Editorial Investmentcheck-News 3/2016

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

ob die BaFin wirklich Ernst macht und den Retailvertrieb von Bonitätsanleihen verbietet? Das mag jetzt nicht weiter spektakulär klingen, aber es wäre das erste Mal, dass sie von ihrer Möglichkeit der Produktintervention Gebrauch macht. Bis 2. September haben die Anbieter solcher Produkte nun Gelegenheit zur Stellungnahme.

Interessant sind vor allem die Begründungen.

Man hat Bedenken, die Produktbezeichnung Bonitätsanleihe könnte irreführend sein. Mögliche Interessenskonflikte werden angeführt. Und wegen der „hohen Produktkomplexität“ wird der Anlegerschutz in Frage gestellt. Dazu wurden Beratungsdokumentationen ausgewertet, die deutlich machten, dass den Kunden „die Funktionsweise der Produkte in der Regel nicht adäquat erklärt wird.“
Hand aufs Herz: Wer kann die Mechanismen erklären, wie Kosten und Marktveränderungen auf die Preisbildung solcher Produkte wirken? Nicht allgemein, sondern konkret in Form von klaren Preisberechnungen. Das mag nicht unser Business sein, aber wenn wirtschaftlich hoch gebildete Menschen es nicht verstehen, welche verständige Anlegerzielgruppe bleibt dann noch übrig?

Übrigens: Wie viele Anleger von Alternativen Investmentfonds oder Vermögensanlagen können die Wirkung von Kosten und anderen Marktparametern beziffern? Wären die Argumente von Bonitätsanleihen nicht übertragbar?

Noch ist all das kein Thema. Seit letztem Newsletter wurden 44 neue Produkte bei Investmentcheck eingetragen. Sechs davon sind als AIF und weitere sechs als operativ tätiger Fonds konzipiert. Drei Direktinvestments, zwei stille Beteiligungen und 27 Nachrangkonstrukte kamen noch hinzu. Ein Füllhorn von Anlagemöglichkeiten, das zum Teil an alte Zeiten erinnert, als Produkte noch „verteilt“ wurden. So zum Beispiel geschehen bei Companisto, die für sich selbst zwei Millionen Euro gesammelt haben. Nicht in 48 Monaten, 48 Wochen oder 48 Tagen wurde die Platzierung beendet. Nein, in 48 Stunden wurde die Platzierung weitgehend abgeschlossen. Das sind 1.000 Zeichnungen pro Tag! Und niemand musste Tage oder Wochen warten, bis sein Antrag bearbeitet wurde. Innerhalb von Sekunden wird der Eingang bestätigt und Sekunden später liegt die Zeichnungsannahme im Postfach.

Man kann sicher über einige Aspekte diskutieren. Doch offenbar hat die Story viele „Companisten“ überzeugt. Ganz anders als die Deutsche Bank, die ihren AIF mangels Interesse vom Markt genommen hat. Lesenswert sind sicher auch die kritischen Beiträge zu CH2, Magellan und P&R. Oder die etwas skurrile Geschichte über einen Anbieter, der Investmentcheck die Nennung seines Angebots verbieten wollte…

Ihr

Stefan Loipfinger


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