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Scheitern als Erfolg verkauft

Medifundo erreicht Fundinglimit bei Precision EP nicht

04.10.2017 • Eigentlich soll Wettbewerb gut für Kunden sein. Zu viel Wettbewerb kann aber einen Markt auch verderben. Bei Crowdinvestments herrscht jedenfalls sehr große Konkurrenz unter den Plattformen. Deshalb nehmen es einige Geldeinsammler mit der Wahrheit nicht so genau. Medifundo hat beispielsweise ein nicht erfolgreiches Funding anfänglich als „Finanzierung erfolgreich abgeschlossen“ bezeichnet. Erst nach einer Anfrage von Investmentcheck wurde daraus die ehrliche Darstellung „Fundingschwelle nicht erreicht“.

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Precision EP. Emittent des Partiarischen Nachrangdarlehens ist die Precision EP GmbH. Obwohl das Unternehmen mit 25.000 Euro Stammkapital erst im November 2016 in das Handelsregister Dresden eingetragen wurde, soll es bei Beginn des Fundings bereits 4,5 Millionen Euro wert gewesen sein (Pre-Money-Bewertung). Gesucht wurden mit einer Laufzeit von sieben Jahren bis zu 1,75 Millionen Euro, die für Zulassungsverfahren eines medizinischen Produkts verwendet werden sollten. Die Fundingschwelle lag bei 250.000 Euro.

„Finanzierung erfolgreich abgeschlossen“ erwies sich auf Nachfrage als falsch
Quelle: Homepage medifundo vom 19. September 2017; eigene Markierung

Bewertung. Massive Fragen wirft die Pre-Money-Bewertung des Unternehmens und deren Beschreibung im VIB auf. Denn dort wird nur beschrieben, dass „pro EUR 100 Darlehensbetrag mindestens 0,0016%“ Beteiligung am Unternehmen gewährt wird. Umgerechnet auf den kompletten Unternehmenswert bedeutet das 6,25 Millionen Euro Post-Money-Bewertung, was wiederum abzüglich der 1,75 Millionen Euro Fundinglimit eine Pre-Money-Bewertung von 4,5 Millionen Euro ergibt. Doch welcher Anleger hat das so errechnet? Warum werden die Anleger nicht ehrlich und klar aufgeklärt, wie hoch die Bewertung ist und wie sie sich errechnet? Oder sollte eine andere Aussage im VIB nicht zu sehr im Widerspruch dazu stehen: „Der Verschuldungsgrad kann nicht angegeben werden, da es sich beim Emittenten um ein neu gegründetes Unternehmen handelt und noch kein Jahresabschluss aufgestellt wurde.“

Kapitalrückzahlung. Wie viel Geld tatsächlich eingesammelt wurde, ist investmentcheck nicht bekannt. Peter Biewald, Geschäftsführer der medifundo GmbH & Co. KG bestätigte per Mail nur die Rückzahlung eingegangener Gelder: „Stellvertretend für Dr. Friedrich möchte ich Ihnen hiermit mitteilen, dass die Kampagne planmäßig Mitte September beendet wurde, das Funding Ziel wurde nicht erreicht und die bis dahin eingeworbenen Mittel entsprechend an die Anleger zurück bezahlt.“

Loipfinger’s Meinung. Am 19. September 2017 prüfte investmentcheck den Platzierungsstand auf der Homepage von medifundo und fand den Hinweis, dass die „Finanzierung erfolgreich abgeschlossen“ sei. Deshalb wurde nachgefragt, welcher Betrag für das Unternehmen gesammelt werden konnte. Zahlen dazu erhielten wir nicht. Dafür fanden wir einige Tage später plötzlich einen geänderten Hinweis auf der Homepage der Schwarmfinanzierungsplattform, wonach die „Fundingschwelle nicht erreicht“ wurde. Offenbar wollte medifundo anfänglich nicht zugeben, dass die Platzierung gescheitert ist. Im Wettbewerb um interessante Fundings ist es eben wichtig als zuverlässiger Kapitaleinsammler zu gelten. Gescheiterte Fundings sind dafür keine Werbung. Allerdings rechtfertigt das keine Falschangaben!

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