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Die Pleitewelle rollt

Protonet, Freygeist & Co. scheitern immer häufiger

13.02.2017 • Insolvenzbekanntmachungen treffen immer häufiger Privatinvestoren, die an eine privat finanzierte Gründerwelle glaubten. Aus der Gründerwelle wird leider eine ständig wachsende Pleitewelle. Mit Protonet kam es zur bisher größten Crowdfunding-Pleite. Kürzlich wurde auch das Scheitern der Freygeist leightweight e-Bikes GmbH vermeldet. Die Zahl der erfolgreichen Modelle wurde schon lange von der Masse gescheiterter Schwarmfinanzierungen überholt.

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Protonet. Insgesamt 3,2 Millionen Euro sammelte Protonet in 2012 und 2014 bei Privatanlegern ein. Laut der Crowdfunding-Plattform Seedmatch wurde am 29. November 2012 mit der ersten Tranche ein Europarekord erzielt: 200.000 Euro in 48 Minuten. Dann eine weitere Sensation: Im Juni 2014 konnten weitere drei Millionen Euro innerhalb von 133 Stunden platziert werden. Ständig nur Superlative für die Vermarktungsidee einer kleinen Serverbox. Laut Seedmatch ging es bei dem Hamburger Startup „um nichts Geringeres, als den einfachsten Server der Welt bei 100%iger Datenhoheit zu schaffen.“ Nun ist die deutsche Protonet Betriebs GmbH Pleite (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 67a IN 49/17). Aber es gibt schon eine amerikanische Protonet Inc. Dort soll das Geschäft weiter geführt werden. Ein Teil der Investoren hat 2016 die Beteiligungen auf die US-Firma übertragen. Streit mit den Investoren gibt es schon länger.

Für Anleger bleibt selten eine gute Rendite übrig
Quelle: ©Trueffelpix - fotolia.com

Freygeist. Ein anderes Funding der Plattform Companisto wurde ähnlich gehypt: Freygeist lightweight e-Bikes. „FREYGEIST hat das E-Bike neu gedacht“, hieß es vollmundig auf der Crowdfunding-Plattform. Die Technologie sollte im Design eines klassischen Fahrrads den Markt revolutionieren. Daraus wurde nichts. Über 1.100 Investoren haben dem Berliner Unternehmen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Am 6. Februar 2017 hat das Amtsgericht Charlottenburg unter dem Aktenzeichen 36f IN 6906/16 das Insolvenzverfahren eröffnet.

Loipfinger’s Meinung. Retrubo, Protonet und Freygeist sind mit ihren eingesammelten Millionenbeträgen nur die Spitze des Eisberges. Jede Woche vermeldet eines der Crowdinvestments ihr scheitern. Die Anleger bleiben dabei meist auf der Strecke, während die Gründer zum Teil einfach mit einer neuen Firma weiter machen. Skandalös ist dabei auch das Verhalten der Crowdfunding-Plattformen. Sie kümmern sich zu wenig, dabei hätten sie als Vermittler des Kapitals eine Schlüsselrolle inne. Von der moralischen Verantwortung ihren Kunden gegenüber ganz zu schweigen.

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