Hier bestellen
Marktanalyse Publikums-AIF 2019
News
Suche nach:

Gold-Leihe ohne Verkaufsprospekt

BaFin kritisiert Valvero Sachwerte

04.11.2019 • Mit einer weichen, BaFin-typischen Formulierung hat die Finanzaufsicht nun die Gold-Leihe der Valvero Sachwerte aus Berlin beanstandet. Ihr liegen „Anhaltspunkte“ dafür vor, dass Valvero ohne den notwendigen Verkaufsprospekt Anlegerkapital einsammelt. Es geht um mehrere Vermögensanlagen, die sie dem Begriff Gold-Leihe vermarktet. Ein Blick auf die Homepage des Anbieters bestätigt diesen Eindruck. Kunden stellen ihr Gold zur Verfügung und erhalten dafür ein Edelmetall-Sachdarlehen. Je nach Laufzeit zwischen zwei und fünf Jahren gibt es 2,75 bis 4,5 Prozent Zinsen pro Jahr.

Weitere Texte

  • Nur noch Dünger »

    Balsa-Investments von ShareWood sollen geschreddert werden

    Eigentlich sollten Anleger der ShareWood Switzerland AG aus Zürich Geld mit dem Anbau von Balsa-Holz in Brasilien verdienen. Jetzt wurde ihnen allerdings offenbart, dass das Holz n ...

  • Millionenverluste für UDI-Anleger »

    Jahresabschlüsse 2018 offenbaren immer größere Probleme bei UDI

    Schon jetzt summieren sich die 2018er Verluste für die UDI-Festzins-Produkte auf rund 13 Millionen Euro! Dabei sind noch nicht einmal alle Jahresabschlüsse für das Vorjahr veröffen ...

  • „UDI verdient die rote Karte“ »

    Interview mit der Anlegeranwältin Eva-Maria Ueberrück

    Eva-Maria Ueberrück ist Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht. Sie arbeitet in der Münchner Kanzlei Mattil & Kollegen und beschäftigt sich schon länger mit dem Fall UDI. Für ...

  • P&R: Erlöse von 1 Milliarde Euro wahrscheinlich »

    Mit der offiziellen Vergleichsannahme verkündet Jaffé gute Nachrichten

    Auf den Gläubigerversammlungen vor einem Jahr haben die Insolvenzverwalter noch Erlöse aus der Vermietung und Verwertung der Container von einer halben Milliarde Euro geschätzt. Nu ...

  • Gläubigervertreter bei PIM Gold »

    Insolvenzgericht hat vorläufigen Gläubigerausschuss bestellt

    Das Insolvenzgericht im Fall PIM Gold hat einen fünfköpfigen vorläufigen Gläubigerausschuss bestimmt. Vier davon sind Rechtanwälte geschädigter Anleger. Sie unterstützen und kontro ...

  • Zweifel an ThomasLloyd »

    Wie viel Geld steckt bei ThomasLloyd wirklich in Infrastrukturinvestments?

    Mit einem Platzierungsvolumen von über einer Milliarde Euro ist ThomasLloyd einer der größten Anbieter von geschlossenen Fonds und ähnlichen Anlageformen. Allein im vergangenen Jah ...

  • Post vom P&R-Insolvenzverwalter »

    Kanzlei Jaffé verschickte Anfechtungsbriefe an 25 Musteranleger

    Tausende ehemalige P&R-Anleger könnten sich vergangenes Jahr zu früh gefreut haben. Die P&R-Insolvenzverwalter haben nun 25 ehemalige Investoren ausgesucht, die Beträge zwischen 9. ...

BaFin. Die Meldung der BaFin über den Verdacht eines fehlenden Verkaufsprospektes wurde am 29. Oktober verbreitet. Die beiden Geschäftsführer ahnten nichts davon. Auf Nachfrage, seit wann die Finanzaufsicht eine Prospektpflicht prüft, antworteten sie überrascht: „Das können wir Ihnen leider nicht sagen. Wir haben erstmals Kenntnis darüber mit Eingang eines Schreibens der Bafin am 29.10.2019 darüber [sic] erhalten.“ Sie wurden also nie angehört, bevor die BaFin ihre Meldung verbreitete. Dafür wirken die beiden Geschäftsführer Stefan Lau und Thomas Straub noch ziemlich entspannt. Offenbar haben sie kein Problem mit einer Prospektpflicht, die sie bisher nicht gesehen haben wollen: „Dennoch steht der Frage nach einer Prospektpflicht nichts entgegen, die [sic] wir uns auch gerne unterwerfen, um noch mehr Transparenz und Risikoaufklärung für den interessierten Kunden darzustellen. Wir haben ein einfaches Produktangebot. Alle Inhalte werden deutlich dargestellt. Eine mögliche Prospektierung kann so gesehen nur förderlich sein, für noch mehr Klarheit des Angebotes zu sorgen.“

Die Gold-Leihe soll zinsloses Gold zum Ertragsbringer machen.
Quelle: Screenshot goldberater.de

Sachdarlehen. Bei der rechtlichen Ausgestaltung nutzt der Anbieter Vorschriften aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), wonach die Kunden ein Sachdarlehen zur Verfügung stellen. Dabei liefern sie bisher „zinslos“ irgendwo gelagertes Gold bei Valvero ein oder kaufen dieses dort. Der Gegenwert wird als Darlehen verbucht und verzinst, wobei die Rückzahlung in Form des Sachwertes erfolgt: „Bei Fälligkeit der Rückerstattung erhalten Sie die Sachen in gleicher Art, Güte und Menge zurück (§ 607 Abs. 1 BGB).“ Auf Anfrage hat dies Valvero noch präzisiert: „Als Beispiel: Der Kunde leiht uns vor 2 Jahren 500 Gramm Gold in Form von 5 x 100 Gramm Gold, bekommt er diese 5 x 100 Gramm nach Ablauf heute auch zurück.“ Die Basis für die Zinsen ist der Wert des Goldes bei Einlieferung.

