Hier bestellen
Marktanalyse Publikums-AIF 2019
News
Suche nach:

Gesetzesänderung killt Crowdplattform

Innovestment wird nach Insolvenzantrag aufgelöst

17.11.2017 • FinTechs jagen Banken und andere klassische Finanzunternehmen. Aber die Jäger jagen auch andere Jäger. Es herrscht ein massiver Verdrängungswettbewerb. Am Ende werden nur ein paar überleben. Das gilt auch bei den Schwarmfinanzierungsplattformen. Mit Innovestment schlitterte nun eine in die Insolvenz, um die es Schade ist. Deren Beteiligung über so genannte Special Purpose Vehicles (SPVs) ist aus Anlegersicht eigentlich ein Fortschritt. Aber eine Gesetzesänderung behindert diese verbraucherfreundliche Konstruktion.

Weitere Texte

  • Dramatische Umsatzeinbrüche in 2018 »

    Zuflüsse bei Publikums-AIF und Vermögensanlagen sinken um ein Drittel

    Die Anbieter von Publikums-AIF sowie auch von Vermögensanlagen mussten im vergangenen Jahr dramatische Umsatzeinbrüche hinnehmen. Bei den BaFin-überwachten Alternative Investmentfo ...

  • Erste Anklageerhebung im Fall P&R »

    Staatsanwaltschaft München vermutet gewerbsmäßigen Betrug

    Ein ungewöhnlich hohes Tempo legt die Staatsanwaltschaft München mit der Klageerhebung gegen Heinz R. vor. Ihm wird im Fall des Containeranbieters P&R der Vorwurf des gewerbsmäßige ...

  • Nächstes Companisto-Funding insolvent »

    Nach drei Finanzierungsrunden ist die „Revolution“ von LUUV gescheitert

    Insgesamt 632 Companisten investierten durch qualifiziert nachrangige partiarische Darlehen gut 400.000 Euro in Luuv, dem Erfinder des „revolutionären Kamerastativs solidLUUV“. Zuv ...

  • Klarstellung ohne Mehrwert »

    BaFin will Verbrauchervorschrift nicht konkretisieren

    Seit 3 ½ Jahren gibt es nun die Vorschrift des Paragraph 11a Vermögensanlagengesetz (VermAnlG). Darin geht es um eine Ad-hoc-Pflicht für Vermögensanlagen. Eine ganz wichtige Änderu ...

  • Da läuft einiges aus dem Ruder »

    Führender Öko-Vertrieb UDI muss immer mehr Probleme einräumen

    Georg Hetz hat das von ihm vor 20 Jahren gebaute und die ganze Zeit als Kapitän gelenkte „Schiff UDI“ verlassen. Mit wie viel Wasser im Rumpf der neue Kapitän Stefan Keller zu kämp ...

  • Nicht geleistete Rückzahlung »

    Fällige Einlagen bei CapStar one nicht zurückgezahlt

    Wer bei CapStar one an besondere Sicherheit wie bei der AirForce One dachte, der wird nun vermutlich enttäuscht. Denn die per Ende November 2018 fälligen Rückzahlungen aus gekündig ...

  • Vogelfreier Freiherr »

    Ist Freiherr von Gregory mit Anlegergeld ausgeflogen?

    Am 22. September 2016 hat Franz Freiherr von Gregory einen Verkaufsprospekt für Genussrechte im Gesamtwert von 30 Millionen Euro unterschrieben. Die BaFin hat das Anlagemodell ohne ...

Insolvenz. Die Firma Innovestment GmbH wurde 2011 gegründet und hat kurz darauf mit atypisch stillen Beteiligungen und Genussrechten Geld eingesammelt. Geschäftsführende Gesellschafterin war Christin Friedrich. Seit 2015 verfolgte die Crowd-Plattform die Idee der Special Purpose Vehicles. Diese ist nun aufgrund einer Gesetzesänderung gescheitert. Im November wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Am 14. November wurde die Firma aufgelöst.

Eine gute Idee konnte sich nicht durchsetzen
Quelle: Homepage innovestment.de

SPV. Die Idee von Innovestment war, Crowdinvestoren über Zweckgesellschaften an Startups und anderen Unternehmen zu beteiligen. Hintergrund ist das Vermögensanlagengesetz, das bei Schwarmfinanzierungen über Nachrangdarlehen oder partiarischen Darlehen nur eine Gläubigerrolle mit eigenkapitalähnlichen Risiken zubilligt. Um nun zumindest indirekt Kontroll- und Mitspracherechte für die Schwarmfinanzierer darzustellen, sammelte Innovestment das Geld in jeweils neu gegründeten Special Purpose UGs, die sich wiederum als vollwertige Gesellschafter an den Zielunternehmen beteiligten. Die Geschäftsführerin der UGs wurde ergebnisabhängig mit einer Erlösbeteiligung von fünf Prozent entlohnt.

Gesetzesänderung. Im Sommer 2017 wurde das Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie verabschiedet. Darin enthalten sind Änderungen, die das Vermögensanlagengesetz betreffen. Eine grundsätzlich sinnvolle Anpassung betrifft Schwarmfinanzierungen, die nach Paragraph 2a Absatz 5 nun eine Verflechtung zwischen Plattform und Emittent verbietet. Bereits vorgekommene Auswüchse, bei denen die Plattformen für sich selbst Geld sammelten oder eigene Projekte finanzierten, sollen so unterbunden werden. Vermutlich unbeabsichtigt betroffen ist damit allerdings auch das verbraucherfreundliche SPV-Konstrukt.

Investoren. Direkt von der Insolvenz betroffen sind die Investoren nicht. Deren Geld ist in die Unternehmen investiert, mit denen die jeweiligen Verträge geschlossen wurden. Christin Friedrich hat den Investoren deshalb mitgeteilt: „Die Ihrem Investment zugrundeliegenden Verträge (z. B. Nachrangdarlehensverträge, Atypisch Stille Beteiligungsverträge) bleiben vom Plattformbetrieb und der gesamten Geschäftsbeziehung zu Innovestment unberührt. Die Vertragsbeziehungen zum Emittenten sind so ausgestaltet worden, dass auch eine direkte Kommunikation und ein Informationsaustausch (insbesondere zur Erfüllung von Berichts- und Mitteilungspflichten) zwischen Investoren und den jeweiligen Start-up (Emittenten) möglich ist.“

Loipfinger’s Meinung. Schwarmfinanzierungen sind in der heutigen gesetzlichen Ausgestaltung extrem anlegerunfreundlich. Innovestment hat mit ihrer SPV-Konstruktion versucht, die gesetzlichen Vorgaben mit sinnvollen direkten Beteiligungen an den Zielunternehmen zu verbinden. Das ist in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Nur eine Trennung der SPV bei Geschäftsführung und Gesellschafterstruktur von der Crowdplattform wäre noch zulässig. Noch besser wäre es allerdings, wenn der Gesetzgeber gleich richtige Beteiligungen an den Emittenten zulassen würde, wodurch Mitsprache- und Kontrollrechte gegeben wären.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...