News

Fußball-Transferrechte sind keine Anlageklasse für Privatinvestoren

Hanseatisches Fußball Kontor ist insolvent

21.12.2016 • Jörg Zeitz und Kai-Volker Langhinrichs glaubten, der Fußball sei eine lukrative Anlageklasse. Im Sommer 2014 veröffentlichten sie eine Verkaufsbroschüre für ein Nachrangdarlehen der Hanseatisches Fußball Kontor Invest GmbH mit Sitz in Schwerin. Ziel war, bis zu 50 Millionen Euro einzusammeln, um in Spieler-Transferrechte zu investieren: „Spieler-Transferrechte bieten aufgrund der hohen Wechselhäufigkeit insbesondere junger Spieler extrem hohe Renditen bei sehr kurzer Laufzeit. Vereine konnten für Spieler im Anlagesegment von 18 bis 23 Jahren in den vergangenen Jahren durchschnittlich Transfergewinne von rd. 500 % erzielen.“ Dieser Traum ist schnell geplatzt. Zwei Jahre später wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Muttergesellschaft Hanseatisches Fußball Kontor GmbH eröffnet (580 IN 325/16).

Weitere Texte

  • Unterschätzte Informationspflichten bei Vermögensanlagen »

    Eine rechtliche Einschätzung durch Rechtsanwalt Dr. Jürgen Machunsky

    Der Anlegerschutz in Deutschland hat den mündigen und rational handelnden Verbraucher als Ziel, der seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ohne staatliche Bevormundung ...

  • Nachbohren beim Bohrerhof »

    Braucht Deutschland solche Kapitalanlagen?

    Mitte Februar hat die Bohrerhof GmbH eine Bekanntmachung gemäß Vermögensanlagengesetz vorgenommen. Sie will Geld mit einem qualifizierten Nachrangdarlehen für ein Landhotel einsamm ...

  • Vorsicht bei Werbung von Metropol Immobilien »

    Werbebroschüre nur mit Genehmigung weiterleitbar

    Zwölf DIN-A4-Seiten umfasst der Werbeflyer für ein Nachrangdarlehen der Metropol Immobilien GmbH. Der Inhalt ist höchst fragwürdig und dürfte in verschiedenen Punkten gegen das Ver ...

  • RWB: Außer Spesen nichts gewesen? »

    Bisher sehr durchwachsene Ergebnisse

    Seit gut 15 Jahren werden Venture-Capital und Private-Equity-Investitionen mit geschlossenen Dachfonds-Konstrukten an Privatanleger verkauft. Viele von den damaligen Anbietern sind ...

  • Beurkundungspflichtige Verkaufsbeschlüsse »

    Hohe Formerfordernisse bei Verkauf des letzten Fondsobjektes

    Rechtsanwalt Ralph VeiI von der Kanzlei Mattil & Kollegen aus München hat schon viele Anleger vor Gericht vertreten. Der Spezialist für Bank- und Kapitalmarktrecht kämpft momentan ...

  • Aufsichtsrecht ersetzt kein Zivilrecht »

    Intensive Diskussionen auf dem Sachwerte-Kolloquium 2017

    In der Sachwerte-Branche steckt Leben. Kontrovers und ambitioniert diskutierten Referenten und Besucher auf dem ersten von den freien Fachjournalisten Friedrich Andreas Wanschka, M ...

  • Unterschätzte Transparenzpflichten »

    BaFin bemängelt Einhaltung von Vorschriften

    Das neueste BaFin-Journal von März 2017 hat es in sich. Ab Seite 25 beschreibt die Aufsichtsbehörde die Erfahrungen mit dem Kleinanlegerschutzgesetz und stellt einige Missverständn ...

Konditionen. Laut Verkaufsbroschüre wurden verschiedene Serien der Nachrangdarlehen angeboten. Die Anleger konnten zwischen Laufzeit von 6, 12, 24, 36 und 60 Monaten wählen. Die Zinsen sollten je nach Laufzeit zwischen 6,28 Prozent (6 Monate) und 9,74 Prozent (60 Monate) liegen. Die Mindestdarlehenssumme lag bei 2.500 Euro. Für jede Serie wurden jeweils bis zu 10 Millionen Euro Anlagekapital gesucht.

Mit Nachrangdarlehen sollten bis zu 50 Millionen Euro eingesammelt werden
Quelle: Ausschnitt vom Titelblatt der Verkaufsbroschüre

Insolvenz. Auf der Homepage der Hanseatisches Fußball Kontor ist nachzulesen, dass über das Vermögen der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH mit Beschluss des Amtsgerichts Schwerin (580 IN 325/16) vom 17. Beziehungsweise 23. Juni 2016 das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Am 22. Juli 2016 wurde noch berichtet, man treffe zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Vorkehrungen, „um für die Investoren der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH und Hanseatisches Fußball Kontor Invest GmbH eine maximale Rückführung der investierten Gelder zu erreichen.“

Loipfinger’s Meinung. Im Fußball Geld zu verdienen, schaffen viele der großen Profi-Klubs nicht. Das Geschäft ist hart umkämpft und von Menschen mit viel Geld dominiert. Wer da glaubt, mit Anlegergeld im großen Stile erfolgreich mitmischen zu können, der träumt wie der Fan von so manch einem Fußballverein, der unrealistisch an wundersame Siege gegen übermächtige Gegner glaubt.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...