Sicherheiten. Wer sein Gold besonders sicher verwahrt wissen will, kann eine zweijährige Variante mit „Einlagensicherung“ wählen. Hier liegt der Zinssatz bei 2,75 Prozent: „Der Darlehensgeber erhält eine auf seinen Namen ausgestellte Einzelbürgschaft bis maximal in Höhe seiner getätigten Einlage eines großen europäischen Versicherers zur Einlagensicherung.“ Auf Nachfrage erklärten Stefan Lau und Thomas Straub, dass es sich hierbei um die Zurich Versicherung handelt: „Diese setzt bei Zahlungsausfall durch Insolvenz des Darlehensnehmers ein, bezogen auf den bei Schadenseintritt aktuellen Wert der verliehenen Gewichte, bis maximal in Höhe des bei Vertragsabschluss vereinbarten Bürgschaftsbetrages ein.“ Wer auf diese Bürgschaft verzichten will, dem wird für drei Jahre eine Verzinsung von vier Prozent und bei vier oder fünf Jahren von 4,5 Prozent versprochen. Eine „Hochsicherheitslagerung der Edelmetalle mit 100 % Versicherungsschutz“ und eine „Vertrauenschadenversicherung (VSV)“ soll es immer geben.

Geschäftsmodell. Die Beschreibung von Valvero, wie sie mit dem Gold der Kunden die versprochene Verzinsung erwirtschaften wollen, ist sehr unkonkret. Die Geschäftsführer Stefan Lau und Thomas Straub wollen das Gold auf ihre Filialen in Lindau, Garmisch-Partenkirchen und Berlin verteilen, um dort die Kundenwünsche schneller bedienen zu können. Auf der Homepage heißt es dazu: „Durch die Häufigkeit des Handels mit der geliehenen Ware, wird der Zins für Sie und eine Marge für uns erwirtschaftet und das ohne Kursrisiko! So können wir uns den Zins von bis zu 4,50 % p.a. leisten.“ In einer Mail haben die beiden Geschäftsführer das ähnlich nichtssagend erklärt: „Die von unseren Kunden zur Verfügung gestellten Edelmetalle müssen für uns handelbar sein. Das heißt wir müssen und dürfen so wie es in unseren Verträgen geregelt ist, darauf zugreifen können [sic] und damit arbeiten. Die Edelmetalle befinden sich im ständigen Umlauf.“ Bei aktuell 2.350 Unzen Kundengold (3,2 Millionen Euro) müssen allerdings entsprechend hohe Umsätze erzielt werden, um die Zinsen für die Kunden zu bedienen.

Jahresabschluss. Im Bundesanzeiger ist für die Valvero Sachwerte GmbH der Jahresabschluss für das Jahr 2017 hinterlegt. Und obwohl die Firma mit „Zuverlässigkeit & Erfahrung“ aus mehr als zehn Jahren wirbt, ist das Geschäftsvolumen erst im Jahr 2017 nennenswert gestiegen. So hat sich die Bilanzsumme von 248.000 Euro in 2016 auf 1,87 Millionen Euro vervielfacht. Fast im gleichen Ausmaß ist das Eigenkapital von 30.000 auf 210.000 Euro gestiegen. Offenbar liefen die Geschäfte ganz gut, was aber aufgrund einer in der bekannt gemachten Version nicht enthaltenen Gewinn- und Verlustrechnung nicht genauer betrachtet werden kann. Auf Anfrage lieferte Valvero keine solche Überschussrechnung. Nur die Umsatzerlöse von 10,5 Millionen Euro in 2017, 15,8 Millionen Euro in 2018 und 17 Millionen Euro bisher in 2019 nannten die Geschäftsführer. In 2018 soll ein Jahresüberschuss wie im Vorjahr in Höhe von 170.000 Euro entstanden sein.

Loipfinger’s Meinung. Die Gold-Leihe der Valvero erweckt stark den Eindruck einer prospektpflichtigen Vermögensanlage. Warum hat Valvero das nie mit der Finanzaufsicht geklärt oder freiwillig gleich selbst einen Verkaufsprospekt mit für die Anlageentscheidung wichtigen Informationen erstellt? Würde den Kunden sonst zu bewusst, dass im Falle einer Insolvenz das eingelagerte beziehungsweise im Umlauf befindliche Gold nicht als Sondervermögen zu behandeln ist? Denn während der vereinbarten Anlagedauer geht das physische Edelmetall in das Anlagevermögen des Edelmetallhändlers über. Wichtig wäre auch, eine Prognose der Gewinn- und Verlustrechnung zu sehen. Schließlich ist es elementar für einen Kunden zu verstehen, wie Valvero dauerhaft die Zinsen für die Gold-Leihe erwirtschaften will.

Kostenloser Newsletter. Sofern Sie regelmäßig an Informationen von investmentcheck interessiert sind, können Sie sich hier für den kostenlosen Newsletter eintragen. Sie erhalten dann alle Informationen wöchentlich in einer Mail zusammengefasst.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...