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Aufsichtsrecht ersetzt kein Zivilrecht

Intensive Diskussionen auf dem Sachwerte-Kolloquium 2017

27.03.2017 • In der Sachwerte-Branche steckt Leben. Kontrovers und ambitioniert diskutierten Referenten und Besucher auf dem ersten von den freien Fachjournalisten Friedrich Andreas Wanschka, Markus Gotzi und Stefan Loipfinger organisierten „Sachwerte Kolloquium“ in München. Einig waren sich die rund 120 angemeldeten Teilnehmer in ihrem Engagement, qualifizierte Produkte für private und professionelle Investoren zu entwickeln und zwar über alle Unternehmergenerationen hinweg. Und auch die Medien messen dem Thema eine wachsende Bedeutung bei: Das Handelsblatt schickte ebenso einen Journalisten zu der Tagung wie Fachmagazine und Informationsplattformen. Insgesamt stellten Medienvertreter rund 20 Prozent der Teilnehmer.

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Liebling Crowd. Die Matadore der Branche sind offen für neue Wege und haben ein großes Interesse daran, die erfolgreichen, digitalen Vertriebskonzepte der erfolgreichen Anbieter von Crowd-Investments zu übernehmen. Die jungen Crowd-Plattformen wie Exporo, Bergfürst und iFunded dagegen suchen nach Möglichkeiten, ihre Wachstumspläne umzusetzen. Die Neulinge betreten den Markt nicht ohne Grund mit niedrigen Investitionsvolumina. Die BaFin erlaubt die weitgehend unregulierte Crowd-Finanzierung nur in Grenzen bis zu 2,5 Millionen Euro. Mit einem regulierten AIF sind die jungen Unternehmen derzeit noch überfordert. Denn Vertrauen ist der Schlüssel zum erfolgreichen Vertrieb eines geschlossenen Fonds. Darin waren sich die Referenten einig.

Sachwerte-Kolloquium 2017 am Münchner Flughafen
Bild: Astrid Klee, RedaktionMedien Verlag

Blind-Pool. Eine hohe Markteintritts-Barriere für Unternehmen mit guten Ideen aber wenig Erfahrung. Welche Bank würde ihnen konkrete Assets vorfinanzieren? Bleibt also nur ein Blind Pool. Und Modelle, bei denen der Initiator erst Eigenkapital einsammelt und anschließend in Immobilien und andere Sachwerte investiert, erfordern einen gewaltigen Vertrauensvorschuss, den sich die Anbieter mit einer guten Leistungsbilanz hart erarbeiten müssen.

Regulierungsgrenzen. Mit unterschiedlichen Meinungen debattierten die Referenten über das Thema Regulierung. Macht sie die geschlossenen AIF tatsächlich zu Produkten des weißen Kapitalmarktes? Zwar würden KVG und Verwahrstellen einen Betrug wie bei Wölbern verhindern. Doch würde die BaFin-Gestattung keinen einzigen wirtschaftlich zweifelhaften Fonds verhindern. Das „Schutzbedürfnis der Anleger durch die Regulierung“ koste dennoch bis zu zwei Prozentpunkte der Rendite. Bei den aktuell niedrigen Zinsen würden die Konzepte trotzdem funktionieren. Große Sorgen machen sich jedoch alle Beteiligten für den Fall, dass die Zinsen wieder steigen.

Bankvertrieb. Differenziert diskutierten die Teilnehmer über die Rolle der Banken. Während manche Teilnehmer den Eindruck haben, die ehemals bedeutenden Vertriebspartner würden nur noch standardisierte Investmentfonds anbieten und ihre Kunden daher bevormunden, berichteten andere von einer positiven Entwicklung: So würden Banken und Sparkassen die Sachwertemodelle wiederentdecken und wieder in den Vertrieb einsteigen. Wie kommt der Fonds zum Kunden? Hier müssen alle Anbieter neue Wege gehen. Unabhängige Sachverständige halten manche Vertriebspartner für Dilettanten. Die Anbieter selbst stellen eine Überalterung nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Beratern fest.

Teure Kundenakquise. Kein Wunder, dass sie offen sind für die Möglichkeiten der Digitalisierung. Die Crowd-Plattformen platzieren ihre Nachrangdarlehen häufig innerhalb weniger Stunden ausschließlich online. Doch auch das stellte sich beim Sachwerte-Kolloquium heraus: Die Lead-Kosten bis zum Abschluss sind bei den Crowd-Finanzierern erheblich. Inklusive TV-Spots und Google-Werbung summieren sie sich pro Kunde leicht auf mehrere Hundert Euro. Bei Mindestbeteiligungen von zehn bis 500 Euro muss sich ein Anleger mehrfach beteiligen, um die Kosten zu amortisieren. Harte Wahrheiten – und dennoch präsentierten sich die Teilnehmer des Sachwerte-Kolloquiums in aufgeräumter Stimmung. Das belegen auch die angeregten Gespräche abseits der offiziellen Diskussionsrunden während der Kaffeepausen. Von Kapitulation vor den erschwerten Bedingungen kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Alte Hasen wie Newcomer nehmen die Herausforderung an.

Referenten. Zu den Referenten des ersten Sachwerte Kolloquiums zählten: Simon Brunke, Vorstandsvorsitzender Exporo AG. Stefan Klaile, Vorstand Xolaris Service KG. Robert List, Geschäftsführer Asuco Fonds GmbH. Thomas Roth, Geschäftsführer Immac Immobilienfonds GmbH. Werner Klumpe, Rechtsanwälte Klumpe. Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen. Christoph Kahl, Geschäftsführender Gesellschafter Jamestown US-Immobilien GmbH. Kai von Ahnen, Leiter Vertrieb, Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG. Wolfgang Dippold, Vorstand Project Investment Gruppe. Wolfgang Kunz, Vertriebsdirektor DNL Real Invest AG. Thomas Kuhlmann, Mitglied des Vorstands Hahn-Immobilien-Beteiligungs AG. Rainer Juretzek, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kapitalanlagen. Alexander Betz, Vorstand eFonds Solutions AG. Guido Sandler, Vorstand bergfürst AG. Christoph Ludz, Geschäftsführer Dr. Ludz, Finanzvermittlungs- und Vermögensberatungsgesellschaft mbH. Peter Lesniczak, Geschäftsführer iFunded by iEstate GmbH. Horst Hermann, ZBI Vertriebsmanagement GmbH. Daniel Berger, Fachanwalt und Partner der Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte. Peter Mair, Geschäftsführer Talonec Business Solutions GmbH.

Loipfinger’s Meinung. Auf der Veranstaltung wurde heiß diskutiert. Erfahrungsgemäß konnte bei vielen Themen kein Konsens zwischen Anbietern und Verbrauchervertretern gefunden werden. Aber zumindest wurden Argumente ausgetauscht und die Notwendigkeit unterstrichen, den Kunden stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Die geschärfte Trennung zwischen Aufsichtsrecht und Zivilrecht dürfte einige Anbieter ebenfalls zum Nachdenken gebracht haben. Der Termin für das kommende Kolloquium steht bereits fest: 21. Februar 2018, wieder am Flughafen München. Weitere Informationen auf www.sachwerte-kolloquium.de.

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