News

Vertriebsstopp aus Reputationsgründen

Commerzbank verkauft keine geschlossenen Fonds mehr

08.11.2016 • Es sind in erster Linie Reputationsgründe, warum die Commerzbank seit 1. Oktober 2016 den Vertrieb geschlossener Fonds im Privatkundengeschäft komplett eingestellt hat und laut der Pressesprecherin Marion Denner bewusst auf Erträge verzichtet. Das sagt viel über die Ergebnisse der Vergangenheit aus. Denn Angst um seine Reputation muss eine Bank nicht haben, wenn die Produkte eine zufriedenstellende Performance ausweisen würden. Und es sagt viel über die Zukunft aus: Die Commerzbank glaubt offenbar nicht, dass die BaFin-Überwachung bei der Produktqualität etwas verändert.

Weitere Texte

  • Unterschätzte Informationspflichten bei Vermögensanlagen »

    Eine rechtliche Einschätzung durch Rechtsanwalt Dr. Jürgen Machunsky

    Der Anlegerschutz in Deutschland hat den mündigen und rational handelnden Verbraucher als Ziel, der seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ohne staatliche Bevormundung ...

  • Nachbohren beim Bohrerhof »

    Braucht Deutschland solche Kapitalanlagen?

    Mitte Februar hat die Bohrerhof GmbH eine Bekanntmachung gemäß Vermögensanlagengesetz vorgenommen. Sie will Geld mit einem qualifizierten Nachrangdarlehen für ein Landhotel einsamm ...

  • Vorsicht bei Werbung von Metropol Immobilien »

    Werbebroschüre nur mit Genehmigung weiterleitbar

    Zwölf DIN-A4-Seiten umfasst der Werbeflyer für ein Nachrangdarlehen der Metropol Immobilien GmbH. Der Inhalt ist höchst fragwürdig und dürfte in verschiedenen Punkten gegen das Ver ...

  • RWB: Außer Spesen nichts gewesen? »

    Bisher sehr durchwachsene Ergebnisse

    Seit gut 15 Jahren werden Venture-Capital und Private-Equity-Investitionen mit geschlossenen Dachfonds-Konstrukten an Privatanleger verkauft. Viele von den damaligen Anbietern sind ...

  • Beurkundungspflichtige Verkaufsbeschlüsse »

    Hohe Formerfordernisse bei Verkauf des letzten Fondsobjektes

    Rechtsanwalt Ralph VeiI von der Kanzlei Mattil & Kollegen aus München hat schon viele Anleger vor Gericht vertreten. Der Spezialist für Bank- und Kapitalmarktrecht kämpft momentan ...

  • Aufsichtsrecht ersetzt kein Zivilrecht »

    Intensive Diskussionen auf dem Sachwerte-Kolloquium 2017

    In der Sachwerte-Branche steckt Leben. Kontrovers und ambitioniert diskutierten Referenten und Besucher auf dem ersten von den freien Fachjournalisten Friedrich Andreas Wanschka, M ...

  • Unterschätzte Transparenzpflichten »

    BaFin bemängelt Einhaltung von Vorschriften

    Das neueste BaFin-Journal von März 2017 hat es in sich. Ab Seite 25 beschreibt die Aufsichtsbehörde die Erfahrungen mit dem Kleinanlegerschutzgesetz und stellt einige Missverständn ...

Schlimme Bilanz. Im Heft 10/2015 hat die Stiftung Warentest in Finanztest eine große Untersuchung der bisherigen Ergebnisse geschlossener Fonds veröffentlicht. Sowohl bereits aufgelöste Fonds als auch laufende Fonds mit einem Zweitmarktpreis wurden mit deren Prognosen verglichen. Schiffsbeteiligungen, Umweltfonds und Medienfonds lagen fast immer unter ihren Versprechungen aus den ursprünglichen Prospekten. Deutschland-Immobilienfonds waren mit 90 Prozent Zielverfehlung schon die beste Fondskategorie. Über alles haben nur 6 Prozent der Angebote ihre Gewinnprognosen erfüllt oder übererfüllt. Und sogar die harte Linie von einem echten Kapitalverlust wurde von ganz vielen Produkten unterschritten. 57 Prozent der geschlossenen Deutschland-Immobilienfonds, 62 Prozent der Umweltfonds, 81 Prozent der Schiffsbeteiligungen und 96 Prozent der Medienfonds hatten zu diesem Zeitpunkt vor Steuern echte Verluste für ihre Anleger produziert.

Geschlossene Fonds sind in der Vergangenheit nicht gut gelaufen
Quelle: ©alphaspirit - fotolia.com

Loipfinger’s Meinung. Die Deutsche Bank hat im Frühjahr 2016 einen Fonds in der laufenden Platzierungsphase zurückgezogen und damit ein deutliches Ausstiegssignal für die Produktlinie Alternativ Investment Funds (früher geschlossene Fonds) gegeben. Jetzt folgt die zweite Großbank mit einem noch klareren Signal und erklärt den Vertriebsstopp. Am schlimmsten ist die Begründung mit der Reputation. Wenn eine Bank um ihren Ruf bangt und in der heute ertragsarmen Zeit bewusst ein sehr provisionsträchtiges Geschäft auslässt, dann müssen die bisherigen Erfahrungen absolut dramatisch sein. Und was noch entscheidender ist: Auch für die Zukunft hat die Commerzbank offenbar berechtigte Zweifel, dass die heute BaFin-überwachten Alternativ Investment Funds weniger Gefahr für die Reputation darstellen.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...