News

Die Pleitewelle rollt

Protonet, Freygeist & Co. scheitern immer häufiger

13.02.2017 • Insolvenzbekanntmachungen treffen immer häufiger Privatinvestoren, die an eine privat finanzierte Gründerwelle glaubten. Aus der Gründerwelle wird leider eine ständig wachsende Pleitewelle. Mit Protonet kam es zur bisher größten Crowdfunding-Pleite. Kürzlich wurde auch das Scheitern der Freygeist leightweight e-Bikes GmbH vermeldet. Die Zahl der erfolgreichen Modelle wurde schon lange von der Masse gescheiterter Schwarmfinanzierungen überholt.

Weitere Texte

  • Autark-Invest wird von BaFin gescholten »

    Aufsichtsbehörde erklärt Verkaufsprospekt für ungültig

    Viel zu selten nutzt die BaFin ihre Möglichkeit, Verstöße gegen das Vermögensanlagengesetz bekannt zu machen. Im Falle der Autark Invest hat sie es ausnahmsweise getan. Sie hat auf ...

  • Zweifel bei österreichischer Crowd-Plattform »

    Gelebte Intransparenz bei 1000x1000

    1000x1000 hat nichts mit Träumen aus 1001er-Nacht zu tun. Die Homepage mit dem ungewöhnlichen Namen ist die älteste Crowdfunding-Plattform Österreichs. Im Umgang mit gescheiterten ...

  • Bürgerwindgesellschaften verweigern Prospektherausgabe »

    Anbieter verstoßen gegen Gesetzesvorgaben

    Das Vermögensanlagengesetz ist völlig unmissverständlich in diesem Punkt: „Der Verkaufsprospekt muss […] auf der Internetseite des Anbieter veröffentlicht und […] zur kostenlosen A ...

  • Scheitern als Erfolg verkauft »

    Medifundo erreicht Fundinglimit bei Precision EP nicht

    Eigentlich soll Wettbewerb gut für Kunden sein. Zu viel Wettbewerb kann aber einen Markt auch verderben. Bei Crowdinvestments herrscht jedenfalls sehr große Konkurrenz unter den Pl ...

  • Kundenbetreuung à la ERGO »

    Beiratswahl eines Immobilienfonds wird zur Schmierenkomödie

    Nach einschlägiger Meinung ist es Aufgabe eines Treuhänders, die Interessen seiner Treugeber nach deren Vorgaben zu wahren und zu vertreten. Ganz anders sieht das eine Treuhandgese ...

  • Insolvent während der Platzierung »

    Minerva ohne Erfolg bei Anleihenverkauf

    Minerva, die römische Göttin der Weisheit stand Pate bei der Namensgebung. Doch anscheinend waren die Anleger weiser, als dem Anbieter lieb war. Sie vertrauten den Zinsversprechen ...

  • Erste Immobilienfundings insolvent »

    Zinsland-Anleger bangen um 1,25 Millionen Euro

    Die Berater von PwC melden ganz aktuell weiter gestiegene Immobilienpreise: „Noch spielt die Musik im deutschen Markt“, lautet die Überschrift zu einer entsprechenden Veröffentlich ...

Protonet. Insgesamt 3,2 Millionen Euro sammelte Protonet in 2012 und 2014 bei Privatanlegern ein. Laut der Crowdfunding-Plattform Seedmatch wurde am 29. November 2012 mit der ersten Tranche ein Europarekord erzielt: 200.000 Euro in 48 Minuten. Dann eine weitere Sensation: Im Juni 2014 konnten weitere drei Millionen Euro innerhalb von 133 Stunden platziert werden. Ständig nur Superlative für die Vermarktungsidee einer kleinen Serverbox. Laut Seedmatch ging es bei dem Hamburger Startup „um nichts Geringeres, als den einfachsten Server der Welt bei 100%iger Datenhoheit zu schaffen.“ Nun ist die deutsche Protonet Betriebs GmbH Pleite (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 67a IN 49/17). Aber es gibt schon eine amerikanische Protonet Inc. Dort soll das Geschäft weiter geführt werden. Ein Teil der Investoren hat 2016 die Beteiligungen auf die US-Firma übertragen. Streit mit den Investoren gibt es schon länger.

Für Anleger bleibt selten eine gute Rendite übrig
Quelle: ©Trueffelpix - fotolia.com

Freygeist. Ein anderes Funding der Plattform Companisto wurde ähnlich gehypt: Freygeist lightweight e-Bikes. „FREYGEIST hat das E-Bike neu gedacht“, hieß es vollmundig auf der Crowdfunding-Plattform. Die Technologie sollte im Design eines klassischen Fahrrads den Markt revolutionieren. Daraus wurde nichts. Über 1.100 Investoren haben dem Berliner Unternehmen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Am 6. Februar 2017 hat das Amtsgericht Charlottenburg unter dem Aktenzeichen 36f IN 6906/16 das Insolvenzverfahren eröffnet.

Loipfinger’s Meinung. Retrubo, Protonet und Freygeist sind mit ihren eingesammelten Millionenbeträgen nur die Spitze des Eisberges. Jede Woche vermeldet eines der Crowdinvestments ihr scheitern. Die Anleger bleiben dabei meist auf der Strecke, während die Gründer zum Teil einfach mit einer neuen Firma weiter machen. Skandalös ist dabei auch das Verhalten der Crowdfunding-Plattformen. Sie kümmern sich zu wenig, dabei hätten sie als Vermittler des Kapitals eine Schlüsselrolle inne. Von der moralischen Verantwortung ihren Kunden gegenüber ganz zu schweigen.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...