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RWB: Außer Spesen nichts gewesen?

Bisher sehr durchwachsene Ergebnisse

03.05.2017 • Seit gut 15 Jahren werden Venture-Capital und Private-Equity-Investitionen mit geschlossenen Dachfonds-Konstrukten an Privatanleger verkauft. Viele von den damaligen Anbietern sind heute nicht mehr aktiv. Einer der wenigen verbliebenen ist die Münchner RWB, die sich selbst als „erfahrener Fondsinitiator und Marktführer für Private Equity Dachfonds“ bezeichnet. Mit 130.000 Einzelbeteiligungen und einem Gesamtvolumen von rund 1,8 Milliarden Euro ist das sicher richtig. Aber wie zufrieden sind die Anleger mit den älteren Investments? Ein Blick auf die früheren Fonds relativiert so manchen Renditetraum.

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RWB I bis III. Der von Ende 1999 bis August 2002 platzierte RWB Global Market Fonds International I wurde mit einem gezeichneten Kapital von 37 Millionen Euro geschlossen. Im Vergleich zu den beiden Nachfolgerprodukten war das ein Winzling. Von September 2002 bis Juni 2005 wurde für das Nachfolgeprodukt ein Betrag von 434 Millionen Euro eingesammelt, der beim Fonds III (Platzierung von Sommer 2005 bis November 2008) sogar noch auf 582 gesteigert werden konnte. Damit sind diese beiden Produkte die mit Abstand bedeutendsten RWB-Angebote, die aufgrund ihrer bereits längeren Laufzeit Aussagen über die bisherige Performance erlauben.

RWB-Fonds sind angeblich besser als andere Kapitalanlagen
Quelle: www.rwbcapital.de

RWB II. Der im Herbst 2002 herausgegebene Prospekt suggerierte tolle Renditechancen: „Ein Investment in Private Equity eröffnet dem Anleger nachweislich das höchste Renditepotenzial aller derzeit verfügbaren Anlageklassen.“ Der Durchschnitt der historischen Renditen soll über 50 (!) Jahre bei 16 Prozent gelegen haben. Heute ist davon nicht viel zu sehen. Obwohl die Laufzeit damals bis Ende 2011 vorgesehen war, konnten bis Ende 2016 gerade mal kumuliert 144 Millionen Euro oder 39 Prozent ausgeschüttet werden. Sollten die heute noch gehaltenen Beteiligungen die geschätzten 250 Millionen Euro Wert sein, läge die Rendite bisher bei einer schwarzen Null.

RWB III. Bei Prospektherausgabe im Sommer 2005 wurde die Laufzeit bis Ende 2020 angenommen. Damals wurde ein hohes Renditepotenzial angepriesen und je nach Betrachtungszeitraum und Anlagesegment auf jährliche Durchschnittsrenditen der Zielfonds von 10 bis 20 Prozent verwiesen. Bis heute ist davon nichts zu sehen. 132 Millionen Euro oder 26 Prozent wurden bisher kumuliert (!) ausgeschüttet. Weitere 448 Millionen Euro oder 87 Prozent sollen die noch vorhandenen Assets Wert sein. Unter der Annahme dieses Net-Asset-Values haben die Anleger bis heute eine Miniverzinsung realisiert.

Stellungnahme. Sehr ausführlich hat Norman Lemke zu verschiedenen Aspekten Stellung bezogen. Für den Global Market Fonds II macht er den ungünstigen Marktzyklus vor der Finanzkrise für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Außerdem ist er überzeugt, dass mit den noch vorhandenen Assets deutlich bessere Verkaufspreise erzielt werden können, als die Berechnungen per Ende 2016 zum Ausdruck brächten. Er lobt das von RWB stark propagierte Ansparmodell, das seines Erachtens durch laufende Einzahlungen einen Cost Average Effekt produziert. Für die planmäßig laufenden Fonds sieht er nach aktuellem Stand eine Performance auf Anlegerebene von 5 bis 6 Prozent.

Prognosen. 5 bis 6 Prozent Renditechance bei planmäßigem Verlauf halten RWB nicht davon ab, teilweise zweistellige Renditechancen zu suggerieren. Zum Beispiel in der Partnerbroschüre von 2015. Für die letzten zehn Jahre wird bei einem Vergleich von Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Private Equity eine hohe Outperformance angegeben. Bei 14 Prozent Rendite pro Jahr (!) soll Private Equity in der Vergangenheit gelegen haben. Welcher RWB-Fonds kann das in der Realität vorweisen? Oder auf der Homepage werden RWB Kapitalanlagen im 10-Jahresvergleich beschrieben. Private Equity Dachfonds seien renditestark gewesen und hätten einen Gewinn von 9.672 Euro pro 10.000 Euro Beteiligung gebracht. Wer diese Zahl errechnet hat, hat viel statistisches Geschick. Die im RWB-Inside veröffentlichten tatsächlichen Ergebnisse der Private Capital Fonds zeigen per Ende 2016 ein anderes Bild: Bei rund neun Jahren Durchschnittslaufzeit konnte ein mageres Viertel des gezeichneten Anlegerkapitals zurückbezahlt werden. Selbst unter Einrechnung der von RWB veröffentlichten Gewinne auf die noch vorhandenen Unternehmensbeteiligungen bis Ende 2016 kommen die Anleger auf einen Net-Asset-Value von 110 Prozent. Wer das Agio von bis zu sechs Prozent bezahlt hat, muss seinen Gewinn schon mit der Lupe suchen.

Loipfinger’s Meinung. Norman Lemke schrieb auf die Frage nach der unbefriedigenden Gesamtportfolioentwicklung: „Alle Fonds in einen Topf zu werfen und einen Durchschnitt zu bilden verbietet sich daher, wenn man eine einigermaßen objektive Betrachtungsweise anwenden will. Einen Private Equity Fonds können Sie erst ab einem angemessenen Reifegrad und dann vom Ende her beurteilen.“ Ob der angemessene Reifegrad bei rund neun Jahren Durchschnittslaufzeit schon erreicht ist, sei dahingestellt. Die älteren Mamutfonds Global Market II und III sind dafür auf alle Fälle aussagekräftig. Angesichts der bei Zeichnung suggerierten Renditechancen dürften sie keine Begeisterungsstürme bei den Anlegern auslösen. Das sollten auch die Anleger wissen, die heute über eine Investition in einen RWB-Fonds nachdenken.

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