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Sauschwach statt Saustark

Insolvenzantrag eines Seedmatch-Fundings

09.01.2017 • Saustark Design als Firmenname sollte das Design der Ikea Sitzmöbelbezüge beschreiben. Für 120 Ikea-Modelle konnten die Kunden individuelle Bezüge aus über 150 Stoffen auswählen. Doch die als “schlankes, effizientes & risikominimiertes Businesmodel” beschriebene Idee ist gescheitert, obwohl sogar zwei Mal Geld bei Investoren gesammelt wurde. Zuerst Mitte 2013 rund 155.000 Euro als Frühphasenfinanzierung zum Ausbau der Produktpalette, für gezielte Marketingmaßnahmen, zur Prozessoptimierung und Optimierung der Webseite. Zwei Jahre später sollte mit einem Fundingziel von 150.000 Euro die Bekanntheit gesteigert und die „weltweite Internationalisierung“ vorangetrieben werden. Doch schon das klappte nur bedingt, denn das Fundingziel wurde mit 80.000 Euro von 107 Investoren nicht erreicht.

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Goodies. Um Investoren zusätzlich zu locken, wurden so genannte Goodies versprochen. Wer mindestens 250 Euro investierte, erhielt einen Gutschein über 30 Euro. Ab 500 Euro Investment gab es schon 100 Euro Gutschein und ab 1.000 Euro dann 200 Euro, einlösbar auf das gesamte Sortiment. Doch Seedmatch als Fundingplattform konnte ihre Investoren nur begrenzt überzeugen. Im Frühjahr 2015 musste die Geldakquise um weitere 60 Tage verlängert werden.

Bezüge für Ikea-Polstermöbel konnten nicht überzeugen.
Bild: Homepage www.saustarkdesign.com vom 9. Januar 2017

Insolvenzantrag. Anfang Januar 2017 wurde der Beschluss des Amtsgerichts München veröffentlicht. Unter dem Aktenzeichen 1513 IN 3791/16 eröffnete sie das Insolvenzverfahren gegen die Saustark Design GmbH: „Zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen (§ 21 Abs. 1 und 2 InsO) wird am 30.12.2016 um 12:00 Uhr vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet, § 21 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 InsO. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wird bestellt: Rechtsanwalt Ivo-Meinert Willrodt, Barthstraße 16, 80339 München.“

Loipfinger’s Meinung. Der im September 2016 als Geschäftsführer ausgeschiedene Betriebswirt Florian Hoffstaedter und die Architektin Marie-Helen Hoffstaedter haben die Umsätze von Ikea Polstermöbel hochgerechnet und ein Marktpotenzial für ihre Bezüge in Milliardenhöhe vorgerechnet. Angeblich würden 25,3 Millionen Polstermöbel von Ikea in Deutschland herumstehen. Noch merkwürdiger ist allerdings, dass vor dem zweiten Funding im 4. Quartal 2014 bereits ein positives Ergebnis erzielt wurde. In einem Update wurde für das 1. Quartal 2015 ein erfolgreicher Verlauf über Plan vermeldet und der März 2015 war mit einem deutlichen Wachstumsplus ein „Rekordmonat“. Angesichts des Insolvenzantrages nur eineinhalb Jahre später scheinen solche Erfolgsmeldungen schon irgendwie gekünstelt.

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