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Aufstieg und Untergang der MCE-Fonds

200 Millionen Euro Anlegerkapital in wenigen Jahren vernichtet

25.03.2020 • In den Jahren 2008 bis 2012 hat die MCE Schiffskapital AG zehn Fonds aufgelegt und ein Eigenkapital von rund 200 Millionen Euro platziert. Acht dieser Fonds sollten von der Schiffsmarktkrise profitieren und günstig Schiffsbeteiligungen im Zweitmarkt einkaufen. Beteiligt haben sich mehr als 6.000 Anleger, viele davon mehrfach. Inzwischen sind alle Gesellschaften der MCE-Gruppe insolvent, die Fonds auch. Verdient haben nur die Initiatoren.

Konzernstruktur. Muttergesellschaft der MCE-Gruppe war die MCE-Schiffskapital AG. Personen hinter der Gruppe sind Holger Dahm und mittelbar über die "St. Petri" Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sein Vater Herbert Dahm, ferner Nikolas Dierkes und Michael Ruppert, der die Gruppe in 2011 verließ. Das nachfolgende Schaubild zeigt die Struktur der Gruppe vor Auflösung im Spätsommer 2018. Seitdem wurden die MCE-Firmen nach Bremen verlegt und umbenannt. Aus der MCE Schiffskapital AG wurde die Alphabet Kapital AG und beispielsweise aus der MCE Treuhand die Alphabet Treuhand. Nikolas Dierkes schied überall aus Vorstand und Geschäftsführung aus. Im November änderten auch die Komplementärinnen der Fonds ihre Namen - aus MCE wurde BPY - und siedelten gleichfalls nach Bremen um. Im Dezember 2018 meldete dann ein Unternehmen nach dem anderen Insolvenz an, bis zuletzt Anfang 2020 für die Fonds selbst und die Alphabet Konzept GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Die Insolvenzverwalter der Fonds sowie der Treuhänderin sind Anwälte der Kanzlei Görg. Die Kanzlei Haslinger Korrell wickelt die Insolvenzen der Fondskomplementärinnen ab und die sonstigen Insolvenzen der Gruppe werden von Schultze & Braun betreut.

Organigramm der MCE-Gruppe
Quelle: Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V.

Überproportionaler Gewinnanteil. Die Zweitmarktfonds der MCE zeichnen sich durch ein Konzept aus, das von herkömmlichen Schiffsfonds abweicht. Dafür, dass angeblich auf übliche Gebühren in der Investitionsphase verzichtet wurde, sollten die Gründungsgesellschafter überproportional an den Erlösen beteiligt werden. So sollten die Gründungsgesellschafter beispielsweise beim MCE Fonds 04 bei einer Beteiligung am Gesamtkapital von 0,9 Prozent einen Anteil von acht Prozent an den Auszahlungen erhalten. Die Folge: Bereits mit der zweiten Ausschüttung hatten die Gründungsgesellschafter ihr eingesetztes Kapital zurück und angefangen zu verdienen.

Centaurus und Andromeda. Viel mehr ausgeschüttet haben selbst die ersten Fonds nicht. Denn die Fonds dienten als Schuttablage. So haben sie in 2012 der Chemikalien Seetransport GmbH zwei zu teuer eingekaufte Schiffe abgenommen, die Bulk Carrier Trans Nanjing und die Trans Hangzhou. Im Juni 2012 wurde die Trans Hangzhou mit einer Finanzierung von rund 21 Millionen Euro abgeliefert. Im Oktober 2012 übernahmen die Fonds sämtliche Gesellschaftsanteile. Im März 2013 wurde das Schiff für 15 Millionen Euro verkauft. Der Verlust stand schon bei Übernahme fest. Bei der Trans Nanjing sah es ähnlich aus, auch wenn sie erst später verkauft wurde. In den Portfolioübersichten der Fonds wurden die Vorgänge verschleiert, weil die Beteiligungen einmal unter dem Schiffsnamen, dann aber unter "Centaurus" beziehungsweise "Andromeda" gelistet wurden.

