Editorial Investmentcheck-News 4/2016

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

was vor zehn Jahren undenkbar war, ist heute leider normal. Die Anbieter von geschlossenen Fonds stellen Ihren Anlegern einen konkreten Anlageerfolg in Aussicht, sagen aber nicht, wie dieser berechnet wird. Doch wie soll ein Anleger beurteilen, ob die Prognosen realistisch sind oder nicht? Einem Investor fehlen damit wesentliche Informationen, was später Haftungsansprüche auslösen kann. Dieser „prognostizierte Blindflug“ ist leider Standard. Wir haben für 92 Angebote eine nachvollziehbare Prognoserechnung angefordert. Nur 23 Mal wurde uns eine solche vorgelegt und es konnten 5 Transparenz-Sterne vergeben werden. Ein beschämendes Armutszeugnis.

Wenn Sie nachvollziehen wollen, wer in dieser oder auch den anderen Transparenzkategorien von Investmentcheck gut abgeschnitten hat, kann jetzt auch mit der Mastertabelle auf der Startseite selektiv danach suchen. Ein Klick auf „Transparenz“ öffnet die Unterleiste mit den einzelnen Kriterien. Die Auswahl „alle“ oder „in Platzierung“ zeigt dann jeweils eine Liste mit den bewerteten Angeboten. Eine aufsteigende oder absteigende Sortierung ist über einen Klick auf „Sterne“ möglich.

Mit einem überraschenden Todesfall endete das Investment ii-Z-Anlage der V&F-Gruppe. Die Anleger bekommen ihr Geld zurück, da es offenbar noch nicht investiert war. Doch die Unsinnigkeit des Angebots hätte Böses erahnen lassen. Den Anlegern wurde eine Verzinsung von 12 Prozent versprochen, weshalb unter Einrechnung der anfänglichen und laufenden Kosten mit den Investments grob geschätzt 20 Prozent verdient werden hätte müssen. Ein Unding bei einer Laufzeit von 5 Jahren und Investitionen in Bestandsobjekte und Neubauten.

Vermutlich weniger Glück hatten die Investoren bei der Baudetail AG. Das Crowdinvestment der Plattform LightFin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nachfragen zum Verbleib der Anlegergelder blieben leider unbeantwortet. Besonders fragwürdig an dem Fall ist die anschließende Gründung einer Baudetail GmbH. Ein böser Verdacht drängt sich auf: Die Anleger sind ihr Geld los. Das Geschäft geht mit neuer Firma weiter. Mit stimmrechtslosen Anlegern kann man es ja machen.

Ihr

Stefan Loipfinger


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