes Jahr haben Erwin Soravia und Peter Steurer die Konzernzahlen am 14. September unterschrieben. Für 2023 sind die Konzernzahlen Mitte November jedoch noch nicht im Firmenbuch abrufbar. Allerdings gibt es bereits die Einzelbilanz. Danach ist das Eigenkapital von 16,2 auf 7,8 Millionen Euro eingebrochen. Die Eigenkapitalquote halbierte sich von 41,7 auf 21,1 Prozent. Allerdings dürfte das nur ein Teil der Wahrheit sein, da die nicht auf der Passivseite ausgewiesenen Haftungsverhältnisse und sonstigen finanziellen Verpflichtungen mit mittlerweile 39,5 Millionen Euro das Eigenkapital weit übersteigen. Aus Sicht der AnlegerInnen von ProReal Europa 9 und ProReal Europa 10 sind vor allem die Jahresabschlüsse einzelner Projektgesellschaften von Interesse. Hier liegt bereits eine Reihe von Abschlüssen für 2023 vor, die massiv die Frage aufwerfen, warum dort jeweils das Kapital der AnlegerInnen (fast) wertlos sein soll. Einige Abschlüsse zeigen leichte und in manchen Fällen auch deutliche bilanzielle Überschuldungen. Negatives Eigenkapital in Höhe der gewährten Projektfinanzierungen sind jedoch nicht zu finden. Nur dann wäre das Kapital der Anleger – eine marktgerechte Bilanzierung der jeweiligen Vermögenswerte unterstellt – stichtagsbezogen verloren.

Streit um PI Pro Investor-Fonds beigelegt
Nach monatelangen Querelen und Drohungen haben sich Quadoro und WIDe über die zukünftige Verwaltung der PI Pro Investor Immobilienfonds 3, 4 und 5 verständigt. Konkret gibt die zur Doric-Unternehmensgruppe zählende Quadoro das bisherige Mandat per 1. Dezember 2024 ab. Hintergrund waren sehr deutliche Mehrheiten in Gesellschafterversammlungen, die sich für einen Wechsel zur WIDe Wertimmobilien Deutschland Gruppe ausgesprochen haben. Die entsprechende Vereinbarung zur Übernahme des KVG-Mandats wurde am 19. November 2024 unterzeichnet. Eine Information an die Gesellschafter der drei Alternativen Investmentfonds soll zeitnah erfolgen.

Bleiben Sie wissbegierig.
Ihr
Stefan Loipfinger

P.S. in eigener Sache: Diese Woche haben wir im Anlegerforum Investmentcheck.Community mit „Lola171“ die Marke von 8.000 NutzerInnen überschritten. In 257 Foren gibt es mittlerweile 2.194 Themen. Immer mehr AnlegerInnen schätzen die Möglichkeit, sich ehrlich und ohne Zensur mit anderen über Probleme bei ihren Geldanlagen austauschen zu können.


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