Weitere Verlustgeschäfte. Die Fonds haben auch der Reederei Wulff und der Conti-Gruppe Schützenhilfe geleistet. So übernahmen sie Anteile für 12,7 Millionen Euro an der hoch verschuldeten Victoria Wulff. Bei der Conti Ontario, einem Private Placement für Friends and Family der Conti-Gruppe, beteiligten sie sich mit mehr als neun Millionen Euro, obwohl das Schiff bis an die Oberkante verschuldet war. Keine der Schiffsgesellschaften hat überlebt. Keine der Gesellschaften hat Ausschüttungen an die MCE-Fonds gezahlt.

Täuschungsabsichten? Im Jahr 2013 gewann MCE den Scope Award in der Kategorie „Asset Based Investments – Alternatives – Shipping“. Die Jury begründete ihre Entscheidung vor allem mit der Produktqualität, der Transparenz, der Kontinuität, der Seriosität und der Innovationskraft der MCE. Noch im selben Jahr stützte eine Vielzahl der Anleger auf Anraten der Geschäftsführung die Fonds mit einer Kapitalerhöhung. Anfang 2017 forderte die Geschäftsführung Ausschüttungsrückzahlungen, um die Insolvenz abzuwenden. Zahlreiche Anleger sind auch dieser Aufforderung gefolgt. Die Treuhänderin hatte ihnen versprochen, die Mittel nur freizugeben, wenn die insolvenzfreie Liquidation sichergestellt sei. Die Mittel wurden freigegeben, aber sichergestellt war nichts. Inzwischen sind nicht nur alle Gesellschaften der MCE-Gruppe, sondern auch alle Fonds insolvent. Die Gründungsgesellschafter haben angeblich auch kein Geld mehr. Zwei von ihnen haben sich in 2018 viel in Asien aufgehalten. Einer von ihnen ist schon nicht mehr zu finden.

MCE Reederzins Besondere Beachtung verdient der MCE Reederzins 1, von den Initiatoren liebevoll mit dem Untertitel "die maritime Festzinsalternative" versehen. Es handelt sich um ein erst in 2014 aufgelegtes Angebot für Nachrangdarlehen. Mit diesen Darlehen sollten Schiffsgesellschaften, die anderweitig keine Kredite erhalten konnten, am Leben gehalten werden. Dass die sich die zuvor aufgelegten MCE-Fonds bereits in einer existenziellen Krise befanden, verschwieg der Prospekt zum MCE Reederzins 1. Hier wurde noch mit der erfolgreichen Entwicklung der Fonds geworben.

Kondert’s Meinung. Mit clever gemachten Prospekten und einer professionell wirkenden Berichterstattung lässt sich auch Schrott verkaufen. Die MCE-Herren haben die 200 Millionen der Fonds nach Gutdünken investiert, ohne dass ihnen jemand auf die Finger gesehen hätte. Die vertraglich vereinbarte Mittelverwendungskontrolle beschränkte sich auf die Überprüfung formaler Kriterien und war nur Makulatur. Das gilt für die Zweitmarktfonds ebenso wie für den MCE Reederzins 1. Anleger, die die Bücher der Fonds einsehen wollten, mussten dies gerichtlich durchsetzen. Und dann wurden ihren Anwälten genau die Unterlagen, die laut Gerichtsbeschluss eingesehen werden sollten, einfach nicht vorgelegt. Die MCE-Geschäftsführer haben auf Zeit gespielt und gewonnen. Denn obwohl der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V. in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Schirp & Partner umfangreiches Material zusammengestellt hat, um Ansprüche der Fonds wie der Anleger zu belegen, dürfte es zu spät sein. Denn nahezu alle Anspruchsgegner sind entweder verschwunden oder haben kein Geld mehr. Chancen dürften nur Anleger haben, die über eine Bank vermittelt wurden und bereit sind, gegen diese gerichtlich vorzugehen.

Diesen Beitrag verfasste Kerstin Kondert, Vorstand des Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V.

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